Der Weltfrieden hat sich im vergangenen Jahr weiter verschlechtert. Dies geht aus dem Global Peace Index (GPI) 2026 hervor, den das Institute for Economics & Peace (IEP) am Dienstag veröffentlichte. 99 Länder wurden weniger friedlich – die höchste Zahl seit Beginn der Erhebung vor 20 Jahren.
Insgesamt sind 119 der 163 erfassten Staaten und Territorien heute weniger friedlich als bei der ersten Veröffentlichung des Index im Jahr 2007. Die Zahl der Länder in externen Konflikten ist seit 2008 von 59 auf 103 gestiegen. Die globale wirtschaftliche Belastung durch Gewalt stieg 2025 um 3,2 Prozent auf 21,81 Billionen US-Dollar – das entspricht 10,5 Prozent des Weltbruttoinlandsprodukts.
Die Studie macht eine tiefgreifende geopolitische Verschiebung – die sogenannte „Great Fragmentation“ – für den Rückgang verantwortlich. Aufstrebende Mittelmächte füllten das Vakuum schwindender traditioneller Großmächte, insbesondere europäischer Staaten. Gleichzeitig verändere eine rasante technologische Entwicklung der Kriegsführung die Konflikte grundlegend. Drohnenangriffe haben zwischen 2018 und 2025 um mehr als 11.500 Prozent zugenommen. Autonome Systeme ermöglichten lebensentscheidende Einsätze in Sekundenschnelle, während internationale Regelungen fehlten.
Die Zahl aktiver staatlicher Konflikte erreichte mit 61 den höchsten Stand seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Todesopfer in Konflikten lagen 2025 bei über 181.000 – ein Sechsfaches im Vergleich zu 2008. Die globale Militärausgaben erreichten mit 2,9 Billionen US-Dollar einen Rekordwert.
Island bleibt zum 19. Mal in Folge das friedlichste Land, gefolgt von Neuseeland, der Schweiz, Slowenien und Irland. Erstmals rangiert Russland auf dem letzten Platz, gefolgt von Sudan, der Demokratischen Republik Kongo, der Ukraine und Israel. Die stärkste regionale Verschlechterung verzeichnete Südasien. Die USA rutschten auf Platz 134 ab – ihr schlechtester Wert seit Bestehen des Index.
Das IEP warnt vor einer zunehmenden Vernetzung von Konflikten und selbstfinanzierenden illegalen Ökonomien. Erfolgreiche Diplomatie zur Verhinderung einer Wiederaufnahme des Krieges im Iran könnte der Weltwirtschaft nach Schätzungen rund 2,2 Billionen US-Dollar ersparen.
Der Global Peace Index misst den Zustand des Friedens anhand von Indikatoren zu gesellschaftlicher Sicherheit, inneren und äußeren Konflikten sowie Militarisierung. Er umfasst 99,7 Prozent der Weltbevölkerung. Der vollständige Bericht ist auf visionofhumanity.org und economicsandpeace.org verfügbar.
