Seit 2018 sind die chinesisch-amerikanischen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zunehmend angespannter geworden. Zwischen 2018 und 2019 verhängten die USA sieben Zollrunden gegen China, auf die China mit Vergeltungsmaßnahmen reagierte. Die einfachen Durchschnittszollsätze auf US-Importe aus China stiegen von 4,07 % im Januar 2018 auf 24,43 % im Dezember 2019, während die einfachen Durchschnittszollsätze auf chinesische Importe aus den USA von 9,32 % im Januar 2018 auf 22,53 % im Dezember 2019 stiegen (siehe Abbildung 1).
Infolgedessen ging der Anteil chinesischer Waren an den US-Importen deutlich zurück – von einem Höchststand von 21,6 % im Jahr 2017 auf 14 % im Jahr 2023. Da es sich um die beiden größten Volkswirtschaften der Welt handelt, wird erwartet, dass der Handelskonflikt zwischen den USA und China weitreichende Auswirkungen nicht nur auf ihren Handel und Wohlstand, sondern auch auf die Weltwirtschaft haben wird.

In einem kürzlich im KeAi-Journal China Economic Quarterly International veröffentlichten Übersichtsartikel (doi: https://doi.org/10.1016/j.ceqi.2024.09.003) gaben zwei chinesische Forscher einen Überblick über den chinesisch-amerikanischen Handelskrieg und analysierten dessen Hintergrund, Entwicklung und Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. „Die vorhandene Literatur zeigt, dass der chinesisch-amerikanische Handelskrieg in beiden Ländern erhebliche Wohlfahrtsverluste zur Folge hatte, mit überraschend geringen Auswirkungen auf die Beschäftigung“, sagt Co-Autor Hong Ma von der Universität Tsinghua. „Insbesondere die von den USA gegen China verhängten zusätzlichen Zölle haben weder die Handelsungleichgewichte wirksam behoben noch Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe zurück ins Land geholt.“ Die Studie untersuchte auch die Umgestaltung der globalen Lieferketten infolge des chinesisch-amerikanischen Handelskonflikts. „Die anhaltenden Handelsspannungen zwischen China und den USA haben Schwachstellen in den globalen Lieferketten offengelegt und den Trend zu regionalisierten Produktionsnetzwerken verstärkt“, teilt Co-Autor Jingxin Ning von der University of International Business and Economics mit.
„Interessanterweise ist Chinas Anteil an den US-Importen seit Ausbruch des chinesisch-amerikanischen Handelskriegs zwar dramatisch gesunken, gemessen an den Wertschöpfungsimporten hat die Abhängigkeit der USA von chinesischen Produkten jedoch sogar zugenommen.“ Die Autoren betonen, dass unilaterale Handelspolitiken nur begrenzt wirksam sind, wenn es darum geht, die komplexen wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen der Globalisierung anzugehen, und schlagen vor, den Forschungsschwerpunkt künftig auf die interdisziplinären Auswirkungen von Handelspolitiken zu legen und eine ausgewogene Strategie zu entwickeln, die Wirtschaftswachstum, Verteilungsgerechtigkeit und politische Stabilität fördert.
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2666933124000443
