Auto-Krise trifft Ostdeutschland hart: Thüringer Zulieferer ae group vor dem Aus

Durch | 26. August 2025

Die Krise der deutschen Automobilindustrie hat den ostdeutschen Autozulieferer ae group aus Gerstungen (Thüringen) an den Rand des Abgrunds gebracht. Nach einer erfolglosen Suche nach Investoren droht die Schließung des Unternehmens, wodurch rund 1.100 Arbeitsplätze in Gerstungen, Nentershausen (Hessen) und Strzelce Kraje?skie (Polen) gefährdet sind. Die Insolvenzverwalterin Romy Metzger erklärte gegenüber der Thüringer Allgemeinen, dass die Aussichten düster seien und ein Sozialplan sowie eine Transfergesellschaft vorbereitet würden, um die Folgen für die Beschäftigten abzufedern.

Die ae group, ein langjähriger Arbeitgeber in der Region, produziert Aluminium-Druckgussteile für Karosserien, Motoren und Getriebe, die in nahezu jedem Fahrzeug unverzichtbar sind. Bereits im Februar 2024 meldete das Unternehmen Insolvenz in Eigenverwaltung an, nachdem die Münchener Alutech Holding es übernommen hatte. Trotz intensiver Bemühungen, bei denen weltweit 146 Unternehmen kontaktiert wurden, fand sich kein Investor. Ein Übernahmeangebot aus Aachen scheiterte am Veto des Hauptkunden ZF Friedrichshafen, der es für nicht tragfähig hielt. Als Gründe für die Krise werden hohe Energiekosten, überbordende Bürokratie und die schwache Nachfrage der Automobilindustrie genannt, die von Gewinneinbrüchen bei Herstellern wie VW, BMW und Mercedes betroffen ist.

Die drohende Schließung löst in Gerstungen große Verunsicherung aus. Bürgermeister Daniel Steffan (CDU) warnte vor einem „sozialen Kahlschlag“, da 600 Arbeitsplätze allein am Standort Gerstungen betroffen wären. Die ae group galt über Jahrzehnte als verlässlicher Arbeitgeber für Familien, junge Fachkräfte und Auszubildende. Die Gemeinde plant Maßnahmen wie Qualifizierungsprogramme und die Ansiedlung neuer Unternehmen, um die wirtschaftlichen und sozialen Folgen abzumildern. Steffan forderte zudem von der Landes- und Bundesregierung mehr Unterstützung, um die strukturellen Herausforderungen der Zuliefererbranche anzugehen.

Die Krise der ae group ist kein Einzelfall. In Thüringen hängen etwa 80.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt von der Automobilindustrie ab, die mit einem Jahresumsatz von über neun Milliarden Euro einen zentralen Wirtschaftsfaktor darstellt. Andere Zulieferer wie Mubea in Weißensee oder NIDEC GPM planen ebenfalls Stellenabbau, während der VW-Konzern Einsparungen ankündigt, die die gesamte Lieferkette belasten. Die ae group, die mit klimaneutraler Produktion und recyceltem Aluminium warb, konnte trotz ihres innovativen Ansatzes den wirtschaftlichen Druck nicht standhalten.

Experten warnen, dass die Schließung der ae group weitreichende Folgen für Westthüringen haben könnte. Die Gemeinde Gerstungen und regionale Akteure setzen auf kurzfristige Hilfsmaßnahmen, doch die Hoffnung auf eine Rettung schwindet. Die Automobilindustrie steht vor einem tiefgreifenden Strukturwandel, der Ostdeutschland besonders hart trifft.

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

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