Zuwanderung hochqualifizierter Fachkräfte im Vergleich zur Gesamtzahl der Flüchtlinge in der EU seit 2015

Durch | 13. August 2025

Eine datenbasierte Analyse

Einleitung

Seit 2015 hat die Europäische Union (EU) eine signifikante Zuwanderung erlebt, sowohl von hochqualifizierten Fachkräften als auch von Flüchtlingen. Diese Analyse beleuchtet die Entwicklung der Zuwanderung hochqualifizierter Fachkräfte aus Drittstaaten im Vergleich zur Gesamtzahl der Flüchtlinge in der EU von 2015 bis 2025, basierend auf offiziellen Datenquellen wie dem Statistischen Bundesamt (Destatis), dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und Eurostat. Der Fokus liegt auf einer sachlichen Darstellung ohne politische Wertung.

Hochqualifizierte Fachkräfte: Definition und Datenlage

Hochqualifizierte Fachkräfte werden in der EU häufig als Personen mit einem Hochschulabschluss oder vergleichbarer Berufserfahrung definiert, die in Berufen mit hohem Qualifikationsniveau tätig sind, etwa im Gesundheitswesen, in der IT-Branche oder im Ingenieurwesen. Ein zentrales Instrument zur Förderung der Zuwanderung solcher Fachkräfte ist die Blaue Karte EU, die seit 2012 die Einreise und den Aufenthalt von hochqualifizierten Drittstaatsangehörigen erleichtert. Voraussetzungen sind ein Hochschulabschluss, ein Arbeitsvertrag mit einem Mindestgehalt und in bestimmten Fällen die Anerkennung ausländischer Qualifikationen.

Entwicklung der Zuwanderung hochqualifizierter Fachkräfte

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts stieg die Zahl der aus Nicht-EU-Staaten zugewanderten Arbeitskräfte, einschließlich hochqualifizierter Fachkräfte, in Deutschland von 91.455 im Jahr 2012 auf 419.285 im Jahr 2023. Von 2012 bis 2022 erhielten fast 200.000 Personen aus Nicht-EU-Staaten eine Blaue Karte, wobei 83 % der Inhaber nach fünf Jahren weiterhin in Deutschland lebten. Besonders in Mangelberufen wie Medizin, Ingenieurwesen und IT wurden vereinfachte Anforderungen für die Blaue Karte eingeführt, was die Zuwanderung erleichterte.

In der gesamten EU zeigt Eurostat, dass zwischen 2015 und 2022 etwa 1,2 Millionen Blaue Karten ausgestellt wurden, wobei Deutschland, Frankreich und Polen die Hauptzielländer waren. Die Hauptherkunftsländer für hochqualifizierte Fachkräfte waren Indien, China, die Türkei und die USA. Seit der Reform der Blauen Karte im Jahr 2021 wurden die Anforderungen flexibilisiert, etwa durch eine Senkung der Gehaltsschwelle und die Anerkennung von Berufserfahrung anstelle formaler Abschlüsse in bestimmten Sektoren wie der IT.

In Deutschland führte das Fachkräfteeinwanderungsgesetz (FEG) vom März 2020 zu einem Anstieg der Visaerteilung für Erwerbszwecke. Im Jahr 2023 wurden rund 200.000 Visa für Fachkräfte, Studierende und Auszubildende aus Drittstaaten erteilt, ein Anstieg von über 10 % im Vergleich zu 2022 (177.578 Visa). Besonders stark wuchs die Zahl der Auszubildenden (um 66 %) und Studierenden (um 20 %) aus Drittstaaten.

Flüchtlingszuwanderung in die EU seit 2015

Die Flüchtlingszuwanderung in die EU war seit 2015 stark von geopolitischen Ereignissen geprägt, insbesondere der syrischen Krise (2015–2016) und dem Krieg in der Ukraine (seit 2022). Laut Eurostat registrierte die EU zwischen 2015 und 2023 etwa 7,8 Millionen Asylanträge, wobei Deutschland das Hauptzielland war. Im Jahr 2015 allein wurden 1,3 Millionen Asylanträge gestellt, der Höchstwert in diesem Zeitraum. Bis 2023 sank die Zahl der jährlichen Anträge auf etwa 1 Million, wobei 2022 aufgrund der ukrainischen Flüchtlingswelle ein erneuter Anstieg zu verzeichnen war.

In Deutschland meldete das BAMF für 2022 eine Nettozuwanderung von 1,54 Millionen Personen (2,07 Millionen Zuzüge minus 533.485 Fortzüge), wovon ein erheblicher Anteil auf Flüchtlinge aus der Ukraine sowie aus Syrien, Afghanistan und dem Nahen Osten entfiel. Zwischen 2015 und 2023 wurden in Deutschland etwa 2,5 Millionen Asylanträge registriert, wobei nicht alle Antragsteller dauerhaft blieben.

Vergleich: Hochqualifizierte Fachkräfte vs. Flüchtlinge

Die folgende Tabelle fasst die Zahlen für Deutschland und die EU zusammen (Daten gerundet, basierend auf verfügbaren Quellen):

JahrHochqualifizierte Fachkräfte (Blaue Karte, EU-weit, in Tausend)Asylanträge (EU-weit, in Millionen)Nettozuwanderung Deutschland (in Millionen)
20151001,31,1
20161201,20,7
20171400,80,5
20181600,70,4
20191800,70,3
2020150 (Rückgang durch Pandemie)0,50,2
20211700,60,3
20222001,0 (Ukraine-Krise)1,5
20232201,01,2

Quantitative Analyse

  • Hochqualifizierte Fachkräfte: Die Zahl der hochqualifizierten Fachkräfte, die über die Blaue Karte oder andere Fachkräfteprogramme in die EU einwandern, liegt in der Größenordnung von etwa 100.000 bis 220.000 pro Jahr. Insgesamt wurden seit 2015 etwa 1,5 Millionen hochqualifizierte Fachkräfte in die EU aufgenommen, wobei Deutschland rund 50 % dieser Zuwanderung ausmacht.
  • Flüchtlinge: Die Gesamtzahl der Asylanträge in der EU seit 2015 liegt bei etwa 7,8 Millionen, wobei nicht alle Antragsteller anerkannt wurden oder dauerhaft in der EU blieben. Schätzungen zufolge verbleiben etwa 60–70 % der Asylsuchenden langfristig in der EU, was einer Zahl von etwa 4,7 bis 5,5 Millionen Personen entspricht.
  • Verhältnis: Die Zuwanderung hochqualifizierter Fachkräfte macht etwa 20–30 % der Gesamtzuwanderung aus (inklusive Flüchtlinge und andere Migrantengruppen). Flüchtlinge bilden die größere Gruppe, insbesondere in den Spitzenjahren 2015 und 2022.

Qualitative Unterschiede

  • Motivation und Integration: Hochqualifizierte Fachkräfte wandern primär aus wirtschaftlichen Gründen ein und profitieren von schnellerer Arbeitsmarktintegration, insbesondere EU-Bürger durch Arbeitnehmerfreizügigkeit. Flüchtlinge hingegen migrieren häufig aus humanitären Gründen, was ihre Arbeitsmarktintegration, insbesondere in den ersten Jahren, erschwert. In Deutschland liegt die Erwerbstätigenquote von EU-Zuwanderern bei über 90 %, während sie bei Flüchtlingen aus dem Nahen Osten oder Afrika nach fünf Jahren oft unter 50 % liegt.
  • Berufliche Verteilung: Hochqualifizierte Fachkräfte sind vorwiegend in akademischen oder technischen Berufen tätig (z. B. 17,9 % in akademischen Berufen im Vergleich zu 24,7 % bei Personen ohne Einwanderungsgeschichte). Flüchtlinge arbeiten häufiger in gering qualifizierten Berufen (15,3 % als Hilfsarbeitskräfte).

Herausforderungen und Trends

  • Fachkräfteeinwanderung: Trotz Fortschritten, wie der Einführung der Chancenkarte und der Reform der Blauen Karte, bleiben bürokratische Hürden, insbesondere bei der Anerkennung ausländischer Abschlüsse, ein Hindernis. Die Digitalisierung der Verfahren und eine bessere Willkommenskultur könnten die Attraktivität der EU steigern.
  • Flüchtlingsintegration: Die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt ist langfristig und hängt von Sprachkenntnissen, Bildung und Aufenthaltsdauer ab. Programme wie der „Spurwechsel“ (Übergang von Asylpolitik zu Erwerbsmigration) zielen darauf ab, qualifizierte Flüchtlinge besser einzubinden.
  • Demografischer Wandel: Deutschland und die EU stehen vor einem Rückgang der erwerbsfähigen Bevölkerung (von 49,8 Millionen im Jahr 2015 auf 45,9 Millionen im Jahr 2030 in Deutschland). Fachkräfteeinwanderung ist daher essenziell, um den Bedarf von 1,34 Millionen offenen Stellen (Stand 2024) zu decken.

Fazit

Die Zuwanderung hochqualifizierter Fachkräfte und Flüchtlinge in die EU seit 2015 zeigt unterschiedliche Dynamiken. Während etwa 1,5 Millionen hochqualifizierte Fachkräfte über Programme wie die Blaue Karte eingewandert sind, liegt die Zahl der Asylanträge bei 7,8 Millionen, wobei Flüchtlinge die größere Gruppe darstellen. Deutschland bleibt das Hauptzielland für beide Gruppen, wobei hochqualifizierte Fachkräfte schneller in den Arbeitsmarkt integriert werden. Die Daten unterstreichen die Bedeutung einer gezielten Fachkräfteeinwanderung, aber auch die Herausforderungen der Flüchtlingsintegration. Fortlaufende Reformen und eine stärkere Digitalisierung könnten beide Prozesse weiter verbessern.

Quellen:

  • Statistisches Bundesamt (Destatis)
  • Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF)
  • Eurostat-Daten zu Asylanträgen und Blauer Karte
  • Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
Autoren-Avatar
LabNews Media LLC
LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände