Trotz seines Rufs als wasserreiches Land steht Deutschland vor wachsenden Herausforderungen bei der Wasserversorgung, wie ein aktueller Bericht von Telepolis verdeutlicht. Sinkende Grundwasserspiegel, ausgetrocknete Flüsse und Wälder sowie regionale Wasserengpässe betreffen bereits fast die Hälfte aller Landkreise. Der Klimawandel verschärft die Lage durch längere Trockenperioden, während Starkregen oft nicht versickert, sondern oberflächlich in Flüsse und ins Meer abfließt. Dies führt zu einem Mangel an Grundwasserneubildung, der Industrie, Landwirtschaft und Haushalte gleichermaßen betrifft.
In Regionen wie Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern verschärfen sandige, industriell übernutzte Böden das Problem, da sie kaum Wasser speichern. Orte wie Thurmansbang in Bayern sind auf Fernwasserleitungen oder Tankwagen angewiesen, um die Versorgung sicherzustellen. Die Landwirtschaft leidet besonders: Trockenheit verursacht Ernteausfälle, und Milchviehbetriebe müssen teures Futter zukaufen, da Weiden unzureichend Gras liefern. Pilotprojekte, etwa in Alt Madlitz, testen afrikanische Anbaumethoden, die an Dürre angepasst sind, um Lösungen zu finden.
Großverbraucher wie die Industrie tragen zur Belastung bei. So entnimmt Aldi Nord in Treuchtlingen jährlich 650.000 Kubikmeter Grundwasser, darunter fossiles Tiefengrundwasser, das sich nur langsam regeneriert. Ab 2026 soll in Bayern ein Wassercent von 10 Cent pro Kubikmeter eingeführt werden, was jedoch im Vergleich zu Flaschenwasserpreisen gering ist. Versiegelte Flächen und fehlende Rückhaltebecken verschlimmern die Situation, da Regenwasser nicht lokal gespeichert wird. Experten fordern die Renaturierung von Böden, die Wiedervernässung von Mooren und Konzepte wie die Schwammstadt, um Wasser besser zu nutzen.
Die Nationale Wasserstrategie der Bundesregierung wird kritisiert, da sie erst zwischen 2030 und 2050 umgesetzt werden soll, obwohl die Probleme bereits akut sind. Ohne Investitionen in Infrastruktur und nachhaltige Nutzung drohen regionale Engpässe, insbesondere in trockenen Sommern, weiter zuzunehmen.
