Eine neue Studie des EU-geförderten RETHINK-GSC-Projekts unter Leitung des Kiel Instituts für Weltwirtschaft zeigt, dass Regionen mit hoher Innovationskraft ein deutlich stärkeres Beschäftigungswachstum verzeichnen. Eine Verdopplung der Patentaktivitäten führt im Schnitt zu einem Anstieg der Beschäftigung um sechs Prozent, besonders in Regionen, die gut in globale Wissensnetzwerke eingebunden sind und aktiv am Forschungsaustausch teilnehmen.
Die Untersuchung von 272 europäischen Regionen zwischen 2011 und 2021 nutzte umfassende Patentdaten, einschließlich Zitiermuster und der Verteilung von Innovationsaktivitäten, um ein differenziertes Bild regionaler Dynamiken zu zeichnen. Besonders stark wachsen Beschäftigungszahlen in Bereichen wie Nanotechnologie, Elektromaschinen, Oberflächentechnik und digitale Kommunikation. Regionen mit hoher Innovationsqualität, gemessen an häufig zitierten Patenten, profitieren besonders, doch eine breite Streuung der Innovationsaktivitäten über verschiedene technologische Felder hinweg erzielt den stärksten Beschäftigungseffekt.
Im Gegensatz dazu verlangsamt sich das Wachstum in Regionen, in denen sich Forschung und Entwicklung auf wenige Bereiche konzentrieren. Die Studie widerlegt Ängste, dass Innovationen wie Automatisierung oder künstliche Intelligenz Arbeitsplätze gefährden, und zeigt, dass sie die Produktivität steigern und die Nachfrage nach Arbeitskräften ankurbeln. Besonders das Verarbeitende Gewerbe sowie MINT-Fachkräfte und hochqualifizierte Arbeitskräfte profitieren, was jedoch bestehende Ungleichheiten verschärfen kann. Die Autoren betonen, dass Innovation durch Bildungsmaßnahmen und gezielte Umverteilungspolitik ergänzt werden muss, um einen gerechteren Nutzen zu gewährleisten. Die Förderung vielfältiger Forschung, die Beseitigung struktureller Ungleichheiten in peripheren Regionen und eine stärkere Integration in globale Wissensnetzwerke sind essenziell, um Europas Wettbewerbsfähigkeit und Zusammenhalt zu stärken. Das RETHINK-GSC-Projekt, das die Auswirkungen von Wissensflüssen in globalen Lieferketten untersucht, vereint Forscher aus elf Instituten, die neue Methoden entwickeln, um immaterielle Güter in Produktionsprozessen zu analysieren und die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu fördern.
Jetzt Studie lesen: Knowledge, Jobs, and Unemployment in Regions (https://rethink-gsc.eu/knowledge-jobs-and-unemployment-in-regions/) (externe Webite)
