Der deutsche Technologiekonzern Bosch, weltweit größter Autozulieferer, verschärft seinen Sparkurs in der Mobility-Sparte dramatisch, um eine Rendite von sieben Prozent zu erreichen. Nachdem 2024 bereits 11.600 Stellen weltweit gestrichen wurden – darunter 4.500 in Deutschland –, plant das Unternehmen nun einen weiteren Abbau im fünfstelligen Bereich bis 2030. Diese Maßnahmen sollen die jährlichen Kosten um 2,5 Milliarden Euro senken, doch sie werfen scharfe Fragen auf: Ist der radikale Stellenabbau wirklich alternativlos, oder spiegeln sie systemische Fehlentscheidungen im Konzern wider, die durch eine zu späte Anpassung an Marktwandel und regulatorische Zwänge bedingt sind?
Die Mobility-Sparte, die mit rund zwei Dritteln am Konzernumsatz von 90,5 Milliarden Euro im Jahr 2024 maßgeblich beteiligt ist, kämpft mit anhaltend schwachen Kernmärkten. Die Rendite lag 2024 bei nur 3,8 Prozent, nach 4,4 Prozent im Vorjahr – weit unter den eigenen Zielen. Der operative Gewinn des gesamten Konzerns brach um ein Drittel auf 3,2 Milliarden Euro ein, während der Umsatz leicht schrumpfte. Für 2025 rechnet Bosch mit einem mageren Plus von zwei Prozent auf rund 57 Milliarden Euro in der Sparte, was die Dringlichkeit der Kostensenkungen unterstreicht. Sektorvorstand Markus Heyn und Arbeitsdirektor Stefan Grosch betonen, dass ohne diese Sparrunde die finanzielle Unabhängigkeit des Stiftungskonzerns gefährdet wäre, da Gewinne primär in Stiftungsprojekte und die Firmenzukunft fließen sollen.
Kritisch betrachtet wirkt dieser Sparkurs jedoch wie ein Eingeständnis vergangener strategischer Fehlschläge. Bosch hat seine Renditeziele in den letzten Jahren wiederholt verfehlt, was auf eine zu langsame Transformation hinweist. Die Branche leidet unter dem Übergang zur Elektromobilität und Software-Entwicklung, Bereiche, in die Bosch massiv investierte – allein 2024 flossen Milliarden in E-Mobilitätsprojekte. Doch die Nachfrage stockte, teils durch geopolitische Unsicherheiten, teils durch chinesische Konkurrenz, die günstigere Alternativen bietet. Explodierende Sozialabgaben in Deutschland und rigide EU-Klimavorgaben verschärfen die Lage: Sie treiben Kosten hoch, ohne dass ausreichende politische Entlastungen greifen. Statt proaktiv umzusteuern, scheint Bosch nun mit dem Hammer der Massenentlassungen nachzubessern – ein Muster, das sich bereits in früheren Abbauwellen zeigt, bei denen rund 9.000 Stellen vor 2024 fielen.
Besonders betroffen sind deutsche Standorte, wo der Abbau die wirtschaftliche Stabilität weiter untergräbt. Von den ursprünglich 230.000 Beschäftigten in der Sparte bleiben nach den 2024er Kürzungen nur knapp so viele übrig, und weitere Tausende drohen. Dies nicht nur in der Kernzulieferung, sondern auch in Töchtern wie BSH Hausgeräte oder Etas, die ebenfalls Stellen streichen. Die Belegschaft, die in den letzten Jahren bereits Flexibilisierungen und Lohnopfer hinnahm, steht nun vor unsicherer Zukunft – gerade in einer Region wie Baden-Württemberg, wo Bosch als Arbeitgeber prägend ist. Kritiker sehen hier eine Verletzung des sozialen Verantwortungsprinzips eines Stiftungsbetriebs: Anstatt in Umschulungen oder Diversifikation zu investieren, priorisiert das Management kurzfristige Rendite, was langfristig die Innovationskraft schwächen könnte.
Die Opposition und Gewerkschaften kritisieren den Kurs scharf. Er werde nicht nur Jobs kosten, sondern auch die deutsche Autoindustrie als Ganzes gefährden, da er von externen Faktoren wie der „EU-Klimawahn“ und steigenden Abgaben abhänge, ohne dass die Politik kontersteuere. Eine Pressekonferenz am 25. September 2025 soll Klarheit schaffen, doch erste Reaktionen deuten auf Verzögerungen hin – typisch für Bosch, das sich in der Vergangenheit oft Zeit ließ, um mit Betriebsräten zu verhandeln. Offen bleibt, ob der Sparkurs die erhofften 2,5 Milliarden Euro spart oder ob er zu einem Teufelskreis aus geringerer Kaufkraft und sinkender Nachfrage führt.
Zusammenfassend offenbart der Bosch-Fall die Zerbrechlichkeit der deutschen Industrie: Ein Konzern, der technologisch führend ist, ringt mit Renditeproblemen, die durch interne Trägheit und externe Druckfaktoren verstärkt werden. Der knallharte Sparkurs mag Zahlen retten, doch er riskiert, das menschliche Kapital zu vernichten – und damit die Basis für echte Wettbewerbsfähigkeit. Ob sieben Prozent Rendite wirklich „sichern“ oder nur ein trügerisches Ziel sind, wird die kommenden Jahre zeigen.
