Die App TikTok wird vorerst nicht abgeschaltet: US-Präsident Donald Trump hat die Frist für die Trennung von der chinesischen Muttergesellschaft ByteDance bis zum 16. Dezember 2025 verlängert, um ein Abkommen mit China abzuschließen. Der Deal sieht vor, dass die Mehrheitsbeteiligung an der US-Version der Plattform an ein US-amerikanisches Investorenkonsortium übergeht, während China den zentralen Algorithmus behält und diesen lediglich lizenziert. Kritiker werfen der Regierung vor, nationale Sicherheitsrisiken zu unterschätzen, da der Algorithmus – das „Herzstück“ der App – weiterhin unter chinesischer Kontrolle bleibt und potenziell für Spionage oder Propaganda genutzt werden könnte. 0 1
Diese ist die vierte Verlängerung der Frist seit Inkrafttreten des „Protecting Americans from Foreign Adversary Controlled Applications Act“ im Januar 2025, der TikTok verbietet, solange chinesische Eigentümer die Kontrolle behalten. Das Gesetz, das mit breiter bipartisamer Mehrheit verabschiedet und vom Obersten Gerichtshof bestätigt wurde, zielt darauf ab, dass Beijing keine sensiblen US-Daten abrufen oder Inhalte manipulieren kann. Trump, der TikTok während seines Wahlkampfs als Plattform für junge Wähler nutzte, argumentiert, der Deal schütze die Nutzer und erhalte den Zugang zur App für Millionen Amerikaner. 7 31
Details des Deals und Kontroverse um den Algorithmus
Laut Quellen der Wall Street Journal soll ein Konsortium aus Oracle, Silver Lake und Andreessen Horowitz (a16z) 80 Prozent der Anteile an einem neuen US-Unternehmen übernehmen, das TikTok in den USA betreibt. Bestehende ByteDance-Investoren wie Susquehanna International, KKR und General Atlantic sollen mit einsteigen. Das Board wird „amerikanisch dominiert“, mit einem von der US-Regierung nominierten Mitglied. Oracle soll die US-Nutzerdaten in Einrichtungen in Texas speichern und verwalten, um den Datenschutz zu gewährleisten. 32 33
Der Knackpunkt: ByteDance behält die Kontrolle über den proprietären Algorithmus, der personalisierte Video-Empfehlungen steuert und TikToks Erfolg antreibt. Statt eines vollständigen Verkaufs wird der Code an die US-Seite lizenziert, wobei China Teile des Algorithmus nutzen und auf US-Daten zugreifen könnte, um ihn weiterzuentwickeln. Chinas Cyberspace-Administration bestätigte, dass ByteDance die US-Daten und -Inhalte „anvertrauen“ werde, ohne Details zu Einschränkungen zu nennen. Ein asiatischer Investor erklärte gegenüber der Financial Times, die US-Version würde „mindestens Teile des chinesischen Algorithmus“ verwenden, aber mit US-Daten trainiert. 0 3
Kritiker sehen darin eine Schwäche: Die House Select Committee on China betonte, der Deal verstoße gegen das Gesetz, wenn der Algorithmus chinesisch bleibe – „es darf keine geteilte Algorithmen-Kontrolle mit ByteDance geben“. Ein US-Berater warf Trump vor, „eingeknickt“ zu sein und nicht auf einen vollständigen Verkauf des Codes gedrängt zu haben. Republikaner wie Senator Chuck Grassley (R-Iowa) kündigten an, den Deal im Kongress zu blockieren, falls Sicherheitsbedenken bestehen. Datenschützer und China-Hawks warnen, dass der Algorithmus für Desinformation oder Einflussnahme missbraucht werden könnte, da chinesische Gesetze Unternehmen zur Datenübergabe an Beijing zwingen. 1 2
Auf X (ehemals Twitter) spiegeln sich die Debatten wider: Nutzer kritisieren den Deal als „Surrender“ an China, während andere die Verlängerung als notwendigen Kompromiss sehen, um die App für 170 Millionen US-Nutzer zu erhalten. Ein Post von Frank Luntz hebt die Beteiligung von Oracle hervor, warnt aber vor der Algorithmus-Kontrolle. 29
Hintergrund und Verhandlungen
Die Verhandlungen, die in Madrid geführt wurden, sind Teil breiterer Handelsgespräche zwischen Washington und Peking. US-Finanzminister Scott Bessent sprach von einem „Framework“, das Trump und Xi Jinping am Freitag finalisieren sollen. China betonte, kein Abkommen auf Kosten seiner Firmeninteressen einzugehen. Frühere Deals scheiterten an Exportbeschränkungen für Technologie wie den Algorithmus. Trump hatte TikTok 2020 verbieten wollen, drehte aber 2024 um, um junge Wähler zu gewinnen. Die App, mit 170 Millionen US-Nutzern (über die Hälfte unter 30), ist ein politisches Hebelthema: Kritiker des Verbots sehen darin einen Verstoß gegen die Redefreiheit, während Befürworter Datenschutz priorisieren. 5 6 10
Der Kongress könnte eingreifen, da das Gesetz keine unbeschränkte Präsidentenverlängerungen vorsieht. Analysten schätzen den Deal auf Milliarden, wobei Oracle durch frühere Partnerschaften (z. B. Datenspeicherung seit 2020) im Vorteil ist. Der finale Vertrag könnte sich noch ändern, doch die Kernfrage – wer den Algorithmus kontrolliert – bleibt umstritten.
Hinweis: Dieser Bericht basiert auf der Meldung von Ars Technica sowie ergänzenden Berichten aus WSJ, Guardian und X-Diskussionen. Weitere Details könnten nach dem Trump-Xi-Gespräch folgen.
