Britische Wahlhelfer erkennen gefälschte Ausweise nur unzuverlässig: Studie zeigt hohe Fehlerrate bei Pflicht-ID

Durch | 3. Februar 2026

York – Die Einführung der Ausweispflicht bei der britischen Unterhauswahl 2024 hat die erhoffte Sicherheit gegen Wahlbetrug nicht gebracht. Das zeigt eine neue Studie der University of York, die in Royal Society Open Science veröffentlicht wurde.

Wahlhelfer (polling clerks), die im Sommer 2024 an den Wahllokalen eingesetzt waren, machten in 36 Prozent der Fälle Fehler, wenn sie mit echten Ausweisdokumenten getestet wurden. Selbst bei einem einfachen Vergleich von hochauflösenden Fotos, die nur Sekunden auseinander aufgenommen wurden, lag die Fehlerrate bei 16 Prozent. Die Helfer nahmen entweder falsche Übereinstimmungen an oder lehnten korrekte ab.

Die Forscher um Prof. Mike Burton vom Department of Psychology testeten die Wahlhelfer mit dem etablierten Kent Face Matching Test, der reale Ausweisfotos verwendet. Die Ergebnisse entsprechen jahrzehntelanger Forschung zur menschlichen Gesichtserkennung: Menschen sind bei unbekannten Gesichtern grundsätzlich schlecht – unabhängig von Motivation oder Beruf.

„Die Ergebnisse sind nicht überraschend“, erklärt Burton. „Wir kennen das seit Langem von Passbeamten, Polizisten und anderen Berufsgruppen: Die Fehlerraten beim Abgleich unbekannter Gesichter sind hoch.“ Im Vergleich schnitten Studierende, die nicht an der Wahl beteiligt waren, fast genauso schlecht ab. Besonders auffällig war ein deutlicher Leistungsabfall bei älteren Helfern.

Die Öffentlichkeit überschätze ihre Fähigkeiten, weil sie bei bekannten Gesichtern (Familie, Freunde) extrem gut sei, so Burton. Bei Fremden scheitere diese Kompetenz jedoch systematisch – ein blinder Fleck, der die Politik in die Irre führe.

Die Studie hat weitreichende Konsequenzen für die Sicherheitspolitik. Während einzelne Helfer 100 Prozent Genauigkeit erreichten, lagen andere nahe dem Zufallsniveau. Frühere Untersuchungen zeigten zudem, dass Training zum Gesichtsabgleich kaum Wirkung entfaltet.

„Trotz hoher Motivation und Professionalität der Wahlhelfer bleibt der Abgleich unbekannter Gesichter ein grundlegend unzuverlässiges Mittel zur Identitätsfeststellung an der Wahlurne“, fasst Burton zusammen.

Die Ausweispflicht war 2024 erstmals bei einer britischen Parlamentswahl vorgeschrieben. Die Debatte konzentrierte sich vor allem auf mögliche Auswirkungen auf die Wahlbeteiligung. Die tatsächliche Wirksamkeit der menschlichen Kontrollen wurde kaum hinterfragt. Die Ergebnisse legen nahe, dass die Maßnahme allein durch menschliche Prüfung keine signifikante Barriere gegen Wahlbetrug darstellt.

Journal

Royal Society Open Science

DOI

10.1098/rsos.251989 

Autoren-Avatar
LabNews Media LLC
LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände