Bedrohte Zugvögel nutzen neu geschaffene Kleingewässer im Landkreis Grafschaft Bentheim

Durch | 10. Oktober 2024

Auf ihrer langen Reise in den Süden machen zahlreiche Zugvögel – darunter viele seltene und bedrohte Arten – Halt in der Vechteaue im westlichen Niedersachsen. Auch der mittlerweile stark gefährdete Kiebitz findet hier neuen Lebensraum. Ein Grund dafür sind die von der Naturschutzstiftung Grafschaft Bentheim und der Heinz Sielmann Stiftung neu angelegten Kleingewässer, die sich als großer Gewinn für den Vogel- und Naturschutz in der Region erweisen.

Man könnte die unscheinbaren Gewässer für große Pfützen halten, tatsächlich handelt es sich aber um lebenswichtige Landschaftselemente: Blänken, die mit ihren flachen Ufern ideale Brut- und Rastplätze für verschiedenste Vögel sind. Im Rahmen des Projekts BioGraf im bundesweiten BiotopVerbund-Projekt wurden seit 2020 insgesamt 18 dieser Tümpel in der Vechteaue im Landkreis Grafschaft Bentheim angelegt. Schon jetzt zeigt sich, wie wichtig die Kleingewässer für die heimische Vogelwelt und Artenvielfalt sind.

Kraft schöpfen für den langen Flug nach Süden

„Wir können um diese Jahreszeit an den Blänken unter anderem Gold- und Flussregenpfeifer, Zwergschnepfen, Bekassinen, Rot- und Grünschenkel, Kampfläufer und Bruchwasserläufer beobachten“, sagt Christian Kerperin, Leiter des Teilprojekts „BioGraf – Biotopverbund im Grafschafter Vechte- und Dinkeltal“ bei der Naturschutzstiftung Grafschaft Bentheim. Allesamt sind das Arten, die entweder stark gefährdet, vom Aussterben bedroht sind oder auf der Vorwarnliste für gefährdete Arten stehen.

„Diese Watvögel befinden sich noch bis in den Spätherbst auf Durchzug in Richtung Süden“, sagt Kerperin. „Sie fliegen in kleinen Trupps und brauchen unterwegs Möglichkeiten zur Rast, damit sie ihre Reserven auffüllen und Kraft schöpfen können. Solche Gelegenheiten finden sie an den neuen Blänken, die wir in den vergangenen vier Jahren hier in der Region geschaffen haben.“ Fehlen derartige Trittsteine, leidet die Kondition der Vögel – was letztlich ihre Überlebenschancen auf der teils mehrere tausend Kilometer langen Reise mindert.

Dass die Region vom Kiebitz und anderen Watvögeln so gut angenommen wird, liegt an der gut durchdachten Planung der naturschutzfachlichen Maßnahmen im Projekt BioGraf: „In der Vechteaue wurden Gewässer wie Perlen an einer Kette angelegt“, erklärt Heinze. „Diese Nähe zueinander schafft Trittsteine  in der Landschaft, die letztlich über den Überlebenserfolg einer Art entscheiden.“

Die Landschaft der Vechteaue war vor rund 120 Jahren noch sehr abwechslungsreich: Kleine Felder und Heiden wurden von Hecken und Wällen umgrenzt, sie wechselten sich mit Mooren und Wäldern ab. Mit der Flurbereinigung Mitte des 20. Jahrhunderts verschwanden die Strukturvielfalt und damit viele Lebensräume und Arten. Im Rahmen des BiotopVerbund-Projekts wurde in der Modellregion Grafschaft Bentheim ein Teil der einstigen Lebensräume wiederhergestellt. Neben den Blänken wurden andernorts in der Region auch Blühstreifen und -wiesen angelegt und mehr als sieben Kilometer an Uferstreifen mit rund 6.000 standorttypischen Bäumen und Sträuchern bepflanzt.

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Autor: LabNews Media LLC

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