Der kürzliche Staatsbesuch von US-Präsident Donald Trump im Vereinigten Königreich, der am 16. September begann und am 17. September mit einem prunkvollen Bankett in Windsor Castle gipfelte, wurde von anhaltenden Kontroversen um den verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein überschattet. König Charles III, der Trump als Gast des Staates empfing, vermied in seinen öffentlichen Äußerungen jegliche Erwähnung des Themas, obwohl der Skandal die britische und US-amerikanische Politik gleichermaßen belastet. Dies hat zu Spekulationen geführt, ob der britische Monarch bewusst auf eine Konfrontation verzichtete, um die diplomatischen Beziehungen zu wahren – insbesondere angesichts der familiären Verbindungen des Hauses Windsor zu Epstein.
Der Besuch, der als zweites Staatsbankett in Trumps Amtszeit galt, war von Beginn an von Protesten begleitet. Aktivisten der Gruppe Led By Donkeys projizierten Bilder von Trump neben Epstein auf die Außenmauern von Windsor Castle, wo der Präsident am Abend des 17. September von König Charles und Queen Camilla empfangen wurde. Die Projektionen zeigten Aufnahmen aus den 1990er Jahren, die die enge Bekanntschaft der beiden Männer illustrieren, sowie Berichte über Epsteins Verbrechen. Vier Personen wurden in dieser Nacht festgenommen und mit Vergehen wie bösartiger Kommunikation und Störung der öffentlichen Ordnung angeklagt. Die Polizei bezeichnete die Aktion als „öffentlichen Stunt“, der Sicherheitsbedenken auslöste, während die Aktivisten sie als notwendigen Hinweis auf ungelöste Fragen rund um Epsteins Netzwerk verteidigten.
Während des Banketts in St. George’s Hall, an dem Gäste wie Medienmogul Rupert Murdoch teilnahmen – der derzeit in einem Rechtsstreit mit Trump steht, der ebenfalls Epstein-bezogene Vorwürfe betrifft –, konzentrierte sich König Charles auf positive Aspekte der transatlantischen Partnerschaft. In seiner Begrüßungsrede hob er die gemeinsame Geschichte und Werte der USA und Großbritanniens hervor, darunter den Kampf für Freiheit und Demokratie, ohne auf aktuelle Spannungen einzugehen. Trump saß zwischen König Charles und Catherine, der Princess of Wales, während Melania Trump gegenüber Queen Camilla und William, dem Prince of Wales, platziert war. Die Abwesenheit von Prince Andrew, dem jüngeren Bruder des Königs, fiel besonders auf: Andrew hatte sich 2020 aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen, nachdem seine Freundschaft zu Epstein in einem BBC-Interview und US-Rechtsverfahren ans Licht gekommen war.
Der Epstein-Skandal wirft lange Schatten auf alle Beteiligten. Trump, der Epstein in den 1990er und 2000er Jahren als „guten Freund“ bezeichnet hatte, distanzierte sich später von ihm und betonte, die Beziehung sei beendet gewesen, bevor Epsteins Verhaftung 2019. Dennoch tauchten kürzlich Dokumente aus Epsteins „Geburtstagsbuch“ auf, die angebliche Briefe von Trump enthalten sollen, was zu Untersuchungen im US-Kongress führte. In Großbritannien entließ Premierminister Keir Starmer kurz vor dem Besuch den britischen Botschafter in Washington, Peter Mandelson, aufgrund seiner eigenen Epstein-Verbindungen, die durch Nachrichten enthüllt wurden. Mandelson, der Trump bei früheren Treffen begleitet hatte, war für das Protokoll des Besuchs mitverantwortlich, doch seine Entlassung unterstrich die Sensibilität des Themas.
Kritiker sehen in der Entscheidung König Charles‘, das Epstein-Thema zu umgehen, eine bewusste Strategie, um den Besuch nicht zu vergiften. Der Monarch, der Trump als „alten Freund“ bezeichnete, nutzte die Gelegenheit, um wirtschaftliche Abkommen zu feiern: Großbritannien sicherte sich Investitionen in Höhe von 150 Milliarden Pfund von US-Unternehmen wie Boeing und Palantir, die während des Treffens mit Starmer vereinbart wurden. Trump lobte die Allianz als „die größte in der Geschichte der Menschheit“ und warnte vor Handelsbarrieren, die er androhte, falls keine Zugeständnisse gemacht würden. Dennoch eskalierten Proteste in London mit Tausenden Demonstranten, die nicht nur Epstein, sondern auch Trumps Politik zu Tarifen und Migration anprangerten. Einige Aktivisten warfen zudem mit Strandbällen, auf die das Gesicht von Vizepräsident JD Vance gedruckt war, um die Absurdität des Besuchs zu unterstreichen.
Auf Plattformen wie X (ehemals Twitter) kursieren Verschwörungstheorien, die den Besuch mit dem Tod von Virginia Giuffre, einer prominenten Epstein-Opferin, in Verbindung bringen. Nutzer spekulieren, Trump habe die Ermittlungen eingestellt, um Prince Andrew zu entlasten, was den zweiten Staatsbesuch als „Dank“ ermöglicht habe. Solche Behauptungen bleiben unbelegt und werden von offiziellen Stellen zurückgewiesen; Giuffres Tod wurde als Suizid klassifiziert, und die US-Justizbehörde DOJ hat die Freigabe weiterer Epstein-Akten angekündigt. 0 5
Experten betonen, dass der Verzicht auf das Thema diplomatische Höflichkeit widerspiegelt, doch er unterstreicht die anhaltende Belastung durch Epsteins Erbe. Der Skandal, der 2019 mit Epsteins Tod im Gefängnis begann, hat nicht nur Prominente wie Trump und Andrew, sondern ganze Institutionen in Frage gestellt. Für König Charles, der sich auf Umweltthemen und Einheit konzentriert, markiert der Besuch einen Balanceakt zwischen Tradition und Moderne. Der Präsident reiste am 18. September ab, doch die Debatte um Verantwortung und Transparenz wird anhalten.
Quellen: The New York Times, CNN, The Guardian, Forbes, X-Posts (Auswahl)
