Massaker im Gazastreifen: Schwere Vorwürfe gegen die IDF und internationale Konsequenzen

Durch | 28. Juni 2025

Gaza, 28. Juni 2025 – Schockierende Berichte aus dem Gazastreifen werfen ein düsteres Licht auf die Handlungen der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) und die humanitäre Katastrophe in der Region. Die renommierte israelische Tageszeitung Haaretz veröffentlichte kürzlich Enthüllungen von IDF-Soldaten, die behaupten, den direkten Befehl erhalten zu haben, wahllos auf unbewaffnete Zivilisten zu schießen, die auf humanitäre Hilfe warten. Diese Vorwürfe, gepaart mit einem internationalen Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, verstärken den Druck auf Israel und werfen Fragen nach Kriegsverbrechen und Verantwortlichkeit auf.

Haaretz-Bericht: Befehle zum Schießen auf Zivilisten

In einem am 27. Juni 2025 veröffentlichten Artikel beschreibt Haaretz die Aussagen mehrerer IDF-Soldaten, die an Einsätzen in der Nähe von Verteilzentren für humanitäre Hilfe im Gazastreifen beteiligt waren. Die Soldaten berichten von einer chaotischen und brutalen Situation, die sie als „Schlachtfeld“ beschreiben. Laut Haaretz erhielten die Soldaten klare Anweisungen, auf unbewaffnete Bewohner des Gazastreifens zu schießen, die sich den Hilfslieferungen näherten. Ein Soldat wird zitiert: „Es war ein Massaker. Wir wurden angewiesen, auf jeden zu schießen, der sich den Lastwagen nähert, egal ob bewaffnet oder nicht.“

Diese Berichte decken sich mit Angaben palästinensischer Quellen, die von zahlreichen Vorfällen berichten, bei denen Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, bei dem Versuch, Lebensmittel oder medizinische Hilfe zu erhalten, getötet wurden. Laut dem von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministerium im Gazastreifen wurden seit Beginn des Krieges am 7. Oktober 2023 über 53.900 Menschen getötet, viele davon Zivilisten. Die Haaretz-Recherchen werfen ein Schlaglicht auf die systematische Natur dieser Angriffe und stellen die Behauptung der IDF, nur gezielte Operationen gegen Hamas-Kämpfer durchzuführen, infrage.

Die Vorfälle ereigneten sich in einem Kontext extremer Not: Seit dem Zusammenbruch eines Waffenstillstands im März 2025 lässt Israel laut dem World Food Programme und dem UN-Hilfswerk UNRWA kaum Hilfslieferungen in den Gazastreifen. Die Blockade von Treibstoff, Nahrung und Medikamenten hat die humanitäre Lage verschärft, Krankenhäuser stehen vor dem Kollaps, und bis zu 90 Prozent der Bevölkerung sind von Hunger bedroht.

Internationale Reaktionen und der IStGH-Haftbefehl

Die Enthüllungen von Haaretz kommen zu einem Zeitpunkt, an dem der internationale Druck auf Israel wächst. Am 21. November 2024 erließ der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) Haftbefehle gegen Benjamin Netanjahu, den ehemaligen Verteidigungsminister Yoav Gallant und den Hamas-Militärchef Mohammed Deif. Netanjahu und Gallant werden Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen, insbesondere das „vorsätzliche und wissentliche Vorenthalten“ lebenswichtiger Güter wie Nahrung, Wasser, Medikamente und Treibstoff von der Zivilbevölkerung im Gazastreifen.

Die IStGH-Richter stuften diese Maßnahmen als Teil einer Strategie ein, die das Aushungern der Zivilbevölkerung als Kriegsmethode nutzt. „Humanitäre Hilfe wurde mehrfach blockiert, eingeschränkt oder an Bedingungen geknüpft, ohne dass hierfür eine militärische Notwendigkeit bestand“, heißt es in der Pressemitteilung des Gerichts. Die Zuständigkeit des IStGH wurde durch Palästinas Beitritt zum Römischen Statut im Jahr 2015 begründet, wodurch Taten auf palästinensischem Territorium, auch durch israelische Staatsangehörige, untersucht werden können.

Netanjahu wies die Haftbefehle als „antisemitische Entscheidungen“ zurück, die von „voreingenommenen Richtern“ getroffen worden seien. Auch der israelische Präsident Isaac Herzog und Außenminister Gideon Saar kritisierten die Entscheidung scharf, während die Hamas die Haftbefehle gegen Netanjahu und Gallant als „historischen Präzedenzfall“ begrüßte.

Der Kontext: Der Gazakrieg und seine Eskalation

Der aktuelle Gazakrieg begann am 7. Oktober 2023 mit einem beispiellosen Angriff der Hamas auf Israel, bei dem über 1.200 Menschen getötet und etwa 250 Geiseln in den Gazastreifen verschleppt wurden. Israel reagierte mit einer massiven Militäroperation, die laut palästinensischen Angaben zu flächendeckender Zerstörung und massiven zivilen Opferzahlen führte.

Die IDF hat wiederholt betont, dass ihre Operationen auf die Zerschlagung der Hamas abzielen. Doch Berichte von Haaretz und anderen Quellen deuten auf unverhältnismäßige Gewalt und kollektive Bestrafung der Zivilbevölkerung hin. Ein besonders schwerwiegender Vorfall, der in einem Haaretz-Artikel vom März 2025 erwähnt wird, beschreibt eine Nacht, in der die IDF „fast 300 Frauen und Kinder“ tötete. Solche Berichte haben international Empörung ausgelöst und die Forderungen nach einer unabhängigen Untersuchung verstärkt.

Politische und gesellschaftliche Implikationen

In Israel selbst wächst die Kritik an Netanjahus Regierung. Die Haaretz-Berichte haben die Debatte über die moralische und rechtliche Verantwortung der IDF angeheizt. Oppositionsführer wie Benny Gantz und Jair Lapid haben die IStGH-Haftbefehle verurteilt, betonen aber, dass Israel sich an einen strengen Moralkodex halten müsse. Gleichzeitig gibt es Stimmen innerhalb der Regierungskoalition, wie die des Ministers Itamar Ben Gvir, die eine harte Linie gegen die palästinensische Bevölkerung befürworten und sogar eine Besiedlung des Gazastreifens vorschlagen.

International fordern Organisationen wie Amnesty International die Mitgliedstaaten des IStGH auf, die Haftbefehle zu respektieren. Länder wie Deutschland stehen vor einem Dilemma: Einerseits unterstützen sie Israel in seinem Kampf gegen den Terrorismus, andererseits betonen sie die Notwendigkeit humanitärer Hilfe und den Schutz von Zivilisten. Die Bundesregierung hat sich bisher nicht klar zum Umgang mit dem Haftbefehl gegen Netanjahu geäußert.

Fazit: Ein Wendepunkt für Gerechtigkeit?

Die Enthüllungen von Haaretz und der IStGH-Haftbefehl markieren einen kritischen Moment im Gazakrieg. Die Berichte über wahllose Angriffe auf Zivilisten und die systematische Blockade humanitärer Hilfe werfen ernste Fragen nach der Einhaltung des Völkerrechts auf. Während Netanjahu und seine Regierung die Vorwürfe als politisch motiviert zurückweisen, fordern internationale Akteure eine lückenlose Aufklärung.

Die humanitäre Lage im Gazastreifen bleibt katastrophal, und die Weltgemeinschaft steht vor der Herausforderung, zwischen der Bekämpfung von Terrorismus und dem Schutz unschuldiger Zivilisten abzuwägen. Die Haaretz-Berichte und die IStGH-Entscheidung könnten einen Wendepunkt darstellen – hin zu mehr Verantwortlichkeit oder zu einer weiteren Eskalation des Konflikts. Eines ist klar: Die Wahrheit über die Ereignisse im Gazastreifen darf nicht länger verschleiert werden.

Quellen:

  • Haaretz-Artikel vom 27. Juni 2025 und weitere Berichte
  • IStGH-Pressemitteilungen und Entscheidungen
  • Berichte von tagesschau.de, ZDFheute, und anderen
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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
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