Der geplante Alaska-Gipfel zwischen US-Präsident Donald Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zur Beendigung des Ukraine-Kriegs wird voraussichtlich keine nachhaltige Friedenslösung hervorbringen. Die Analyse beleuchtet die strukturellen, militärischen und ökonomischen Faktoren, die ein Scheitern des Gipfels wahrscheinlich machen, und erklärt, warum Russland in der Lage ist, den Krieg in der Ukraine langfristig fortzuführen.
1. Unvereinbare Verhandlungspositionen
Die Positionen der Konfliktparteien sind fundamental unvereinbar. Russland fordert die Anerkennung der Annexion der Krim sowie der besetzten Gebiete in Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson, eine Entmilitarisierung der Ukraine und die Verhinderung eines NATO-Beitritts. Diese Forderungen entsprechen einer faktischen Kapitulation Kiews. Die Ukraine hingegen lehnt Gebietsabtretungen kategorisch ab, da dies ihre Souveränität und Verteidigungsfähigkeit untergräbt. Präsident Wolodymyr Selenskyj betont, dass die Ukraine ihre Unabhängigkeit verteidigen wird und Verhandlungen nur mit Kiews Beteiligung geführt werden dürfen.
Trump strebt einen schnellen Waffenstillstand an, möglicherweise durch das Einfrieren der aktuellen Frontlinien, was de facto russische Gebietsgewinne anerkennen würde. Dies steht im Widerspruch zu den europäischen und ukrainischen Positionen, die Gebietsabtretungen als Belohnung für Aggression ablehnen. Ohne Sicherheitsgarantien für die Ukraine, die Russland akzeptieren müsste, ist ein Kompromiss unwahrscheinlich. Die Verhandlungen scheitern daher an der Kluft zwischen Moskaus Maximalforderungen und Kiews Existenzinteressen.
2. Russlands militärische Resilienz
Russlands militärische Fähigkeit, den Krieg fortzusetzen, ist trotz hoher Verluste bemerkenswert. Seit der Invasion 2022 hat Russland etwa ein Fünftel der Ukraine besetzt, allerdings unter hohen Kosten: Schätzungen zufolge hat die russische Armee Hunderttausende Soldaten verloren (Tote und Verwundete). Dennoch verfügt Russland über eine Armee von über einer Million Soldaten und hat seine Rüstungsproduktion massiv hochgefahren. Die Produktion von Drohnen, Artillerie und Panzern wurde gesteigert, unterstützt durch Lieferungen aus Nordkorea, Iran und China.
Die russische Kriegsführung stützt sich auf eine Zermürbungsstrategie, die auf langsame, aber stetige Vorstöße abzielt. Städte wie Kramatorsk und Slowjansk im Donbas bleiben schwer umkämpft, doch Russland hat die Fähigkeit, Verluste durch Mobilisierung und Rekrutierung aus wirtschaftlich schwachen Regionen auszugleichen. Die russische Bevölkerung zeigt trotz Kriegsmüdigkeit keine nennenswerte Opposition, was Putin innenpolitische Stabilität sichert. Militärexperten wie Nico Lange betonen, dass Russland durch seine numerische Überlegenheit und die Fähigkeit, Truppenbewegungen zu verschleiern, weiterhin Offensivoptionen vorbereiten kann.
Ein Waffenstillstand würde Russland Zeit verschaffen, seine Kräfte zu konsolidieren und neue Offensiven vorzubereiten. Ohne robuste Sicherheitsgarantien für die Ukraine könnte ein solches Abkommen lediglich eine Atempause für Moskau darstellen, um logistische Knotenpunkte zu sichern und die militärische Schlagkraft zu erhöhen.
3. Ökonomische Resilienz Russlands
Entgegen westlichen Erwartungen hat sich Russlands Wirtschaft trotz Sanktionen als widerstandsfähig erwiesen. Zwar belasten die Kriegskosten die Wirtschaft – Schätzungen zufolge betragen die direkten Ausgaben für den Krieg mehrere Milliarden US-Dollar monatlich –, doch Russland hat durch hohe Öl- und Gaspreise sowie alternative Handelsrouten Einnahmen gesichert. Länder wie Indien und China kaufen weiterhin russische Rohstoffe, wodurch Sanktionen teilweise umgangen werden.
Die russische Zentralbank hat die Leitzinsen gesenkt, und die offizielle Arbeitslosigkeit bleibt niedrig, was die Illusion wirtschaftlicher Stabilität aufrechterhält. Allerdings warnen Experten wie Samuel Ramani von einer drohenden Rezession, falls die USA sekundäre Sanktionen gegen Russlands Handelspartner verschärfen. Trump hat zwar mit Sanktionen gedroht, diese jedoch nicht konsequent umgesetzt, sondern stattdessen Druck auf Länder wie Indien ausgeübt, um deren Ölimporte aus Russland zu reduzieren.
Die wirtschaftliche Resilienz wird durch die Fähigkeit gestützt, Ressourcen in den Krieg zu kanalisieren. Russland hat seine Schattenflotte für Ölexporte ausgebaut und profitiert von gestiegenen Rohstoffpreisen. Eine Aufhebung von Sanktionen im Rahmen eines Deals würde Putin zusätzliche finanzielle Mittel verschaffen, um den Krieg fortzusetzen oder neue Aggressionen vorzubereiten.
4. Geopolitische Symbolik und Putins Kalkül
Der Alaska-Gipfel hat für Putin eine hohe symbolische Bedeutung. Alaska, einst Teil des Russischen Reiches, wird von russischen Nationalisten als historisch russisches Territorium glorifiziert. Ein Treffen dort signalisiert nach innen, dass Russland auf Augenhöhe mit den USA verhandelt, und stärkt Putins Image als globaler Akteur.
Putins Strategie zielt jedoch nicht auf einen sofortigen Frieden ab. Experten wie Alexander Dubowy betonen, dass Putin auf eine Verzögerungs- und Zermürbungstaktik setzt, um Zeit zu gewinnen und die Ukraine sowie den Westen zu schwächen. Ein Deal, der russische Gebietsgewinne legitimiert, würde Putin ermöglichen, Kräfte zu sparen und sich auf zukünftige Konflikte vorzubereiten. Gleichzeitig riskiert ein solches Abkommen, die europäische Sicherheitsarchitektur zu destabilisieren, da es als Präzedenzfall für weitere Aggressionen dienen könnte.
5. Fehlende europäische und ukrainische Einbindung
Die Ausgrenzung Europas und der Ukraine aus den Verhandlungen ist ein zentraler Schwachpunkt des Gipfels. Europäische Staaten wie Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Polen fordern eine Waffenruhe vor Verhandlungen und lehnen eine Anerkennung russischer Annexionen ab. Sie betonen, dass Kiew in jede Lösung eingebunden sein muss. Ohne diese Einbindung wird ein Abkommen von der Ukraine und Europa als Diktatfrieden abgelehnt, was die Umsetzung unmöglich macht.
Trumps unilateraler Ansatz, der Europa und die Ukraine außen vor lässt, untergräbt die transatlantische Zusammenarbeit. Experten wie Kristine Berzina vom German Marshall Fund sehen darin eine Schwächung der globalen regelbasierten Ordnung, da die USA ihre Rolle als Verteidiger internationaler Normen aufgeben könnten.
6. Warum Putin den Krieg endlos weiterführen kann
Putins Fähigkeit, den Krieg fortzusetzen, basiert auf mehreren Faktoren:
- Militärische Ressourcen: Russland verfügt über eine große Armee, die trotz Verlusten durch Mobilisierung und externe Unterstützung (Nordkorea, Iran, China) aufrechterhalten wird.
- Ökonomische Anpassungsfähigkeit: Durch alternative Handelsrouten und gestiegene Rohstoffpreise bleibt die Kriegskasse gefüllt. Eine Aufhebung von Sanktionen würde diese Kapazität weiter stärken.
- Politische Stabilität: Die russische Bevölkerung zeigt keine organisierte Opposition, und Putins Kontrolle über die Medien sichert die innenpolitische Stabilität.
- Geopolitisches Kalkül: Der Krieg dient Putin als Mittel, die europäische Sicherheitsarchitektur zu destabilisieren und Russland als Großmacht zu positionieren. Eine Atempause durch einen Waffenstillstand würde Russland strategisch nützen, ohne die Kriegsziele aufzugeben.
Fazit
Der Alaska-Gipfel wird voraussichtlich scheitern, da die Positionen von Russland und der Ukraine unvereinbar sind, Trump die Einbindung Europas und Kiews vernachlässigt und Russland keine Anreize für einen dauerhaften Frieden hat. Russlands militärische und ökonomische Resilienz ermöglicht es Putin, den Krieg fortzusetzen, während ein Waffenstillstand lediglich eine taktische Pause darstellen würde. Ohne verbindliche Sicherheitsgarantien und eine Anerkennung der ukrainischen Souveränität bleibt ein nachhaltiger Frieden illusorisch.
