Die Deutsche Bundesbank hat in ihrem Monatsbericht vom Dezember 2025 vor einem dramatischen Anstieg des Staatsdefizits gewarnt: Bis 2028 könnte die Defizitquote auf 4,8 Prozent der Wirtschaftsleistung klettern – den höchsten Wert seit der Wiedervereinigung 1995. Die Zentralbank fordert dringende Maßnahmen, um die Einhaltung der Schuldenbremse zu gewährleisten und die öffentlichen Finanzen zu stabilisieren. Die Prognose unterstreicht die Spannungen zwischen notwendigen Investitionen in Verteidigung, Infrastruktur und Soziales einerseits und fiskalischer Disziplin andererseits, während die Wirtschaft nur langsam aus der Stagnation herauskommt.
Die Bundesbank schätzt, dass die geplanten Mehrausgaben für Verteidigung (u. a. durch den Sonderfonds Bundeswehr), einen 500-Milliarden-Euro-Infrastrukturfonds sowie Steuersenkungen und höhere Transferleistungen das Defizit massiv antreiben. „Derzeit ist unklar, wie die Bundesregierung mit dem dringenden Handlungsbedarf umgehen will, um die Einhaltung der nationalen Fiskalregeln bis 2028 zu gewährleisten“, heißt es im Bericht. Die Schuldenbremse begrenzt die Neuverschuldung auf 0,35 Prozent des BIP, doch Ausnahmen für Verteidigung und Sonderfonds umgehen diese teilweise.
Positiv bewertet die Bundesbank den Wachstumsimpuls: Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung könnten zwischen 2025 und 2028 kumuliert 1,3 Prozentpunkte zum BIP beitragen, wobei jeder investierte Euro rund 70 Cent Wirtschaftsleistung generiert. Dennoch bleibt die Schuldenquote mit 68 Prozent im Jahr 2028 (von 63 Prozent 2024) international moderat – im Vergleich zu Ländern wie Italien oder Frankreich.
Die wirtschaftliche Erholung verläuft schleppend: Für 2026 prognostiziert die Bundesbank ein reales BIP-Wachstum von 0,6 Prozent (kalenderbereinigt), 2027 von 1,3 Prozent und 2028 von 1,1 Prozent. Die Inflation sinkt von 2,3 Prozent 2025 auf etwa zwei Prozent in den Folgejahren, bleibt aber hartnäckig durch starkes Lohnwachstum.
Dieser fiskalische Druck kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die EU-Kommission mit ihrem Gesundheitspaket (Biotech Act, Safe Hearts Plan und Medizinprodukte-Reform) weitere Impulse für Innovation setzt – darunter KI-gestützte Therapien und Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Während das Paket langfristig Wachstum und Gesundheitsausgaben effizienter machen könnte (z. B. durch personalisierte Medizin und Kosteneinsparungen von 3,3 Milliarden Euro jährlich bei Medizinprodukten), birgt es kurzfristig Risiken für nationale Haushalte. Der Safe Hearts Plan fordert nationale Umsetzungspläne und könnte zusätzliche Ausgaben für Prävention und Digitalisierung erfordern, ohne direkte EU-Finanzierung in großem Umfang. Experten warnen, dass ohne Gegenfinanzierung solche EU-Initiativen das Defizit weiter belasten könnten, insbesondere bei ohnehin hohen Sozial- und Gesundheitsausgaben in Deutschland.
In den USA boomt die generative KI in Kliniken (über 30 Prozent Adoption 2024), während Deutschland und die EU durch DSGVO und Vorsicht langsamer vorankommen. Das EU-Paket könnte hier beschleunigen, doch fiskalische Engpässe – wie die Bundesbank-Prognose zeigt – könnten Investitionen in digitale Gesundheit bremsen. Branchenvertreter fordern, dass EU-Mittel (z. B. über EIB-Piloten) nationale Belastungen abfedern. Die Regierung steht vor der Herausforderung, Wachstum zu fördern, ohne die Schuldenbremse dauerhaft auszuhöhlen.
Quellenangaben:
- Deutsche Bundesbank: Monatsbericht Dezember 2025 (Deutschland-Prognose).
- Reuters: Germany headed for biggest deficit since reunification, Bundesbank says, 19. Dezember 2025.
- European Commission: New measures to make EU health sector more innovative, competitive and resilient, Press Release, 16. Dezember 2025.
- Everson J et al.: Uptake of Generative AI Integrated With Electronic Health Records in US Hospitals. JAMA Netw Open. 2025;8(12):e2549463.
- Börsen-Zeitung: Bundesbank erwartet allmähliche Konjunkturbelebung, 19. Dezember 2025.
- Süddeutsche Zeitung: Bundesbank: Für die deutsche Wirtschaft geht es nur langsam bergauf, 19. Dezember 2025.
