Österreichs hohe Inflation durch zögerliche Preiseingriffe verschärft

Durch | 5. September 2025

Wien, 5. September 2025 – Österreich kämpft weiterhin mit einer der höchsten Teuerungsraten in Westeuropa, wie eine aktuelle Analyse des Momentum Instituts auf Basis von Daten der Europäischen Statistikbehörde Eurostat zeigt. Ein wesentlicher Grund für die anhaltend hohe Inflation ist die zurückhaltende Preispolitik der österreichischen Regierung. Während die Regierungsklausur am Mittwoch Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft und zur Dämpfung der Inflation im Fokus hatte, wird kritisiert, dass die Preiseingriffe der Regierung nicht schnell und zielgerichtet genug waren.

Geringer Anteil administrierter Preise im EU-Vergleich

Laut der Analyse beträgt der Anteil staatlich administrierter Preise am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) in Österreich nur 8,7 Prozent, deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 12,3 Prozent. Administrierte Preise umfassen Waren und Dienstleistungen, deren Preise vollständig oder überwiegend von der Regierung beeinflusst werden, wie Mieten, Energie oder Lebensmittel. Mit diesem Wert liegt Österreich auf Platz fünf der EU-Länder mit den geringsten Preiseingriffen. Länder wie die Schweiz (30,7 Prozent), die Slowakei (19,1 Prozent) oder die Niederlande (18,8 Prozent) regulieren deutlich stärker. Das Momentum Institut betont, dass gezielte Preiseingriffe, wie sie in anderen EU-Ländern üblich sind, die Teuerung in Österreich spürbar hätten reduzieren können.

Schulstartgeld: Kaufkraftverlust durch Inflation

Die Teuerung beeinträchtigt auch soziale Maßnahmen wie das Schulstartgeld, das rund 900.300 Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 15 Jahren im August mit der Familienbeihilfe erhalten. Seit seiner Einführung 2011 hat das Schulstartgeld, ursprünglich 100 Euro pro Kind, inflationsbedingt 23 Prozent seiner Kaufkraft verloren. 2025 beträgt es 121,40 Euro, deckt jedoch nicht einmal die Kosten für eine durchschnittliche Schultasche (ca. 150 Euro) ohne Inhalt. Ab 2026 wird die automatische Anpassung an die Inflation ausgesetzt, was die finanzielle Belastung für Familien weiter verschärfen könnte.

Strompreisbremse und Lebensmittelpreise: Verpasste Chancen

Das Auslaufen der Strompreisbremse im Juni 2025 hat die Energiepreise in die Höhe getrieben, mit einem Anstieg von 5,9 Prozent im August. Barbara Schuster, stellvertretende Chefökonomin des Momentum Instituts, kritisiert im Interview mit PULS24, dass Energieerzeuger weiterhin hohe Gewinne erzielen, während Konsument:innen belastet werden. Eine Verlängerung der Strompreisbremse hätte die Teuerung dämpfen können.

Auch die Lebensmittelpreise bleiben ein Problem: Nahrungsmittel sind um 33,7 Prozent, alkoholfreie Getränke um 52,2 Prozent teurer geworden. Das Momentum Institut schlägt eine Preistransparenzdatenbank und eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel vor, um ärmere Haushalte zu entlasten. Internationale Beispiele zeigen, dass solche Maßnahmen effektiv sein können.

Wirtschaftliche Herausforderungen und Verteilungsproblem

Trotz hoher Sparquoten 2024, die über dem Durchschnitt der Vorjahre liegen, fehlt gespartes Einkommen im Konsum, was die Wirtschaft bremst. Hinter der hohen Sparquote verbirgt sich ein Verteilungsproblem: Nicht alle Haushalte können sparen, was soziale Ungleichheiten verschärft.

Niedrige Insolvenzquote trotz wirtschaftlicher Sorgen

Entgegen der öffentlichen Debatte über eine drohende Insolvenzwelle zeigt ein Paper der Österreichischen Nationalbank (OeNB), dass die Insolvenzquote in Österreich zwischen 2019 und 2024 stabil bei etwa einem Prozent liegt. Dies relativiert die Sorge vor einer flächendeckenden wirtschaftlichen Krise, trotz steigender absoluter Insolvenzzahlen aufgrund einer wachsenden Unternehmenspopulation.

Forderung nach gezielten Maßnahmen

Das Momentum Institut fordert mehr staatliche Preiseingriffe, insbesondere bei Lebensmitteln, Mieten und Energie, sowie die Einführung einer Preistransparenzdatenbank und eine Reform des Preisgesetzes. Die angekündigte Mietpreisbremse wird als erster Schritt begrüßt, jedoch als unzureichend angesehen. Medien wie die Kronen Zeitung, Der Standard und der Kurier berichten über die Analyse, die Österreichs zögerliche Preispolitik im EU-Vergleich kritisiert.

Quelle: Pressemitteilung des Momentum Instituts, 5. September 2025

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Autor: LabNews Media LLC

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