Die deutsche Zuckerindustrie ist geprägt von wenigen großen Playern: Südzucker AG als größter Produzent (börsennotiert), Nordzucker AG (nicht börsennotiert) und Pfeifer & Langen GmbH & Co. KG (privat geführt).
Diese Unternehmen decken nahezu den gesamten Markt ab, mit einem Umsatz von rund 3,8 Milliarden Euro im Jahr 2025. Die Branche steht unter Druck durch sinkende Preise, Überschussproduktion in der EU und steigende Kosten für Energie und Rohstoffe. Nordzucker meldete für 2025/2026 einen operativen Verlust im hohen zweistelligen Millionenbereich, während Südzucker den Umsatz auf 8,3 bis 8,7 Milliarden Euro und das EBITDA auf 470 bis 570 Millionen Euro schätzt – eine deutliche Abwärtskorrektur.
Diese Analyse beleuchtet BlackRocks Investments in diesem Sektor im Kontext der aktuellen Debatte um eine Zuckersteuer (Limo-Abgabe) auf dem CDU-Bundesparteitag am 20./21. Februar 2026 in Stuttgart. Der Antrag des CDU-Landesverbands Schleswig-Holstein fordert eine Herstellerabgabe auf stark zuckerhaltige Getränke, um Adipositas und Diabetes zu bekämpfen. Über 40 Organisationen (z. B. Medizinerverbände, Verbraucherschützer) unterstützen dies und prognostizieren Einsparungen von 16 Milliarden Euro durch weniger Erkrankungen. Die CDU-Antragskommission rät jedoch gegen den Antrag, was auf Skepsis in der Parteiführung hinweist. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich nicht explizit zur Zuckersteuer geäußert, betont aber in Reden und Schreiben die Notwendigkeit, Steuerbelastungen für Unternehmen zu senken, um die Wirtschaft anzukurbeln. Dies korreliert mit seiner früheren Rolle bei BlackRock, könnte aber rein zufällig sein – eine Kausalität ist nicht nachweisbar.
Friedrich Merz und seine Verbindung zu BlackRock
Friedrich Merz war von 2016 bis 2020 Vorsitzender des Aufsichtsrats von BlackRock Asset Management Deutschland AG. In dieser Zeit baute er Kontakte zu Politik und Wirtschaft auf und trug zur Expansion von BlackRock in Deutschland bei. Nach seinem Ausstieg kehrte er in die Politik zurück, wurde 2022 CDU-Vorsitzender und 2025 Bundeskanzler. Kritiker sehen in seiner Vergangenheit einen Konflikt, da BlackRock als weltgrößter Vermögensverwalter (über 14 Billionen US-Dollar Assets under Management im Jahr 2026) in vielen Branchen investiert, die von Regulierungen betroffen sein könnten. Merz betont jedoch, dass seine Zeit bei BlackRock wertvolle Einblicke in die globale Wirtschaft gab, ohne Einfluss auf aktuelle Entscheidungen. In seiner Bundestagsrede zum Haushalt 2026 plädierte er für Steuersenkungen und Abschreibungen für Unternehmen, um Wachstum zu fördern – eine Haltung, die eine neue Abgabe wie die Zuckersteuer unwahrscheinlich macht.
Konkrete Investments von BlackRock in der deutschen Zuckerindustrie
BlackRock investiert primär über Fonds und ETFs in börsennotierte Unternehmen. Basierend auf verfügbaren Daten (Stand Januar 2026) sind die Holdings in der deutschen Zuckerindustrie begrenzt:
- Südzucker AG: BlackRock Fund Advisors hält 1,02 Millionen Aktien, was 0,50 % des Aktienkapitals entspricht (Stand 8. Januar 2026). Die Gesamtstruktur: Süddeutsche Zuckerrübenverwertungs-Genossenschaft eG (SZVG) 64,76 %, Zucker Invest GmbH (österreichische Anteilseigner) 10,25 %, Free Float 24,99 %. BlackRocks Anteil ist also marginal und Teil breiterer Portfolios.
- Nordzucker AG: Keine öffentlichen Holdings, da das Unternehmen nicht börsennotiert ist. Nordzucker ist eine Genossenschaft mit Fokus auf europäische und australische Märkte; Investments wären über private Kanäle möglich, aber nicht dokumentiert.
- Pfeifer & Langen GmbH & Co. KG: Als Privatunternehmen keine öffentlichen Shareholder-Daten. BlackRock investiert typischerweise nicht direkt in nicht börsennotierte Firmen dieser Größe.
Zusätzlich hält BlackRock Anteile an verwandten Unternehmen in der Lebensmittel- und Getränkebranche, die von der Zuckerindustrie abhängen (z. B. über 50 Millionen Aktien an McDonald’s, Stand 2025). Globale Agrochemie-Firmen wie BASF (BlackRock-Anteil: ca. 8 % vor 2017-Mergers) profitieren indirekt von Zuckerproduktion. Insgesamt verwaltet BlackRock 2026 über 700 Milliarden US-Dollar in privaten Märkten, inklusive Infrastruktur und Rohstoffe, aber spezifische Zuckerinvestments in Deutschland bleiben klein (unter 1 % in relevanten Firmen).
Korrelation zur Ablehnung der Zuckersteuer
Eine Zuckersteuer würde die Nachfrage nach Zucker senken und damit die Industrie belasten – ähnlich wie in Großbritannien, wo der Verbrauch um 10 % sank. BlackRocks (kleine) Holdings in Südzucker und verwandten Firmen könnten theoretisch leiden. Merz‘ Ablehnungshaltung (implizit durch CDU-Position) korreliert mit seiner BlackRock-Vergangenheit: Als Ex-Vorstand könnte er Brancheninteressen priorisieren, die BlackRock nutzen. Allerdings fehlt jeglicher Beweis für Kausalität – Merz argumentiert wirtschaftlich (z. B. „keine höheren Steuern für Unternehmen“), und die CDU-Skepsis basiert auf breiterer Parteilinie (z. B. „greift zu kurz bei Ursachen von Adipositas“). Externe Faktoren wie EU-Überschuss und Inflation spielen eine größere Rolle. Korrelation ja, aber keine nachweisbare Beeinflussung.
Fazit
BlackRocks Engagement in der deutschen Zuckerindustrie ist minimal und indirekt, mit Fokus auf börsennotierte Anteile wie bei Südzucker (0,5 %). Im Kontext des CDU-Parteitags könnte Merz‘ BlackRock-Hintergrund eine Korrelation zur Ablehnung der Zuckersteuer andeuten, doch dies bleibt spekulativ ohne Beweise für Kausalität. Die Debatte unterstreicht breitere Spannungen zwischen Gesundheitspolitik und Wirtschaftsinteressen.
Verifizierte Quellenliste
- Nordzucker: Jahresbericht und Kampagne 2025/2026: https://www.nordzucker.com/en/news/nordzucker-successful-2025-2026-campaign-market-under-pressure
- Südzucker: Prognose 2025/26 und 2026/27: https://www.suedzuckergroup.com/en/press/sudzucker-first-forecast-financial-year-202627
- Zuckerindustrie-Analyse: https://www.ibisworld.com/germany/industry/sugar-production/1419
- BlackRock Holdings in Südzucker: https://markets.ft.com/data/equities/tearsheet/profile?s=SZUX%3AGER
- Südzucker Shareholder-Struktur: https://www.suedzuckergroup.com/en/investor-relations/share
- Merz BlackRock-Hintergrund: https://www.dw.com/en/german-election-2025-cdu-friedrich-merz-angela-merkel-chancellor-business-v3/a-70845544
- CDU-Parteitag und Zuckersteuer-Antrag: https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/softdrink-steuer-cdu-100.html
- Organisationen-Appell zur Limo-Abgabe: https://www.ddg.info/presse/2026/mehr-als-40-organisationen-fordern-vor-cdu-parteitag-kindergesundheit-schuetzen-limo-abgabe-einfuehren
- Merz Wirtschaftspolitik: https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-01-06/merz-says-parts-of-german-economy-in-very-critical-condition
