Die jüngsten US-Luftangriffe auf iranische Atomanlagen, bekannt als Operation „Midnight Hammer“, haben in Washington interne Spannungen zwischen dem Weißen Haus und der Defense Intelligence Agency (DIA) ausgelöst. Während Präsident Donald Trump und seine Regierung die Angriffe als vollständigen Erfolg feiern, widerspricht ein vertraulicher DIA-Bericht dieser Darstellung und stuft die Schäden als begrenzt ein. Die Kontroverse, die am 25. Juni 2025 in US-Medien publik wurde, offenbart nicht nur unterschiedliche Einschätzungen über die Wirkung der Angriffe, sondern auch einen Machtkampf über die Kontrolle der Narrative und die Glaubwürdigkeit der US-Regierung.
Am 22. Juni 2025 griffen sieben B-2-Tarnkappenbomber, unterstützt von über 125 Flugzeugen und einem U-Boot, drei iranische Atomanlagen in Fordo, Natans und Isfahan an. Die Operation setzte 14 bunkerbrechende GBU-57-Bomben ein, die als „Massive Ordnance Penetrator“ bekannt sind und bis zu 60 Meter tief in den Boden eindringen können. Trump erklärte auf seiner Plattform Truth Social, die Anlagen seien „vollständig zerstört“, und sprach von einem „Todesstoß“ für Irans Atomprogramm. Unterstützt wurde er von Verteidigungsminister Pete Hegseth, der betonte, die Bomben hätten „jedes Ziel genau getroffen“ und Irans Fähigkeit zur Herstellung von Atomwaffen „zunichtegemacht“. Auch CIA-Direktor John Ratcliffe behauptete, ein Wiederaufbau der Anlagen würde „Jahre“ dauern, gestützt auf eine zuverlässige Quelle.
Ein vorläufiger Bericht der DIA, des wichtigsten Geheimdienstes des Pentagon, zeichnet jedoch ein anderes Bild. Laut Berichten der „New York Times“ und CNN, die am 25. Juni 2025 veröffentlicht wurden, haben die Angriffe Irans Atomprogramm lediglich um wenige Monate zurückgeworfen. Die unterirdischen Anlagen, insbesondere Fordo, das tief in einem Bergmassiv liegt, seien nur beschädigt, nicht zerstört worden. Die DIA betonte, dass weitere Untersuchungen nötig seien, um die Schäden präzise zu bewerten. Satellitenbilder zeigen oberirdische Schäden und Einschlagskrater, doch die unterirdischen Strukturen blieben weitgehend intakt. Generalstabschef Dan Caine äußerte sich zurückhaltender als die politische Führung und sprach lediglich von „schweren Schäden“, ohne eine vollständige Zerstörung zu bestätigen.
Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, bestätigte die Echtheit des DIA-Berichts, bezeichnete seine Einschätzung jedoch als „völlig falsch“ und kritisierte das Durchsickern des als „streng geheim“ eingestuften Dokuments. Hegseth ging weiter und warf Medien wie CNN und der „New York Times“ „voreingenommene Berichterstattung“ vor, die den Erfolg der Mission untergrabe. Trump selbst attackierte die Medien als „Fake News“ und behauptete, die Berichte seien ein Versuch, seine Regierung zu diskreditieren. Diese Reaktionen deuten auf tiefe Spannungen zwischen der politischen Führung und Teilen des Militärgeheimdienstes hin, die sich in ihrer Bewertung der militärischen Effektivität fundamental unterscheiden.
Die internen Machtkämpfe haben mehrere Dimensionen. Erstens steht die Glaubwürdigkeit der Trump-Administration auf dem Spiel. Der Präsident hatte die Angriffe als historischen Sieg gefeiert, unterstützt von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der von einem „Wendepunkt“ für den Nahen Osten sprach. Die abweichende Einschätzung der DIA droht, diese Narrative zu untergraben und Zweifel an der Effektivität der Operation zu säen. Zweitens offenbart der Konflikt eine Spaltung zwischen der politischen Führung und den professionellen Einschätzungen der Geheimdienste. Während das Weiße Haus ein Bild des Triumphs zeichnen will, besteht die DIA auf einer nüchternen Analyse, die auf vorläufigen Daten basiert. Dies führt zu Spannungen über die Kontrolle der Informationsweitergabe und die Frage, wer die öffentliche Wahrnehmung prägt.
Die internationale Reaktion verschärft die Lage. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) bestätigte, dass keine radioaktive Strahlung freigesetzt wurde, konnte jedoch keine Inspektionen vor Ort durchführen. IAEA-Chef Rafael Grossi betonte, Iran besitze das Wissen und die Kapazitäten, sein Atomprogramm wieder aufzubauen, was die DIA-Einschätzung stützt. Iran selbst kündigte an, die Zusammenarbeit mit der IAEA auszusetzen, bis die Sicherheit seiner Anlagen gewährleistet sei, und warf der Behörde mangelnde Neutralität vor. Dies deutet darauf hin, dass die strategischen Ziele der USA – die dauerhafte Zerstörung des iranischen Atomprogramms – möglicherweise nicht erreicht wurden.
Die Debatte hat auch politische Folgen in den USA. Der Nationale Sicherheitsrat tagte am 22. Juni, und im Kongress löste Trumps Alleingang heftige Reaktionen aus. Kritiker werfen ihm vor, die Angriffe ohne ausreichende Abstimmung mit dem Kongress durchgeführt zu haben. Die DIA-Berichte könnten die innenpolitische Kritik verstärken, da sie Zweifel an der Effizienz der milliardenschweren Operation wecken. Jede GBU-57-Bombe kostet etwa 4 Millionen Dollar, und die Mobilisierung von 125 Flugzeugen, einschließlich Luftbetankung, verursachte immense Kosten.
Insgesamt zeigt der Konflikt zwischen dem Weißen Haus und der DIA eine tiefere Spaltung über die Bewertung militärischer Erfolge und die Kommunikation mit der Öffentlichkeit. Während die Regierung Trump auf maximale Wirkung setzt, um ihre außenpolitische Stärke zu demonstrieren, fordert die DIA eine faktenbasierte Analyse. Die Waffenruhe zwischen Israel und Iran, die am 24. Juni 2025 in Kraft trat, verschafft der US-Regierung etwas Zeit, doch die Frage nach den tatsächlichen Schäden an Irans Atomprogramm bleibt offen. Weitere Untersuchungen und IAEA-Inspektionen werden zeigen, ob die Operation „Midnight Hammer“ tatsächlich einen strategischen Erfolg darstellt oder ob die DIA mit ihrer zurückhaltenden Einschätzung recht behält.
Quellen: tagesschau.de, spiegel.de, deutschlandfunk.de, sueddeutsche.de, focus.de, t-online.de, morgenpost.de, bild.de
