Die BSH Hausgeräte GmbH, eine Tochter des Bosch-Konzerns, hat die Schließung von zwei Produktionsstätten in Deutschland beschlossen. Betroffen sind das Werk in Nauen (Brandenburg), wo Waschmaschinen hergestellt werden, sowie das Werk in Bretten (Baden-Württemberg), das sich auf die Produktion von Herden und Dunstabzugshauben spezialisiert hat. Insgesamt werden durch die Maßnahme rund 1.400 Arbeitsplätze gestrichen, davon etwa 980 in Bretten und 440 in Nauen. Die Schließungen sollen schrittweise erfolgen: Die Produktion in Nauen wird voraussichtlich Mitte 2027 eingestellt, in Bretten im März 2028.
Die Entscheidung begründet BSH mit einem rückläufigen Markt und wachsendem Wettbewerbsdruck durch kostengünstigere Anbieter. Die Produktionskapazitäten in den beiden Werken seien dauerhaft unterausgelastet, und ein relevantes Marktwachstum sei in naher Zukunft nicht zu erwarten. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, plant BSH, die Produktion von Waschmaschinen, Herden und Dunstabzugshauben künftig in anderen europäischen Werken fortzuführen. Das Unternehmen betont, nach sozialverträglichen Lösungen für die betroffenen Mitarbeitenden zu suchen.
Die Schließungen stehen laut BSH in keinem Zusammenhang mit dem bereits Ende September angekündigten Stellenabbau beim Mutterkonzern Bosch, der in der Autozuliefer-Sparte rund 13.000 Arbeitsplätze weltweit streichen will – davon über 10.000 in Deutschland. 1 BSH beschäftigt in Deutschland etwa 16.000 Mitarbeitende, weltweit sind es rund 57.000.
Der Stellenabbau als Symptom einer breiteren Wirtschaftskrise
Die Maßnahme bei BSH ist kein Einzelfall, sondern Teil eines alarmierenden Trends: In Deutschland droht 2025 ein massiver Stellenabbau, der die gesamte Industrie und den Arbeitsmarkt belastet. Laut Prognosen der Unternehmensberatung EY könnten bis Ende des Jahres allein im Verarbeitenden Gewerbe rund 100.000 Arbeitsplätze verloren gehen, nach bereits 70.000 Entlassungen im Vorjahr. Besonders hart trifft es Branchen wie die Elektrotechnik (minus 7,5 Prozent), die Metallverarbeitung (minus 5,1 Prozent) und die Automobilindustrie (minus 5 Prozent), wo innerhalb eines Jahres mehr als 50.000 Jobs gestrichen wurden. Die Zahl der Industriebeschäftigten liegt insgesamt um mehr als 100.000 niedriger als vor einem Jahr.
Eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln unter mehr als 2.000 Unternehmen zeigt, dass 40 Prozent der Betriebe für 2025 einen Personalabbau planen – insbesondere in der Industrie, wo der Anteil sogar auf 44 Prozent steigt. Mehr als jedes dritte Unternehmen insgesamt erwartet einen Rückgang der Beschäftigung, was auf eine anhaltende Konjunkturschwäche hinweist. Die Arbeitslosenquote hat sich bereits auf über 6 Prozent erhöht und könnte weiter steigen, mit fast drei Millionen Betroffenen im Januar 2025. Experten wie Klaus Wohlrabe vom ifo-Institut warnen, dass der Abbau sich fortsetzen wird, solange keine konjunkturelle Wende eintritt – obwohl erste Stabilisierungssignale im Mai erkennbar waren.
Betroffene Branchen und Unternehmen
Der Stellenabbau konzentriert sich vor allem auf exportabhängige Sektoren, die unter rückläufigen Auslandsmärkten, hohen Energie- und Lohnkosten sowie globaler Konkurrenz leiden. Die Automobilbranche steht im Zentrum der Krise: Neben Bosch planen Volkswagen bis 2030 den Abbau von 35.000 Stellen, Ford bis Ende 2027 rund 3.000 in Köln, Daimler Truck bis 2030 etwa 5.000 und ZF Friedrichshafen 22.000 in Deutschland. 2 9 3 Auch Continental, Audi und andere Zulieferer sind betroffen.
Weitere Großkonzerne folgen: SAP streicht weltweit 10.000 Jobs, davon 3.500 in Deutschland; ThyssenKrupp plant Hunderte Entlassungen in Bremen; Bayer, Coca-Cola, Deutsche Bahn, Evonik, Lufthansa (4.000 Stellen), Commerzbank (3.000) und Vodafone sind ebenfalls in den Abbauplänen vertreten. Im Mittelstand nimmt der Beschäftigungsabbau Fahrt auf: Laut Datev-Mittelstandsindex lag die Beschäftigung im März 0,7 Prozent unter dem Vorjahreswert. 3 Insgesamt könnten über 140.000 Jobs in Deutschland wegfallen.
Während Baubranche und Dienstleistungen weniger stark betroffen sind, fehlen zudem Einstellungen junger Fachkräfte, insbesondere in Ingenieurberufen, was langfristig die Innovationskraft mindert.
Ursachen und Konsequenzen
Hintergrund ist eine anhaltende Rezession – das dritte Jahr in Folge, das erste seit dem Zweiten Weltkrieg. Hohe Kosten für Energie, Arbeit und Bürokratie, politische Unsicherheiten sowie schwache Exporte nach China und in die USA treiben Unternehmen in Sparkurse. Die Industrie ist überkapazitätsbelastet, und die Konkurrenz aus Asien, insbesondere bei Elektrofahrzeugen, verschärft die Lage. Investitionen sinken: 40 Prozent der Unternehmen planen weniger Ausgaben, nur 23 Prozent mehr.
Die Folgen reichen über den Arbeitsmarkt hinaus: Eine Debatte über Deindustrialisierung entbrennt, da fehlende Neugründungen im Verarbeitenden Gewerbe die Erholung behindern. Gewerkschaften wie IG Metall kritisieren die Pläne und fordern sozialverträgliche Übergänge, während Ökonomen politische Maßnahmen zur Stärkung des Standorts einfordern – von Bürokratieabbau bis zu Investitionsanreizen. Ohne schnelle Reformen droht eine anhaltende Spirale aus Rezession und steigender Arbeitslosigkeit.
Reaktionen in der Öffentlichkeit
Die Ankündigung bei BSH löste in Online-Foren lebhafte Diskussionen aus. Viele Nutzer bedauern die Schließungen und sehen darin einen Verlust für die Marke „Made in Germany“. Häufig wird die Qualität älterer Bosch-Geräte gelobt, während neuere Produkte teils als weniger langlebig kritisiert werden. Einige Kommentatoren führen die Schließungen auf hohe Arbeitskosten in Deutschland und mangelnde Innovationen zurück, andere verweisen auf die Präferenz vieler Konsumenten für günstigere Alternativen aus Asien. Auch die Verlagerung von Produktionsstätten in Länder mit niedrigeren Löhnen wird kontrovers diskutiert, wobei die Politik in die Verantwortung genommen wird, solche Entwicklungen zu verhindern.
Im breiteren Kontext des Stellenabbaus wächst die Sorge vor sozialen Spannungen. Der IW fordert rasche politische Lösungen, um den Arbeitsmarkt zu stabilisieren. BSH und ähnliche Fälle unterstreichen die Dringlichkeit: Der Industriestandort Deutschland muss umdenken, um Wettbewerbsfähigkeit und Jobs zu sichern.
