Die globalen Anleihemärkte stehen weiter unter Druck, da ein weltweiter Ausverkauf von Anleihen die Renditen in die Höhe treibt. Dies könnte weitreichende Folgen für Verbraucher und Unternehmen haben, da steigende Renditen die Kreditzinsen für Haushalte, Häuslebauer und Firmen erhöhen. Ursachen sind Unsicherheiten über Inflation, wachsende Staatsverschuldung und mangelnde Haushaltsdisziplin in mehreren Ländern, wie Bloomberg News berichtet. Besonders betroffen sind Märkte in den USA, Japan, Großbritannien, Australien und Frankreich.
In Japan erreichten die Renditen 20-jähriger Anleihen den höchsten Stand seit 1999, während australische 10-jährige Anleihen auf das Niveau von Juli 2025 kletterten. In Großbritannien stiegen die Renditen 30-jähriger Anleihen auf ein 27-Jahres-Hoch, und in den USA nähern sich die Renditen 30-jähriger Staatsanleihen der 5-Prozent-Marke. Diese Entwicklungen spiegeln die wachsende Sorge der Investoren über hohe Staatsausgaben und mögliche inflationäre Effekte wider. Zusätzlich verstärken Unsicherheiten über die Unabhängigkeit der US-Notenbank Federal Reserve und eine Flut von Unternehmensanleihen den Verkaufsdruck.
Ein Bloomberg-Index für globale Anleiherenditen verzeichnete am 2. September 2025 einen Rückgang um 0,4 Prozent, den stärksten Tagesverlust seit Anfang Juni. Dies unterstreicht die Nervosität der Märkte, insbesondere bei langlaufenden Anleihen, die empfindlicher auf Zinsänderungen reagieren. Händler setzen vermehrt auf sogenannte Steepener-Trades, die von einer wachsenden Spanne zwischen kurz- und langfristigen Renditen profitieren. Beispiele wie die überraschend zurückhaltende Haltung der neuseeländischen Zentralbank oder die Zinssenkung der Bank Indonesia im August zeigen, wie Geldpolitik die Märkte beeinflusst.
Experten wie Andrew Ticehurst von Nomura Holdings betonen, dass Defizit- und Schuldenprobleme nicht schnell lösbar sind, was steilere Zinskurven zur neuen Normalität macht. Andrew Canobi von Franklin Templeton sieht in der aktuellen Lage Chancen für kurzfristige Anleihen, da diese stärker auf Geldpolitik reagieren. Gleichzeitig warnen Beobachter, dass höhere Renditen die Finanzierungskosten für Staaten und Unternehmen erhöhen und damit gesamte Volkswirtschaften belasten könnten. Die Sorge vor einer anhaltenden Inflation und chaotischen Staatsfinanzen führt dazu, dass Anleger höhere Risikoprämien fordern, was die Renditen weiter antreibt.
Die Situation bleibt angespannt, da die Märkte auf die nächsten geldpolitischen Entscheidungen der Zentralbanken warten. Für Anleger und Volkswirtschaften gleichermaßen könnten die steigenden Renditen zu einer ernsten Herausforderung werden, da sie die Kosten für Kredite und Investitionen spürbar erhöhen.
