Ach, Deutschland – das Land der unbegrenzten Bürokratie und der begrenzten Geduld mit Kranken. Gerade noch haben wir uns von der alten Praxisgebühr verabschiedet (die von 2004 bis 2012 stolze 10 Euro pro Quartal kassierte und vor allem eines bewirkte: dass Arztpraxen zu Filialen der Finanzamt wurden), da kommt Andreas Gassen, der unermüdliche Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, mit einem frischen Geniestreich um die Ecke: die „Kontaktgebühr“!
Drei bis vier Euro pro Arztbesuch, bitte schön. Nicht quartalsweise, nein – bei jedem Mal, wenn Sie es wagen, krank zu werden und einen Arzt zu belästigen. Gassen beruft sich dabei auf Japan, wo Patienten offenbar 30 Prozent Selbstbeteiligung zahlen und trotzdem nicht reihenweise vor den Praxen verhungern. In Deutschland soll die Gebühr natürlich „sozial verträglich“ sein – also wahrscheinlich mit Hartz-IV-Rabatt oder einem Bonus für Vielfachbesucher. Die Krankenkassen ziehen sie ein, damit die Ärzte nicht wieder mit dem bürokratischen Horror der alten Praxisgebühr belastet werden. Wie rücksichtsvoll!
Und weil bloße Abzocke allein langweilig wäre, schlägt Gassen gleich noch einen „digitalen Ärzte-Lotsen“ vor. Eine Art Chatbot-Hotline unter der 116117, der Ihnen sagt: „Ihre Symptome klingen nach Grippe. Trinken Sie Tee und zahlen Sie drei Euro, falls Sie trotzdem kommen.“ So sollen unnötige Besuche vermieden werden – denn nichts ist unnötiger als ein Patient, der wirklich Hilfe braucht, aber zu oft kommt. Chronisch Kranke, Familien mit Kindern, alte Menschen: Die hoppen ja nur so durch die Praxen, diese Verschwender!
Vor einem Monat noch lehnte Gassen die Wiedereinführung der Praxisgebühr ab – zu viel Bürokratie, jammerte er. Jetzt ist er plötzlich für eine Gebühr bei jedem Kontakt, solange nur die Kassen kassieren. Logik? Fehlanzeige. Aber hey, die Einnahmen der Kassen steigen, und das ist ja das Wichtigste. Patientensteuerung nennt man das im Fachjargon. Ich nenne es: „Mach den Kranken die Tür teurer, dann bleiben sie schön zu Hause und sterben leise.“
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU), frisch im Amt und offenbar noch auf der Suche nach ihrem Skalpell, hat die Idee schon mal nicht explizit befürwortet. Stattdessen gibt’s eine Kommission, die im Frühjahr Vorschläge machen soll. Bis dahin können wir uns freuen: Vielleicht wird die Kontaktgebühr ja mit einem Treueprogramm kombiniert – ab dem zehnten Besuch gibt’s eine Gratis-Blutabnahme oder einen Gutschein für die nächste Grippewelle.
Fazit: In einem Land, in dem wir uns über steigende Beiträge, Wartelisten und Pflegenotstand beschweren, ist die Lösung natürlich, die Patienten noch mehr zur Kasse zu bitten. Weil ja bekanntlich die Kranken schuld sind am teuren Gesundheitssystem – und nicht etwa die Pharmalobby, die überbürokratisierten Strukturen oder die Politik, die seit Jahrzehnten nur symptomlindernd herumpfuscht.
Danke, Herr Gassen, für diese innovative Idee. Nächster Vorschlag: Eine „Atemgebühr“ für Asthmatiker? Oder eine „Schmerzsteuer“ pro Wehwehchen? Hauptsache, die Kassen klingeln – und der Patient lernt, dass Gesundheit ein Luxus ist, den man sich dreimal überlegen sollte.
