Kurz vor den Kommunalwahlen am 14. September in Nordrhein-Westfalen sorgt eine ungewöhnliche Häufung von Todesfällen unter Kandidaten der Alternative für Deutschland (AfD) für Aufsehen. Insgesamt sechs AfD-Kandidaten, darunter vier Direktkandidaten und zwei Reservelisten-Kandidaten, sind in den vergangenen Wochen verstorben. Die Polizei hat in allen Fällen Fremdverschulden ausgeschlossen, doch die Häufung hat Spekulationen und Diskussionen über die statistische Wahrscheinlichkeit und mögliche Hintergründe ausgelöst.
Die betroffenen Kommunen – Blomberg, Bad Lippspringe, Schwerte, Rheinberg und zwei weitere – mussten aufgrund der Todesfälle organisatorische Maßnahmen ergreifen. Bereits abgegebene Briefwahlstimmen in den betroffenen Wahlbezirken wurden für ungültig erklärt, neue Wahlzettel gedruckt und Nachfolgekandidaten nominiert. Die Todesursachen sind vielfältig: In einem Fall wurde eine natürliche Todesursache bestätigt, ein anderer Kandidat starb an Nierenversagen aufgrund einer Lebererkrankung, und ein weiterer beging Suizid. Die Polizei betont, dass es keine Hinweise auf Fremdeinwirkung gibt, und in eindeutigen Fällen wurden keine Todesermittlungsverfahren eingeleitet.
Die AfD selbst spricht von einer auffälligen Häufung. Parteivorsitzende Alice Weidel und Bundestagsabgeordneter Stephan Brandner bezeichneten die Todesfälle als „statistisch fast unmöglich“ bzw. „schwer erklärbar“. Ein Nutzer auf der Plattform X, der Ökonom Markus Krall, behauptete, die Wahrscheinlichkeit für vier Todesfälle liege bei 1 zu 1,62 Millionen, was nahezu ausgeschlossen sei. Diese Berechnung basiert auf Sterbetafeln, berücksichtigt jedoch nicht den Kontext der Kandidatenpopulation. Tatsächlich kandidieren in Nordrhein-Westfalen etwa 800 bis 1.000 AfD-Mitglieder, oft ältere Personen mit potenziellen gesundheitlichen Vorbelastungen. Bei einer angenommenen jährlichen Sterberate von etwa 1 Prozent für ältere Männer (basierend auf Destatis-Daten) wären in einem Jahr etwa 8 bis 10 Todesfälle zu erwarten. Innerhalb eines Zeitraums von 30 Tagen wären etwa ein bis zwei Todesfälle statistisch plausibel. Sechs Todesfälle in kurzer Zeit sind zwar auffällig, liegen aber nicht außerhalb des statistisch Möglichen, insbesondere wenn man das höhere Durchschnittsalter der Kandidaten berücksichtigt.
Die Landeswahlleitung weist darauf hin, dass auch andere Parteien Todesfälle verzeichneten. Insgesamt sind mindestens 14 Kandidaten verschiedener Parteien, darunter SPD und Grüne, vor der Wahl gestorben. Die AfD-Fälle machen also nur einen Teil der Gesamtzahl aus. Da es keine zentrale Meldepflicht für solche Vorfälle gibt, fehlt ein vollständiger Überblick, was Spekulationen über eine gezielte Häufung erschwert. Die Polizei und Behörden betonen, dass es keine Anhaltspunkte für unnatürliche Todesursachen oder einen Zusammenhang zwischen den Fällen gibt.
In sozialen Medien haben die Todesfälle Verschwörungstheorien angeheizt, die von systematischen Angriffen auf die AfD sprechen. Die Partei selbst kündigt an, die Fälle unabhängig zu prüfen, ohne jedoch konkrete Beweise für Fremdverschulden vorzulegen. Experten warnen davor, solche Spekulationen ohne Belege zu befeuern, da sie das Vertrauen in demokratische Prozesse untergraben könnten. Die organisatorischen Herausforderungen, wie die Ungültigkeit von Briefwahlstimmen, bleiben jedoch bestehen und belasten die Kommunen im Vorfeld der Wahl.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Häufung der Todesfälle bei AfD-Kandidaten statistisch ungewöhnlich, aber nicht unmöglich ist. Die Ermittlungen der Polizei deuten klar auf natürliche Ursachen oder Suizid hin, und es gibt keine Beweise für eine gezielte Ermordung. Dennoch zeigt die Debatte, wie sensibel das politische Klima in Deutschland derzeit ist.
