Alaska-Gipfel: Folgen für die deutsche Außenpolitik

Durch | 16. August 2025

Das Alaska-Gipfeltreffen zwischen den USA und Russland stürzt die deutsche Außenpolitik in eine der größten Umbruchsituationen der vergangenen Jahrzehnte. Während in Alaska ein amerikanisch-russischer Gleichklang in zentralen globalen Fragen demonstriert wurde – von Sicherheitsinteressen bis zur Ressourcenpolitik – wächst in Berlin die Sorge, geopolitisch und diplomatisch zwischen den Blöcken aufgerieben zu werden.

1. Verlust an Einfluss und strategischer Gestaltungsmacht
Deutschland sieht sich als traditioneller Akteur einer auf Multilateralismus, internationalen Regeln und europäischer Werte basierenden Außenpolitik zunehmend marginalisiert. Die demonstrative direkte Verständigung der Großmächte über zentrale Weltfragen (Ukraine, Sicherheit, Rohstoffe, Umwelt) entzieht Deutschland und der EU Einflussräume, die lange als selbstverständlich galten. Die Gretchenfrage: Wird Deutschland weiter gehört, wenn Washington und Moskau globale „Deals“ untereinander aushandeln, ohne Rücksicht auf europäische Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen zu nehmen[1][2][3]?

2. Schwächung des transatlantischen Bündnisses/NATO
Mit Trumps Bereitschaft, Amerikanische Prioritäten gegenüber europäischen Sicherheitsgarantien (NATO, Ukraine) unterzuordnen, verliert Deutschland einen elementaren Pfeiler seiner Nachkriegssicherheitsarchitektur. Das Vertrauen in den transatlantischen „Schutzschild“ schwindet; die sicherheitspolitische Eigenständigkeit Europas und damit Berlins rückt ins Zentrum. Szenarien, in denen europäische Sicherheitspolitik von amerikanischer Großmachtstrategie abgekoppelt wird, sind so realistisch wie nie; erste Stimmen sprechen bereits von einem „post-transatlantischen Zeitalter“[4][2][1].

3. Erschwerte Außenwirtschafts- und Sanktionspolitik
Wirtschaftlich bedeutet eine Annäherung zwischen Washington und Moskau, dass Sanktionsregime gegenüber Russland in Teilen unterlaufen oder aufgeweicht werden – allerdings vor allem zugunsten der USA, während Deutschland und die EU ihre Linie weiter verteidigen. Damit droht ein Wettbewerbsnachteil für deutsche Unternehmen, während die Spielräume für eine weltweit abgestimmte außenwirtschaftliche Positionierung schrumpfen. Die außenpolitische Kohärenz der EU wird auf die Probe gestellt, da sich die meisten Mitgliedstaaten auf ihre eigenen nationalen Interessen zurückzuziehen beginnen[5][6][7].

4. Neue Unsicherheiten in der globalen Allianzpolitik
Mit dem Blick auf Hauptkonkurrenten wie China geraten Deutschland und die EU auch wegen des amerikanisch-russischen Schulterschlusses zunehmend ins Abseits. Die Kooperationsfähigkeit mit anderen international relevanten Akteuren sinkt – diplomatische Spielräume verengen sich, zumal Deutschland traditionell auf Vermittlung, Kompromiss und partnerschaftliche Ordnungen setzt.

5. Suche nach neuer strategischer Autonomie
Als Konsequenz diskutiert Berlin, verstärkt eigene Verteidigungs- und Sicherheitspolitik auf europäischer Ebene zu institutionalisieren und unabhängiger von den USA zu agieren. Initiativen für eine „Europäische Sicherheits- und Verteidigungsunion“ erhalten neuen Schub, ebenso wie Beratungen über eine eigenständigere europäische Energie- und Rohstoffpolitik.

Fazit:
Das Alaska-Gipfeltreffen zwingt die deutsche Außenpolitik dazu, Grundannahmen, Allianzen und Instrumente neu zu hinterfragen. Deutschland muss sich in einer Welt behaupten, in der Großmächte wieder direkt über Einflusssphären, Rohstoffmärkte und Sicherheit definieren – und klassische multilaterale Diplomatie und europäische Integration in den Hintergrund treten. Die kommenden Jahre werden entscheiden, ob es Berlin gelingt, aus dieser historisch kritischen Situation heraus neue außenpolitische Handlungsfähigkeit, strategische Autonomie und Innovationskraft zu entwickeln, um nicht zwischen alten und neuen Blöcken unterzugehen[1][4][2][3][5][7].

Quellen:
[1] Trumps Rückkehr und Europas außenpolitische Herausforderungen https://www.swp-berlin.org/publikation/trumps-rueckkehr-und-europas-aussenpolitische-herausforderungen
[2] Donald Trump trifft Putin: Hoffen und Bangen in Berlin https://www.stern.de/politik/deutschland/donald-trump-trifft-putin–hoffen-und-bangen-in-berlin-35973190.html
[3] Alaska-Gipfel: Europa und Kyjiw wollen ein Wort mitreden – Eurotopics https://www.eurotopics.net/de/343396/alaska-gipfel-europa-und-kyjiw-wollen-ein-wort-mitreden
[4] Friedensgutachten 2025: NATO hat wegen Trump „keine Zukunft“ https://www.dw.com/de/friedensgutachten-2025-nato-hat-wegen-trump-keine-zukunft-v-1/a-72764106
[5] EU weitet stetig Sanktionen gegen Russland aus https://www.ihk.de/duesseldorf/aussenwirtschaft/zoll-und-aussenwirtschaftsrecht/internationale-handelspolitik3/eu-weitet-sanktionen-gegenueber-russland-aus-5435724
[6] Will Trump an russische Bodenschätze ran? | tagesschau.de https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/trump-russland-deal-100.html
[7] 18. EU-Sanktionspaket verschärft Beschränkungen für … https://www.noerr.com/de/insights/18-eu-sanktionspaket-verschaerft-beschraenkungen-fuer-banken-und-zielt-auch-auf-drittlaender-ab

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
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