Moralische Argumente zu Fürsorge und Fairness überzeugen Liberale und Konservative

Durch | 30. Dezember 2025

Eine neue Studie zeigt, dass moralische Argumente, die auf Fürsorge und Fairness beruhen, sowohl Liberale als auch Konservative in den USA überzeugen können. Im Gegensatz dazu wirken Argumente, die auf „bindenden“ moralischen Grundlagen wie Loyalität, Autorität und Heiligkeit basieren, vor allem auf Konservative. Die Ergebnisse erklären, warum gesellschaftliche Werte trotz Polarisierung langfristig in eine liberalere Richtung driften.

Die Untersuchung, veröffentlicht in Public Opinion Quarterly, basiert auf einem Experiment mit 375 US-Teilnehmern. Diese gaben zunächst ihre moralischen Werte und politischen Einstellungen an und bezogen Stellung zu neun umstrittenen Themen wie Hassrede, Militärausgaben, Gesundheitsversorgung für alle, Suizid und gleichgeschlechtliche Ehe. Anschließend lasen sie kurze Argumente, die entweder auf individualisierenden Grundlagen (Fürsorge/Schaden und Fairness/Betrug) oder bindenden Grundlagen formuliert waren, und revidierten ihre Positionen.

Wie erwartet verschoben bindende Argumente die Meinungen konservativer Teilnehmer in konservative Richtung, hatten aber keinen Effekt auf Liberale. Individualisierende Argumente jedoch bewegten beide Gruppen – und waren für Konservative nicht weniger überzeugend als bindende. Fürsorge und Fairness wirken somit als gemeinsame moralische Basis über politische Gräben hinweg.

Die Effekte lassen sich besser durch individuelle moralische Profile als durch politische Labels erklären. Wer Unparteilichkeit hoch schätzt, reagiert stärker auf Fairness-Argumente; wer Gehorsam und Respekt vor Autorität betont, ist empfänglicher für autoritätsbasierte Appelle.

„Unsere Werte funktionieren wie Filter“, erklärt Fredrik Jansson, Associate Professor an der Mälardalen University und Hauptautor. „Argumente, die nicht passen, werden ausgeblendet, während solche, die an bestehende Überzeugungen anknüpfen, durchkommen und eine Neubewertung erzwingen können.“

Ein Beispiel ist die gleichgeschlechtliche Ehe. Wer Fürsorge und Fairness priorisiert, kann Argumente zu gleichen Rechten schwer ignorieren. Wer Tradition und soziale Stabilität betont, lässt sich eher von der Idee überzeugen, dass die Einbeziehung weiterer Gruppen die Ehe als Institution stärkt.

Die Asymmetrie – dass individualisierende Argumente beide Seiten bewegen, bindende aber nur Konservative – erklärt langfristige Verschiebungen hin zu progressiveren Werten, die trotz Polarisierung in vielen Ländern beobachtet werden, einschließlich der USA.

„Im öffentlichen Diskurs gibt es eine eingebaute moralische Asymmetrie“, sagt Mitautor Pontus Strimling vom Institute for Futures Studies. „Fürsorge- und Fairness-Argumente können Liberale und Konservative gleichermaßen ansprechen, während konservativere, bindende Argumente vor allem bereits Konservative erreichen. Langfristig führt dies zu einer Nettoverschiebung in progressive Richtung.“

Die Studie baut auf der Moral Foundations Theory auf, die individualisierende von bindenden Grundlagen unterscheidet. Sie liefert empirische Belege dafür, dass diese Unterschiede nicht nur in Umfragen zu abstrakten Werten, sondern auch bei konkreten politischen Fragen wirksam sind.

Die Ergebnisse haben weitreichende Implikationen für politische Kommunikation und gesellschaftlichen Wandel. Sie zeigen, dass gemeinsame moralische Appelle Brücken schlagen können, während einseitig bindende Rhetorik die Spaltung vertieft. Für eine konstruktive Debatte könnten Akteure stärker auf geteilte Werte wie Fürsorge und Fairness setzen, um breitere Zustimmung zu erreichen.

Originalpublikation: Jansson, F. et al. Susceptibility to Moral Arguments Among Liberals and Conservatives. Public Opinion Quarterly (2025). https://doi.org/10.1093/poq/nfaf045.

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