Molekularbiologen wollen Nutzpflanzen impfen

Eine Impfung bei Pflanzen funktioniert Ă€hnlich wie beim Menschen: Sie provoziert eine moderate Erstinfektion. Denn auch das Immunsystem bei Pflanzen ist lernfĂ€hig. WĂŒrde es gelingen, das Immunsystem von Nutzpflanzen mittel Impfung zu stĂ€rken, könnte das Pestizide einsparen.

Forscher der Rheinisch-WestfĂ€lischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH) arbeiten daran, aus dem großen Pool der Naturstoffe jene herauszufiltern, die eine entsprechende Immunantwort, das sogenannte Abwehrpriming auslösen. HierfĂŒr entwickeln sie in Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaftlern verschiedene automatisierte PrĂŒfsysteme.

Den Begriff „Abwehrpriming“ prĂ€gte der Leiter des Lehr- und Forschungsgebiets Biochemie und Molekularbiologie der Pflanzen, Uwe Conrath. Der Professor fĂŒr Biologie hatte entdeckt, dass eine pilzinfizierte Gurkenpflanze eine Resistenz nicht nur gegen diesen bestimmten Pilz, sondern gegen ein breites Spektrum an Pilzen, Bakterien, Viren und abiotischen Stressfaktoren entwickelte.

Demnach versetzt ein Erstkontakt mit einem Krankheitserreger die Pflanze zunĂ€chst in Alarmbereitschaft: Sie bildet bestimmte Eiweißstoffe, die sogenannten Antikörper. Nach dem Erstkontakt speichert das Immunsystem die Informationen. Bei erneutem Kontakt werden diese sofort abgerufen, und das pflanzliche Immunsystem reagiert viel schneller.

Dieses Wissen wollen die Forscher nutzen, um die AbwehrfĂ€higkeiten von ZuckerrĂŒben zu stĂ€rken. Deutschland ist viertgrĂ¶ĂŸter Produzent von ZuckerrĂŒben weltweit. Laut Wirtschaftlicher Vereinigung Zucker gibt es knapp 26 000 Betriebe. Mit dem Klimawandel wanderte ein neuer Krankheitserreger aus Frankreich ein: Die Schilf-GlasflĂŒgelzikade saugt an den BlĂ€ttern und ĂŒbertrĂ€gt ein Protobakterium, welches das Syndrome Basses Richesses (SBR) verursacht. Die RĂŒben werden kleiner, faulen schneller und haben einen niedrigen Zuckergehalt.

Ein zugelassenes Insektizid gegen die Zikade gibt es derzeit nicht. In Baden-WĂŒrttemberg, wo SBR zuerst auffiel, fĂŒhrte dies bereits zu enormen Ernteverlusten. Deshalb fördert das Landesministerium fĂŒr den lĂ€ndlichen Raum die Suche nach Priming-Substanzen mit einem sechsstelligen Eurobetrag.

Quelle: https://idw-online.de/de/news760609

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