Israel-Iran-Konflikt bleibt angespannt – GIGA-Experten analysieren Szenarien und Hintergründe

Durch | 26. Juni 2025

Hamburg/Teheran/Tel Aviv, 26. Juni 2025. Der Konflikt zwischen Israel und Iran hat mit dem jüngsten Krieg eine neue Eskalationsstufe erreicht, berichten Nahost-Experten des GIGA Instituts für Nahost-Studien in Hamburg. Nach Israels völkerrechtswidrigem Angriff am 13. Juni 2025, gefolgt von massiven Gegenangriffen Irans und der direkten militärischen Intervention der USA durch Bombardierungen iranischer Nuklearanlagen, sei die Lage in der Region hochvolatil geblieben, heißt es in einem aktuellen GIGA Insight. Trotz eines von den USA verkündeten Waffenstillstands, der seit dem 24. Juni 2025 gelte, bestünden erhebliche Unsicherheiten hinsichtlich der Einhaltung des Abkommens, der inneren Entwicklung Irans und der Stabilität des dortigen Regimes. Mögliche Szenarien wie ein Militärputsch der Revolutionsgarden, ein Staatszerfall oder ein Bürgerkrieg würden intensiv diskutiert, während europäische Staaten diplomatische Lösungen suchten, bisher jedoch nur begrenzten Einfluss ausübten.

Eskalation und Waffenstillstand: Eine fragile Lage

Der aktuelle Konflikt habe seinen Ausgang in einer großangelegten israelischen Offensive am 13. Juni 2025 genommen, die sich gegen iranische Nuklearanlagen, militärische Infrastruktur und hochrangige Offiziere gerichtet habe, erläuterten die GIGA-Wissenschaftler. Ziel sei gewesen, Irans nukleare Ambitionen nachhaltig zu schwächen, nachdem Teheran angekündigt habe, internationale Nuklearverträge zu missachten. Iran habe mit massiven Raketen- und Drohnenangriffen auf israelische Städte reagiert, wobei Hunderte Opfer auf beiden Seiten zu beklagen gewesen seien. Laut iranischen Medien seien in Iran mindestens 610 Menschen getötet worden, während Menschenrechtsorganisationen von bis zu 974 Opfern sprächen. In Israel seien 28 Todesopfer gemeldet worden.

Die USA seien am 21. Juni 2025 direkt in das Kriegsgeschehen eingestiegen und hätten drei iranische Nuklearanlagen in Fordow, Isfahan und Natanz mit bunkerbrechenden Bomben angegriffen. US-Präsident Donald Trump habe die Angriffe als „vollständige Zerstörung“ der iranischen Nuklearfähigkeiten bezeichnet, obwohl erste Geheimdienstberichte Zweifel an der vollständigen Vernichtung der Anlagen äußerten. Der am 24. Juni verkündete Waffenstillstand sei zunächst von beiden Seiten akzeptiert worden, jedoch hätten sowohl Israel als auch Iran einander wechselseitig Verstöße vorgeworfen. Die GIGA-Experten betonten, dass die Einhaltung des Waffenstillstands entscheidend für eine Deeskalation sei, doch die Lage bleibe angespannt, da beide Seiten ihre militärische Bereitschaft aufrechterhielten.

Mögliche Szenarien: Regimewechsel, Chaos oder Stabilität?

Die Zukunft des iranischen Regimes stehe im Zentrum der Diskussionen, erklärten die GIGA-Wissenschaftler Prof. Dr. Eckart Woertz, Diba Mirzaei und Dr. André Bank. Ein Regimewechsel sei ein viel diskutiertes Szenario, insbesondere nach den schweren Verlusten in der Führungsebene der Revolutionsgarden, darunter der Tod des neuen Generalstabschefs Ali Shadmani. Ein Militärputsch durch die Revolutionsgarden, die trotz Verlusten eine zentrale Machtsäule des Regimes blieben, werde als mögliche Entwicklung betrachtet. Ebenso sei ein Staatszerfall denkbar, der durch interne Machtkämpfe, wirtschaftliche Krisen und wachsende Unzufriedenheit in der Bevölkerung ausgelöst werden könne. Ein Bürgerkrieg, ähnlich den Folgen des Sturzes zentralistischer Regime in Irak oder Libyen, stelle eine weitere Bedrohung dar, die die Region weiter destabilisieren könnte.

Die GIGA-Experten verwiesen darauf, dass viele Iraner, einschließlich regimekritischer Gruppen, den Krieg ablehnten und eine demokratische Neuordnung anstrebten. Dennoch genieße das iranische Nuklearprogramm, zumindest für zivile Zwecke, breite Unterstützung in der Bevölkerung, was die innenpolitische Lage kompliziere. Ein Kollaps des Regimes könnte ein Machtvakuum hinterlassen, das von nichtstaatlichen Akteuren oder externen Mächten ausgenutzt werden könnte, was die regionalen Spannungen verschärfe.

Internationale Reaktionen und die Rolle Europas

Die internationale Gemeinschaft habe unterschiedlich auf den Konflikt reagiert, analysierten die GIGA-Wissenschaftler. Während die USA Israel militärisch unterstützt hätten, seien europäische Staaten wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien auf diplomatische Deeskalation bedacht gewesen. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas habe betont, dass ein nuklear bewaffneter Iran eine Bedrohung für die globale Sicherheit darstelle, jedoch Dialog und Verhandlungen gefordert. Länder wie Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate hätten Besorgnis über die Eskalation geäußert, während sie gleichzeitig die Schwächung Irans als strategischen Rivalen begrüßten. Die Türkei habe vor den Folgen eines möglichen Regimekollapses gewarnt, insbesondere vor Flüchtlingsströmen und Grenzunsicherheiten.

Die GIGA-Experten kritisierten, dass europäische Staaten bisher nur als „Zaungäste“ agierten, da ihre diplomatischen Initiativen von der militärischen Dynamik zwischen Israel, Iran und den USA überlagert würden. Dennoch könnten Europa und andere Akteure wie China, die auf stabile Ölversorgung angewiesen seien, eine zentrale Rolle bei der Vermittlung eines dauerhaften Friedens spielen, sofern sie ihre diplomatischen Anstrengungen verstärkten.

Hintergründe: Ein Konflikt mit langer Geschichte

Der Konflikt zwischen Israel und Iran wurzele in jahrzehntelangen Spannungen, erläuterten die GIGA-Wissenschaftler. Iran habe seit der Revolution von 1979 eine anti-israelische Haltung vertreten und unterstütze Gruppen wie die Hisbollah, Hamas und die Huthis, die Israel als Bedrohung wahrnehme. Israel hingegen sehe im iranischen Nuklearprogramm eine existenzielle Gefahr, was wiederholt zu Sabotageaktionen und gezielten Tötungen iranischer Wissenschaftler geführt habe. Bereits 2024 habe Iran nach israelischen Angriffen auf seine Interessen in Syrien und im Libanon mit Raketenangriffen auf Israel reagiert, was die aktuelle Eskalation vorbereitet habe.

Das iranische Nuklearprogramm, das seit den 1950er-Jahren bestehe, sei ein zentraler Streitpunkt. Während Iran stets betone, nur zivile Zwecke zu verfolgen, hätten westliche Geheimdienste und Israel wiederholt vor einem möglichen militärischen Programm gewarnt. Die jüngsten israelischen und US-amerikanischen Angriffe hätten laut der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) Tausende von Zentrifugen in Natanz zerstört und die unterirdische Infrastruktur geschädigt, was Irans Nuklearfähigkeiten um Monate, möglicherweise Jahre zurückgeworfen habe. Dennoch gebe es keine Beweise dafür, dass Iran vor dem Krieg aktiv an der Entwicklung von Nuklearwaffen gearbeitet habe, hieß es in US-Geheimdienstberichten.

Globale Implikationen und Risiken

Die GIGA-Experten warnten vor weitreichenden Folgen des Konflikts. Eine Blockade der Straße von Hormus, durch die etwa 20 Prozent des globalen Ölhandels fließen, sei eine von Iran in Erwägung gezogene Vergeltungsmaßnahme, die jedoch auch Teherans eigene Exporte schwer treffen würde. Höhere Ölpreise könnten weltweit Inflation und wirtschaftliche Unsicherheiten verschärfen, während ein regionaler Flächenbrand die Sicherheitslage im Nahen Osten weiter destabilisieren könnte. Russland könnte von einer Ablenkung westlicher Ressourcen von der Ukraine profitieren, während China, ein Hauptabnehmer iranischen Öls, auf Deeskalation dränge.

Langfristig könnte der Konflikt das internationale Nichtverbreitungsregime, insbesondere den Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NVV), gefährden, da ein geschwächtes Iran oder ein Regimewechsel die nuklearen Ambitionen anderer Staaten anregen könnte. Die GIGA-Wissenschaftler betonten, dass nur eine Kombination aus militärischem Druck, diplomatischen Verhandlungen und wirtschaftlichen Anreizen eine nachhaltige Lösung ermöglichen könne.

Fazit und Ausblick

Die GIGA-Experten Prof. Dr. Eckart Woertz, Diba Mirzaei und Dr. André Bank beobachteten die Entwicklungen weiterhin aufmerksam und riefen zu verstärktem internationalem Engagement auf. Der Konflikt zwischen Israel und Iran, verschärft durch die jüngste Eskalation und die US-Intervention, stelle eine der größten Herausforderungen für die regionale und globale Stabilität dar. Ob der Waffenstillstand halte, wie sich das iranische Regime entwickle und welche Rolle die internationale Gemeinschaft spiele, werde die Zukunft der Region maßgeblich prägen, schlossen die Wissenschaftler.

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