Chinas Kreditpolitik setzt Entwicklungsländer unter Druck durch hohe Sicherheiten

Durch | 26. Juni 2025

Kiel, 26. Juni 2025 – Chinas Staatsbanken sichern ihre Kredite an Schwellen- und Entwicklungsländer mit ungewöhnlich hohen liquiden Sicherheiten ab, die oft aus Rohstofferlösen gespeist werden, wie eine neue Studie des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW) zeigt. Die Analyse, basierend auf dem Datensatz „How China Collateralizes“, dokumentiert 620 Kredittransaktionen mit einem Gesamtwert von 418 Milliarden US-Dollar und deckt auf, wie Peking direkten Zugriff auf Bargeldkonten erhält, die sich weitgehend der Kontrolle der Schuldnerländer und internationaler Institutionen entziehen. Dies untergrabe internationale Schuldenregeln und erschwere die Lösung von Schuldenkrisen, warnen die Forschenden.

Die Studie, veröffentlicht unter dem Titel „How China Collateralizes“, untersuchte Kreditverträge mit 158 Kreditnehmern in 57 Ländern. Fast die Hälfte des chinesischen Kreditportfolios sei mit Sicherheiten abgesichert, die über staatliche Garantien hinausgingen, erläuterten die Wissenschaftler. In 84 Prozent der Fälle handele es sich um Sperrkonten in China, auf die in 83 Prozent der Fälle Erlöse aus den wichtigsten Exportgütern der Schuldnerländer flössen. Besonders häufig stammten diese Einnahmen aus dem Ölgeschäft, wie bei Russland, Brasilien oder Venezuela, aber auch aus Kakaoexporten Ghanas oder Getreideverkäufen Äthiopiens. „Wir waren überrascht, wie weitreichend und systematisch sich chinesische Gläubiger über liquide Sicherheiten absichern“, betont Christoph Trebesch, Forschungsdirektor am IfW und Co-Autor der Studie.

Kreditnehmer verpflichteten sich oft, ihre Exporteinnahmen über chinesische Konten zu leiten, bis die Schulden beglichen seien, wodurch sich über Jahre hinweg milliardenschwere Summen auf Offshore-Konten ansammelten, hieß es. Im Gegensatz dazu würden illiquide Sicherheiten wie Infrastrukturprojekte (6 Prozent), Immobilien (5 Prozent) oder Anlagen (3 Prozent) nur selten genutzt, entgegen der weitverbreiteten Annahme, dass China Häfen oder Flughäfen als Sicherheiten fordere. Diese Praxis ermögliche Peking den direkten Zugriff auf liquide Mittel ohne juristische Verfahren, was die finanzielle Autonomie der Schuldnerländer erheblich einschränke.

Die mangelnde Transparenz dieser Sicherheiten stelle ein ernsthaftes Problem dar, warnten die Forschenden. Die Sperrkonten entzögen sich der öffentlichen Kontrolle in den Schuldnerländern und der Aufsicht internationaler Finanzinstitutionen, was die Gleichbehandlung von Gläubigern untergrabe. „Internationale Finanzinstitutionen sollten bei der Restrukturierung von Staatsschulden mehr Augenmerk auf durch Sperrkonten abgesicherte Kredite legen – sonst droht ein gefährliches Wettrüsten um Sicherheiten, das Entwicklungsländer weiter schwächt“, fordert Trebesch.

Die Ergebnisse, die in Zusammenarbeit mit Forschenden aus Georgetown und AidData entstanden, markierten die umfassendste Untersuchung der Sicherheiten in Chinas staatlicher Auslandsfinanzierung, betonten die Wissenschaftler. Sie riefen zu einer stärkeren internationalen Kooperation auf, um die Transparenz zu erhöhen und die Risiken für Entwicklungsländer zu mindern, die durch Chinas Kreditpolitik in finanzielle Abhängigkeit geraten könnten.

Original Paper:

How China Collateralizes | Kiel Institut

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Autor: LabNews Media LLC

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