Die aktuelle Umfrage des German Business Panel (GBP) der Universität Mannheim zeigt eine verhaltene Stimmung in der deutschen Wirtschaft nach den ersten 100 Tagen der neuen Regierung unter Kanzler Merz. Unternehmen bewerten den wirtschaftspolitischen Kurs nur mäßig positiv, mit einer durchschnittlichen Zufriedenheit von 3,6 auf einer Skala von 0 (sehr unzufrieden) bis 10 (sehr zufrieden). Besonders die geplante Körperschaftssteuerreform und der Handelskonflikt mit den USA belasten die Erwartungen, auch wenn ein kürzlich geschlossenes Zollabkommen die Konjunkturaussichten leicht verbessert hat.
Die Skepsis gegenüber der Körperschaftssteuerreform, die eine Senkung von 15 auf 10 Prozent bis 2032 vorsieht, ist groß. 39 Prozent der befragten Unternehmen halten eine Umsetzung für unwahrscheinlich, da Zweifel an der Gegenfinanzierung, rechtlichen Abstimmungen und der praktischen Umsetzung bestehen. Besonders kritisch sind die Land- und Forstwirtschaft sowie das Gesundheits- und Sozialwesen, während Verkehr, verarbeitendes Gewerbe und Bauwesen positiver gestimmt sind.
Die höchste Priorität der Unternehmen liegt in der Senkung der Einkommensteuer für kleine und mittlere Einkommen, die im Koalitionsvertrag jedoch nur vage für die Mitte der Legislaturperiode angekündigt ist. Diese Maßnahme soll Einzelunternehmen und Personengesellschaften entlasten und die Binnennachfrage stärken. Weitere Prioritäten sind die Senkung der Stromsteuer und die Digitalisierung der Finanzverwaltung, um Verwaltungskosten und Zeitaufwand zu reduzieren.
Der Handelskonflikt mit den USA beeinträchtigt 71,2 Prozent der Unternehmen, vor allem durch Unsicherheiten in der Nachfrageentwicklung. Dies führt zu Investitionsstopps, Preisaufschlägen und Zurückhaltung bei Neueinstellungen. Nach der Bundestagswahl verbesserte sich die Stimmung in der Wirtschaft zunächst, doch der Handelskonflikt dämpfte die Wachstumserwartungen. Das jüngste EU-Zollabkommen hat die Konjunkturerwartungen leicht angehoben, die nun bei 0,6 Prozent für die nächsten zwölf Monate und 1,7 Prozent für die kommenden fünf Jahre liegen.
Die Ergebnisse verdeutlichen, wie stark außenpolitische Spannungen die wirtschaftliche Stimmung beeinflussen. Das GBP, Teil des DFG-geförderten Projekts „Accounting for Transparency“, befragt monatlich über 800 Unternehmen und seit März 2024 auch über 250 Wissenschaftler zu Themen wie Umsatz, Gewinn, Investitionen und Zufriedenheit mit der Wirtschaftspolitik. Die Umfrage unterstreicht die Notwendigkeit, Unsicherheiten durch gezielte politische Maßnahmen abzumildern, um das Vertrauen der Wirtschaft zu stärken.
