Helios Endo-Klinik Hamburg: Operierte Patienten bis zu 60 Stunden ohne ärztliche Visite

Durch | 13. November 2025

In der Helios Endo-Klinik Hamburg, Europas größter Spezialklinik für Endoprothetik, wurden Patienten nach Operationen bis zu 60 Stunden ohne ärztliche Visite belassen. Der Vorfall auf Station 4 in der Woche vom 3. bis 9. November gefährdete die postoperative Versorgung und verstößt gegen gesetzliche Standards. Betroffene berichteten von unkontrollierten Schmerzen, fehlender Wundkontrolle und lebensbedrohlichen Komplikationen.

Eine Patientin entwickelte drei Stunden nach einer Knieoperation Atemnot, möglicherweise eine Lungenembolie, und kollabierte. Pflegekräfte stabilisierten ihn vorläufig, doch ein Arzt traf erst nach 30 Stunden ein. Andere Patienten litten unter unadressierten Symptomen, da Pflegepersonal Vitalparameter überwachte, aber keine diagnostischen oder therapeutischen Maßnahmen ergreifen durfte.

Keine rechtzeitige Visite nach der OP in der Helios Endo Klinik Hamburg Credits LabNews Media LLC

Hintergrund: Die Klinik behandelt jährlich über 9.000 Fälle von Gelenkersatz. Als Teil des Helios-Konzerns (Fresenius-Gruppe mit 6,7 Milliarden Euro Umsatz) leidet sie unter chronischem Personalmangel: Offene Stellen durch Urlaube, Krankheiten und Kündigungen werden nicht gefüllt. Das „Skill-Mix“-Modell delegiert Aufgaben an unqualifiziertes Personal, um Kosten zu senken, was zu Überlastung führt.

Der Vorfall widerspricht der S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), die Untersuchungen innerhalb von 24 Stunden vorschreibt, sowie dem Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG), dem Patientenrechtegesetz (PatRG) und dem Infektionsschutzgesetz (IfSG). Experten warnen vor Risiken wie Infektionen, Thrombosen und medizinischen Fehlentscheidungen.

Die Klinik rechtfertigt das Modell mit Effizienzsteigerung, während Gewerkschaften wie ver.di Personalausbau fordern. In anderen Helios-Standorten gab es Proteste gegen Überlastung (München 2025) und Prüfungen durch Aufsichtsbehörden (Schwerin 2025). Betroffene planen Klagen vor Sozialgerichten; das Gesundheitsministerium Hamburg prüft den Fall.

Patienten sollten bei fehlenden Visiten die 112 zu Hilfe rufen.

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

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