Aktuelle Zahlen und Entwicklungen
Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza wurden zwischen dem 7. Oktober 2023 und dem 31. Juli 2025 insgesamt 60.199 palästinensische Todesopfer registriert, von denen 31 % – etwa 18.430 – Kinder waren. Diese Zahlen gelten als konservative Schätzung, da Tausende weitere Menschen, einschließlich Kinder, unter den Trümmern vermisst werden und nicht in die offiziellen Statistiken eingeflossen sind.
Ein Bericht von TRT Global spezifiziert, dass zwischen Oktober 2023 und März 2025 15.613 Kinder getötet wurden, darunter:
- 5,7 % (876 Kinder) unter einem Jahr,
- 26,3 % (4.110 Kinder) im Alter von 1–5 Jahren,
- 36,8 % (5.745 Kinder) im Alter von 6–12 Jahren,
- 31,2 % (4.882 Kinder) im Alter von 13–17 Jahren.
Tragischerweise wurden 274 Neugeborene während des Krieges geboren und kurz darauf getötet.
Seit dem Zusammenbruch des Waffenstillstands am 18. März 2025 wurden laut UNICEF zusätzlich 1.309 Kinder getötet und 3.738 verletzt, was einer täglichen Rate von etwa 100 getöteten oder verletzten Kindern entspricht. Besonders alarmierend ist die hohe Zahl an Opfern bei Angriffen auf Schulen, Krankenhäuser und humanitäre Verteilungsstellen. So wurden beispielsweise am Wochenende vor dem 27. Mai 2025 in Khan Younis neun von zehn Geschwistern unter 12 Jahren bei einem Luftangriff getötet, und in Gaza-Stadt starben 18 Kinder bei einem Angriff auf eine Schule.
Humanitäre Krise und ihre Auswirkungen auf Kinder
Neben direkten Todesfällen durch Bombardierungen tragen Mangelernährung, fehlender Zugang zu sauberem Wasser, medizinischer Versorgung und Unterkünften zur Verschärfung der Krise bei. Laut dem Gesundheitsministerium starben bis Anfang August 2025 mindestens 98 Kinder an Unterernährung, darunter 29 Kinder unter fünf Jahren. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtet, dass im Juli 2025 rund 12.000 Kinder unter fünf Jahren an akuter Unterernährung litten, die höchste monatliche Zahl seit Beginn des Konflikts.
Die Zerstörung der Infrastruktur verschärft die Lage. 86 % der landwirtschaftlichen Flächen im Gazastreifen sind beschädigt oder unzugänglich, was zu einer beispiellosen Hungersnot geführt hat. Krankenhäuser wie das Kamal Adwan Hospital, das einzige pädiatrische Krankenhaus im Norden Gazas, sind nach Angriffen nicht mehr funktionsfähig. Seit dem 2. März 2025 wurden nur 86 Hilfslieferungen pro Tag zugelassen, weit unter den benötigten 600 Lastwagen täglich, um die Grundbedürfnisse der Bevölkerung zu decken.
UNICEF berichtet, dass über eine Million Kinder in provisorischen Zelten leben und durch wiederholte Vertreibungen, fehlende sanitäre Einrichtungen und winterliche Temperaturen extrem gefährdet sind. Seit dem 26. Dezember 2024 starben mindestens acht Neugeborene an Unterkühlung. Psychologische Traumata sind weit verbreitet, wie das Beispiel der zehnjährigen Lana zeigt, deren Haare durch kriegsbedingten Stress über Nacht weiß wurden.
Tödliche humanitäre Verteilungsstellen
Eine besonders tragische Dimension ist die hohe Zahl an Todesfällen bei humanitären Verteilungsstellen. Laut dem UN-Menschenrechtsbüro (OHCHR) wurden zwischen dem 27. Mai und dem 31. Juli 2025 mindestens 1.373 Palästinenser, darunter viele Kinder, beim Versuch getötet, Nahrungsmittel zu erhalten. 70 % dieser Todesfälle ereigneten sich an Verteilungsstellen der von den USA und Israel unterstützten Gaza Humanitarian Foundation, die oft unter Beschuss geraten. Diese Vorfälle verdeutlichen die extremen Gefahren, denen Zivilisten, insbesondere Kinder, ausgesetzt sind, wenn sie versuchen, grundlegende Hilfsgüter zu erreichen.
Internationale Reaktionen und Forderungen
UNICEF, die WHO und über 150 humanitäre Organisationen fordern einen sofortigen Waffenstillstand, die uneingeschränkte Lieferung humanitärer Hilfe und die Freilassung aller Geiseln, darunter zwei verbliebene Kinder. UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell betonte: „Die Kinder Gazas brauchen Schutz, Nahrung, Wasser und Medizin. Vor allem aber brauchen sie sofortiges, kollektives Handeln, um diesen Albtraum zu beenden.“
Die internationale Gemeinschaft steht unter Druck, die Gewalt zu beenden. Der UN-Sicherheitsrat hat für den 10. August 2025 eine Dringlichkeitssitzung angesetzt, um die Pläne Israels zur Übernahme von Gaza-Stadt zu diskutieren, die als Verstoß gegen das Völkerrecht kritisiert werden. Großbritannien hat zusätzliche humanitäre Hilfe in Höhe von 8,5 Millionen Pfund zugesagt, während UN-Generalsekretär António Guterres die Eskalation als „gefährlich“ bezeichnete.
Zitat
„Gaza ist heute ein Friedhof für Kinder und ihre Träume“, sagte Ahmad Alhendawi, Regionaldirektor von Save the Children. „Dies ist ein nicht enden wollender Albtraum für jedes Kind in Gaza, das glaubt, die Welt habe sie aufgegeben.“
Fazit
Die Zahl der getöteten Kinder in Gaza – mindestens 18.500 seit Oktober 2023 – ist ein erschütterndes Zeugnis für die humanitäre Katastrophe im Gazastreifen. Die Kombination aus direkter Gewalt, Mangelernährung und zerstörter Infrastruktur hat eine ganze Generation schwer getroffen. Internationale Organisationen und die Weltgemeinschaft stehen vor der dringenden Aufgabe, die Gewalt zu beenden, den Zugang zu humanitärer Hilfe zu sichern und die Rechte der Kinder in Gaza zu schützen, um weiteres Leid zu verhindern.
Quellen: UNICEF, Gaza Health Ministry, Al Jazeera, TRT Global, Middle East Monitor, Newsweek, Associated Press
