Die humanitäre Organisation Ärzte der Welt hat die geplanten Reformen der gesetzlichen Krankenversicherung scharf kritisiert. Sie träfen vor allem einkommensschwache und kranke Menschen und führten zu erheblichen Belastungen für die Betroffenen.
„Die vorgesehenen Maßnahmen haben gravierende Folgen für unsere Patientinnen und Patienten“, erklärte Katri Bertram, Direktorin von Ärzte der Welt Deutschland. Aus den Praxen der Organisation sei bekannt, welche Auswirkungen es habe, wenn armutsbetroffene Familien die Krankenversicherung eines Elternteils oder Zuzahlungen für Medikamente und Zahnersatz nicht mehr leisten könnten. Dies führe zu verschleppten Erkrankungen, die chronifizierten und schließlich teure Notfälle verursachten.
Die Organisation bemängelt zudem, dass das Reformpaket am dualen Versicherungssystem festhalte. Dieses schaffe Ungerechtigkeiten in der Versorgung und schwäche die Solidargemeinschaft. In den offenen Praxen von Ärzte der Welt kämen regelmäßig Menschen, die sich im Alter die Beiträge für die private Versicherung nicht mehr leisten könnten und wichtige medizinische Leistungen nicht mehr in Anspruch nähmen. Ein Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenkasse sei ab dem 55. Lebensjahr nicht mehr möglich.
Ärzte der Welt fordert daher die Beibehaltung der kostenlosen Familienmitversicherung, keine höheren Zuzahlungen zu Medikamenten, Krankenhausaufenthalten und Zahnersatz, die Abschaffung des dualen Systems sowie eine einheitliche Versicherung, in die alle nach ihren Möglichkeiten einzahlen.
Die Organisation betreibt in mehreren deutschen Städten Praxen und Behandlungsbusse für Menschen ohne Krankenversicherung oder mit anderen Zugangsbarrieren zum regulären Gesundheitssystem.
