Ein angeblicher GPS-Ausfall beim Flug von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nach Plowdiw in Bulgarien sorgt für Kontroverse. Während EU-Kreise und bulgarische Behörden von einer mutmaßlichen russischen Störaktion ausgehen, widerspricht der Flugtrackingdienst Flightradar24 dieser Darstellung und verweist auf durchgehend stabile GPS-Signale während des Fluges.
Der Vorfall ereignete sich am Sonntag, als von der Leyen von Warschau nach Plowdiw flog, um den bulgarischen Ministerpräsidenten Rossen Scheljaskow zu treffen und eine Munitionsfabrik zu besichtigen. Laut Berichten der Financial Times, die sich auf anonyme Quellen stützen, sei das GPS-Signal des Flugzeugs beim Anflug auf den Flughafen Plowdiw komplett ausgefallen, was den Piloten gezwungen habe, nach einer Stunde im Holding-Modus manuell mit analogen Karten zu landen. Die EU-Kommission und bulgarische Behörden vermuteten eine gezielte Störung durch Russland, was im Kontext der seit Februar 2022 verstärkt beobachteten GPS-Störungen und Spoofing-Vorfälle in Osteuropa plausibel erschien.
Flightradar24 stellt diese Darstellung jedoch infrage. Der Dienst erklärte auf der Plattform X, dass der Flug, ursprünglich für 1 Stunde und 48 Minuten geplant, lediglich 9 Minuten länger dauerte. Der Transponder des Flugzeugs, vermutlich einer belgisch registrierten Dassault Falcon 900LX, meldete durchgehend eine gute GPS-Signalqualität. Diese Daten deuten darauf hin, dass weder ein signifikanter GPS-Ausfall noch ein einstündiges Kreisen über dem Flughafen stattgefunden haben. Kremlsprecher Dmitri Peskow wies die Vorwürfe einer russischen Beteiligung zurück und bezeichnete sie als Fehlinformationen.
Die bulgarische Flugsicherungsbehörde bestätigte zwar Störungen, nannte jedoch keinen konkreten Urheber. Sie verwies auf einen allgemeinen Anstieg von GPS-Störungen seit Beginn des Ukraine-Kriegs. Experten betonen, dass GPS-Jamming und Spoofing in Konfliktregionen wie dem Schwarzen Meer oder dem Baltikum zunehmen, was die Luftfahrt vor Herausforderungen stellt. Dennoch verfügen moderne Flugzeuge über alternative Navigationssysteme, und der Flughafen Plowdiw nutzt bodengestützte Navigationshilfen, die unabhängig von GPS eine sichere Landung ermöglichten. Der Flug verlief letztlich ohne Sicherheitsrisiken, und von der Leyen setzte ihre Reise wie geplant fort.
Die widersprüchlichen Berichte werfen Fragen zur Informationspolitik der EU auf und befeuern Spekulationen über politisch motivierte Narrative. Während einige Medien und EU-Vertreter die These einer russischen Störaktion betonen, legen die Daten von Flightradar24 nahe, dass der Vorfall weniger dramatisch war als dargestellt. Der Zwischenfall unterstreicht die Sensibilität geopolitischer Themen und die Notwendigkeit präziser Informationen in der Berichterstattung.
