Fayetteville, Arkansas – Soziale Medien können entgegen mancher Befürchtungen Ängste bei jungen Erwachsenen reduzieren, wenn sie emotionale Unterstützung bieten. Das zeigt eine neue US-Studie der University of Arkansas, die in Psychiatry International veröffentlicht wurde.
Die Untersuchung mit über 2.400 Teilnehmern im Alter von 18 bis 30 Jahren ergab: Junge Erwachsene, die in sozialen Netzwerken emotionale Unterstützung wahrnehmen – etwa durch Likes, positive Kommentare oder empathische Nachrichten –, berichten signifikant seltener über Angstsymptome. Besonders stark profitieren Personen mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen des Big-Five-Modells:
- Hohe Offenheit für Erfahrungen
- Hohe Extraversion
- Hohe Verträglichkeit
- Niedrige Gewissenhaftigkeit
Diese Gruppe nahm die Unterstützung in sozialen Medien besonders positiv wahr und zeigte die stärkste Abnahme von Angstsymptomen. Frauen berichteten insgesamt häufiger über eine angstlindernde Wirkung als Männer.
Die Angst wurde mit der validierten PROMIS-Skala (Patient Reported Outcome Measurement Information System) gemessen, die emotionale Unterstützung über Selbstauskünfte zu Plattformen wie Instagram, TikTok, Snapchat oder Facebook.
„Die Ergebnisse haben wichtige gesellschaftliche Implikationen“, betont Studienautorin Renae Merrill. „Angst ist weltweit eine der häufigsten Ursachen für Behinderung und Sterblichkeit. Etwa ein Drittel der US-Erwachsenen erkrankt irgendwann an einer Angststörung, das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 17 Jahren.“
Angst erhöht zudem das Risiko für Depressionen, Schlafstörungen, Stress-bedingte Entzündungen, Migräne, geringes Selbstwertgefühl und schlechtere Leistung in Schule und Beruf.
Die Studie kann keine Kausalität beweisen – es bleibt offen, ob emotionale Unterstützung die Angst senkt oder ob weniger ängstliche Menschen Unterstützung stärker wahrnehmen. Dennoch sprechen die linearen Zusammenhänge und die Geschlechtsunterschiede für einen positiven Effekt.
„Menschen gedeihen, wenn sie sich wertgeschätzt, unterstützt und Teil einer Gruppe fühlen“, so Merrill. „Emotionale Achtsamkeit – sowohl offline als auch online – ist entscheidend. Dazu gehört, wirklich zu verstehen, was andere durchmachen, und positive, sinnvolle Unterstützung zu geben.“
Die Ergebnisse unterstreichen: Soziale Medien sind nicht per se schädlich – ihre Wirkung hängt stark von der Qualität der Interaktionen und den Persönlichkeitsmerkmalen der Nutzer ab. Die Studie wurde vom Fine Foundation gefördert.
