Laut dem aktuellen Bericht des Ludwig Institute for Shared Economic Prosperity (LISEP) bleibt der US-Arbeitsmarkt trotz einer leichten Verbesserung der funktionalen Arbeitslosigkeit im August schwach. Die sogenannte True Rate of Unemployment (TRU), die neben Arbeitslosen auch Personen berücksichtigt, die keinen Vollzeitjob finden oder nur Niedriglohnjobs unterhalb der Armutsgrenze ausüben, liegt seit sieben Monaten in Folge über 24 %. Im August sank die TRU leicht um 0,3 Prozentpunkte auf 24,7 %, während die offizielle Arbeitslosenquote des Bureau of Labor Statistics (BLS) um 0,1 Prozentpunkte auf 4,3 % stieg.
Besonders alarmierend ist die Situation für Arbeitnehmer im erwerbsfähigen Alter (25–54 Jahre), deren TRU im August um 0,6 Prozentpunkte auf 18,5 % anstieg. Langfristige Trends deuten auf eine Verschlechterung der Arbeitsmarktlage hin, insbesondere für einkommensschwache und mittelständische Amerikaner. „Die kurzfristige Verbesserung der funktionalen Arbeitslosigkeit ist erfreulich, doch die längerfristigen Trends zeigen einen schwächelnden Arbeitsmarkt und wachsende Herausforderungen für einkommensschwache Haushalte“, erklärte LISEP-Vorsitzender Gene Ludwig.
Unterschiede nach Bevölkerungsgruppen
Im August verbesserten sich die TRU-Werte für einige demografische Gruppen. Bei hispanischen Arbeitnehmern sank die Rate um 1,5 Prozentpunkte auf 27,9 %, bei schwarzen Arbeitnehmern um 1,3 Prozentpunkte auf 27,8 %. Dennoch zeigt der Dreimonatsschnitt für schwarze Arbeitnehmer (Juni bis August) mit 28,4 % den höchsten Wert seit 2021 – ein Anstieg gegenüber 26,8 % im ersten Quartal 2025. Die BLS-Daten untermauern diesen Trend mit einer Arbeitslosenquote von 7,5 % für schwarze Arbeitnehmer im August, verglichen mit 6 % im Mai.
Für weiße Arbeitnehmer stieg die TRU um 0,5 Prozentpunkte auf 23,3 %. Geschlechtsspezifisch verbesserte sich die Rate für Männer um 1,4 Prozentpunkte auf 19,5 %, während sie für Frauen um 0,7 Prozentpunkte auf 30,4 % stieg, wodurch sich die geschlechtsspezifische Kluft auf 9,9 Prozentpunkte im Dreimonatsschnitt vergrößerte.
Systemische Herausforderungen
„Die hohe funktionale Arbeitslosigkeit unter einkommensschwachen und mittelständischen Arbeitnehmern ist nicht nur ein kurzfristiges Problem, sondern ein langfristiges, systemisches Versagen“, betonte Ludwig. „Seit Jahrzehnten bleiben robuste wirtschaftliche Chancen für diese Gruppen oft unerreichbar, und unsere aktuellen TRU-Daten verdeutlichen diesen anhaltenden Kampf.“
Datenrevision und Methodik
LISEP hat die saisonbereinigten TRU-Daten ab 2023 auf Basis der im März 2025 veröffentlichten ASEC-Mikrodaten (Annual Social and Economic Supplement) revidiert. Diese Revisionen führten zu einer Erhöhung der TRU um 0,2 Prozentpunkte (nicht saisonbereinigt) und um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte für alle Erwerbstätigen (saisonbereinigt). Die aktualisierten Daten sind auf der LISEP-Website (https://www.lisep.org/tru) verfügbar.
Die TRU wurde im Oktober 2020 als neues Maß für die funktionale Arbeitslosigkeit eingeführt. Sie berücksichtigt neben der klassischen Arbeitslosigkeit auch Personen, die keinen Vollzeitjob finden oder in Jobs mit Löhnen unterhalb der Armutsgrenze arbeiten. Die Methodik ist in einem Whitepaper auf der LISEP-Website einsehbar.
Über das Ludwig Institute for Shared Economic Prosperity
Das 2019 von Gene Ludwig und Dr. Carol Ludwig gegründete LISEP setzt sich für die Verbesserung des wirtschaftlichen Wohlergehens einkommensschwacher und mittelständischer Amerikaner ein. Durch neue Indikatoren für Arbeitslosigkeit, Einkommen und Lebenshaltungskosten bietet LISEP eine transparentere Sicht auf die wirtschaftliche Lage, insbesondere im Vergleich zu oft irreführenden offiziellen Statistiken.
