Die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland hat im April 2025 einen Höchststand erreicht. Laut dem Insolvenztrend des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) wurden 1.626 Fälle verzeichnet, der höchste Wert seit Juli 2005. Dies entspricht einem Anstieg von 11 % gegenüber dem Vormonat, 21 % gegenüber April 2024 und 67 % über dem Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 vor der Corona-Pandemie.
Trotz der hohen Insolvenzzahlen sank die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze. In den größten 10 % der insolventen Unternehmen waren im April 14.000 Jobs betroffen, 14 % weniger als im Vormonat und 53 % unter dem Niveau von April 2024, aber knapp die Hälfte über dem Vor-Corona-Durchschnitt. Der Rückgang ist auf einen hohen Anteil kleiner Insolvenzverfahren ohne ausreichende Insolvenzmasse zurückzuführen.
Der IWH-Insolvenztrend, der Insolvenzbekanntmachungen der Registergerichte mit Bilanzdaten verknüpft, gilt als verlässlicher Frühindikator. Entgegen früherer Prognosen, die stabile oder leicht rückläufige Zahlen erwarteten, führte ein unerwartet hoher Anteil kleiner Verfahren zu den Rekordwerten. Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung, erwartet für die kommenden Monate sinkende Insolvenzzahlen, sofern der Anteil kleiner Verfahren abnimmt. Dennoch bleiben Firmenpleiten auf hohem Niveau.
Die Zahlen spiegeln die wirtschaftlichen Herausforderungen wider, darunter Nachholeffekte der Pandemie und konjunkturelle Schwäche. Über 90 % der von Insolvenzen betroffenen Arbeitsplätze und 95 % der Forderungen entfallen auf Personen- und Kapitalgesellschaften, was die volkswirtschaftliche Relevanz der Daten unterstreicht.
