Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Gießerei-, Composite- und Verarbeitungstechnik IGCV zeigt, dass viele Unternehmen, insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs), bei der digitalen Fabrikplanung hinter den Möglichkeiten der modernen Technologie zurückbleiben. Über zwei Jahre hinweg befragten die Wissenschaftler unter der Leitung von Fabian Bermpohl mehr als 70 Teilnehmende aus verschiedenen Branchen. Die Ergebnisse, veröffentlicht am 7. August 2025, verdeutlichen eine deutliche Kluft zwischen wissenschaftlicher Theorie und industrieller Praxis.
Viele Unternehmen setzen weiterhin auf veraltete, zweidimensionale CAD-Systeme, während innovative Ansätze wie Building Information Modeling, Digitale Zwillinge oder das Industrial Metaverse für KMUs schwer umsetzbar sind. Laut Bermpohl fehlt es an Verständnis für aktuelle Technologien, Bereitschaft zur Veränderung und organisatorischer Zusammenarbeit. Silodenken zwischen Abteilungen und fragmentierte Daten behindern die Integration moderner Planungstools. Dies führt dazu, dass die Potenziale digitaler Fabrikmodelle in der Praxis oft ungenutzt bleiben.
Die Studie betont, dass digitale Fabrikplanung kein einmaliges Projekt ist, sondern ein kontinuierlicher Prozess, der ständige Anpassungen erfordert. Dies ist besonders für KMUs relevant, die flexibel auf Marktveränderungen reagieren müssen. „Die Märkte sind umkämpfter, Reagieren und Anpassen gehört zum Alltag“, erklärt Bermpohl. Statt futuristischer Konzepte wie dem Industrial Metaverse empfiehlt er eine umfassende Bestandsdigitalisierung, um Prozesse transparent zu machen, sowie den Zugang zu geeigneten Tools und Methoden. Eine enge Verknüpfung von Planung und Betrieb sowie die Wiederverwendung von Planungsdaten für Digitale Zwillinge könnten die Effizienz steigern.
Die Studie zeigt auch, dass Planungsmodelle oft nicht in den Betrieb übernommen werden und bei Umplanungen keine Daten aus früheren Phasen genutzt werden. Langfristige Partnerschaften mit Softwareanbietern wie Contact Software, Autodesk, Ingenics und Dreso könnten KMUs helfen, diese Hürden zu überwinden, indem sie den Austausch zwischen Abteilungen fördern und digitale Lösungen implementieren. Die Ergebnisse der Studie sollen in die Produktentwicklung der Partner einfließen, um die digitale Transformation der Industrie voranzutreiben. Weitere Informationen sind auf der Website des Fraunhofer IGCV verfügbar (www.igcv.fraunhofer.de).
