Brandanschlag in Berlin: Stromausfall könnte bis Mittwoch andauern

Durch | 9. September 2025

Ein Brandanschlag auf zwei Hochspannungsmasten hat am Dienstagmorgen einen massiven Stromausfall im Südosten Berlins ausgelöst, der rund 50.000 Haushalte und Gewerbebetriebe in den Stadtteilen Niederschöneweide, Köpenick, Grünau, Johannisthal, Adlershof, Bohnsdorf und Altglienicke betroffen hat. Die Polizei geht von einem politisch motivierten Anschlag aus, und ein angebliches Bekennerschreiben, das am Nachmittag im Internet veröffentlicht wurde, wird derzeit geprüft. Die Reparaturarbeiten könnten bis Mittwoch andauern, teilte Stromnetz Berlin mit.

Das Feuer an den Strommasten am Königsheideweg in Johannisthal wurde gegen 3:30 Uhr entdeckt. Die Täter setzten vermutlich Brandbeschleuniger wie Benzin ein, wodurch Starkstromleitungen schwer beschädigt wurden. Die Feuerwehr benötigte etwa eine Stunde, um den Brand zu löschen. Nach Angaben von Stromnetz Berlin-Geschäftsführer Erik Landeck können die Reparaturen erst nach Abschluss der polizeilichen Spurensicherung beginnen. Bis Dienstagnachmittag waren etwa 15.000 der betroffenen Kunden durch Umschaltung auf andere Leitungen wieder versorgt, doch für die restlichen Haushalte und Betriebe bleibt die Dauer der Einschränkungen unklar.

Ein angebliches Bekennerschreiben, das am Nachmittag im Internet auftauchte, bezeichnet den Stromausfall als „Angriff auf den militärisch-industriellen Komplex im Technologiepark Adlershof“, mit dem Ziel, „sensible Supermaschinen und Ablaufprozesse massiv zu beeinträchtigen“. Die Echtheit des Schreibens ist noch unklar, und die Polizei prüft dessen Inhalt. Der Staatsschutz des Landeskriminalamts hat die Ermittlungen übernommen, da die Wahl der Strommasten und das Vorgehen der Täter auf eine politische Motivation hinweisen. Über die Herkunft der Täter gibt es noch keine konkreten Hinweise.

Der Stromausfall führte zu erheblichen Beeinträchtigungen. Notrufnummern 110 und 112 waren in Teilen von Treptow-Köpenick über Mobilfunknetze nicht erreichbar, weshalb die Polizei mobile Anlaufstellen einrichtete und die Bevölkerung aufforderte, sich direkt an nahegelegene Polizeiwachen zu wenden. Auch Schulen, Kitas, sieben Pflegeheime und mehrere Feuerwachen waren betroffen. In einem Pflegeheim in der Semmelweisstraße wurden mehrere Patienten mit Beatmungsgeräten in Krankenhäuser verlegt. Der öffentliche Nahverkehr war stark eingeschränkt: S-Bahn-Linien S45, S46, S47, S8, S85 und S9 waren zeitweise außer Betrieb, die Tramlinie 63 blieb bis zum Nachmittag unterbrochen, während die Linien M17 und 68 wieder fuhren.

Die Polizei war an Kreuzungen präsent, um den Verkehr bei ausgefallenen Ampeln zu regeln, und berichtete von einer insgesamt ruhigen Lage ohne größere Zwischenfälle. Der Vorfall erinnert an einen Stromausfall in Köpenick 2019, der über 30.000 Haushalte betraf und rund 30 Stunden andauerte. Damals war ein Kabel bei Bauarbeiten beschädigt worden. Die aktuelle Dimension des Ausfalls sei jedoch eine Ausnahme, betonte ein Sprecher von Stromnetz Berlin. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) widmet dem Vorfall am Dienstagabend um 20:15 Uhr ein TV-Spezial „Blackout in Berlin: Anschlag aufs Stromnetz“, um über die Hintergründe und Folgen zu berichten.

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Autor: LabNews Media LLC

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