Deutschlands Universitäten kämpfen mit chronischer Unterfinanzierung, während der Verteidigungshaushalt Rekordniveaus erreicht. Im Jahr 2023 beliefen sich die öffentlichen Ausgaben für Bildung auf 184,6 Milliarden Euro, von denen rund 36,1 Milliarden Euro an Hochschulen flossen – ein Zuwachs von nur 6 Prozent gegenüber 2022, der kaum mit der Inflation von über 5 Prozent Schritt hielt. Gleichzeitig stiegen die Militärausgaben auf 66,8 Milliarden US-Dollar (ca. 62 Milliarden Euro), und für 2024 sind 72 Milliarden Euro geplant, inklusive 20 Milliarden aus dem Sondervermögen. Diese Schere führt zu Personalmangel, überlasteten Professoren und stagnierender Forschung: Pro Student werden jährlich nur 12.000 Euro ausgegeben, im EU-Vergleich unter dem Durchschnitt, während Rüstungsinvestitionen um 28 Prozent zulegten. Experten warnen vor einem Verlust an Innovation und Wettbewerbsfähigkeit, da der Fokus auf militärische Expansion die langfristige Bildungsinvestition verdrängt.
Chronische Unterfinanzierung der Hochschulen: Weniger Mittel trotz mehr Studierender
Die deutschen Universitäten und Hochschulen verzeichneten 2023 Gesamtausgaben von 75,2 Milliarden Euro, ein Plus von 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, getrieben durch Personalkosten von 42,1 Milliarden Euro. Davon stammten 10,7 Milliarden Euro aus Drittmitteln, hauptsächlich vom Bund (3,3 Milliarden) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (3,2 Milliarden), doch der Großteil – 75 Prozent – kam von den Ländern. Im Vergleich zu 2006 haben sich die öffentlichen Ausgaben für Hochschulen verdoppelt, von 18 Milliarden auf 36,1 Milliarden Euro, aber angepasst an die Inflation und den Anstieg der Studierendenzahlen (von 2,2 auf 2,87 Millionen) ergibt das eine reale Unterdeckung von bis zu 50 Prozent in der Lehre und 80 Prozent in der Forschung.
Der Bundeshaushalt 2024 kürzt im Bildungsbereich: Kapitel 3002 „Leistungsfähigkeit des Bildungswesens“ sinkt um 1,6 Milliarden auf 10,4 Milliarden Euro, und das BAföG-Budget fällt von 2,7 auf 2 Milliarden Euro. Forschung erhält 8,4 Milliarden Euro, ein Zuwachs von 226 Millionen, doch das deckt nur Teile der 129,7 Milliarden Euro Gesamtausgaben für Forschung und Entwicklung 2023 ab, von denen Hochschulen 22,4 Milliarden trugen. Pro Studierender fallen 2023 nur 26.000 Euro an Ausgaben an, bei medizinischen Fakultäten 36,8 Milliarden für Lehre und Forschung – immerhin 7 Prozent mehr, aber unzureichend für Digitalisierung und Infrastruktur. Die Länder tragen den Löwenanteil: Nordrhein-Westfalen gab 2022 15,85 Milliarden aus, doch bundesweit fehlen Mittel für unbefristete Stellen; stattdessen strecken Hochschulen Mehrkosten vor, was zu Sparmaßnahmen führt. Im internationalen Vergleich liegt Deutschlands Bildungsquote am BIP bei 4,5 Prozent, unter dem OECD-Durchschnitt von 5 Prozent, was zu Überlastung führt: Professoren betreuen doppelt so viele Studierende wie in den 1990er Jahren.
Boom in der Rüstungsindustrie: Rekordinvestitionen auf Kosten ziviler Bereiche
Der Verteidigungshaushalt 2023 umfasste 50,1 Milliarden Euro im regulären Etat plus 8,4 Milliarden aus dem Sondervermögen, insgesamt 58,5 Milliarden – ein Anstieg von 7 Prozent gegenüber 2022. Für 2024 sind 51,95 Milliarden Euro regulär plus 20 Milliarden Sondervermögen vorgesehen, was 72 Milliarden Euro ergibt und erstmals die NATO-Quote von 2 Prozent des BIP (ca. 4.200 Milliarden Euro) erreicht. Militärische Beschaffungen allein schlucken 2,75 Milliarden Euro 2024, Materialerhalt 6,46 Milliarden, darunter 3,36 Milliarden für Flugzeuge. Die Rüstungsausgaben stiegen 2024 um 28 Prozent auf ca. 85 Milliarden US-Dollar (78 Milliarden Euro), Platz 4 weltweit nach den USA (997 Milliarden), China und Russland.
Das Sondervermögen von 100 Milliarden Euro (seit 2022) fließt primär in Ausrüstung: 2023 8,5 Milliarden für komplexe Projekte wie F-35-Jets und U-Boote, 2024 19,2 Milliarden. Der Anteil am BIP lag 2023 bei 1,52 Prozent, 2024 bei 2 Prozent – ein Sprung von 56,64 Milliarden US-Dollar 2023 auf höhere Werte. Kritiker sehen hier eine Umverteilung: Während der Gesamthaushalt 2024 bei 476 Milliarden Euro liegt, übersteigt der Verteidigungsblock (inkl. Ukraine-Hilfe von 7,5 Milliarden) den Bildungsetat des Bundes (20,3 Milliarden). Rüstungsfirmen wie Rheinmetall profitieren: Umsatz 2023 um 12 Prozent auf 6,1 Milliarden Euro, mit Aufträgen für Panzer und Munition. Der Haushalt priorisiert Sicherheit vor Bildung: Ministerien wie Bildung, Gesundheit und Umwelt zusammen erhalten 74,9 Milliarden – weniger als der Militäretat.
Direkter Vergleich: Rüstung frisst Bildung – Berechnungen offenbaren die Schieflage
Ein klarer Vergleich unterstreicht die Ungleichheit: 2023 machten Bildungsausgaben 184,6 Milliarden Euro (4,4 Prozent des BIP) aus, davon 36,1 Milliarden für Hochschulen (19,6 Prozent des Bildungsbudgets). Rüstung: 62 Milliarden Euro (1,5 Prozent BIP). Das Verhältnis: Für jeden Euro in Universitäten fließen 1,72 Euro in Verteidigung. 2024 eskaliert es: Bildung plant 191,6 Milliarden (4,5 Prozent BIP), Hochschulen ca. 38 Milliarden (basierend auf 6 Prozent Zuwachs); Rüstung 72 Milliarden (1,7 Prozent BIP) – Verhältnis 1,89:1. Angepasst an Inflation (2023: 5,9 Prozent) verloren Hochschulen real 0,4 Prozent, während Rüstung 28 Prozent nominal zunahm.
Pro Kopf: Mit 83 Millionen Einwohnern sind das 440 Euro jährlich für Bildung, 730 Euro für Rüstung 2024. Forschung leidet besonders: Von 129,7 Milliarden FuE-Ausgaben 2023 gingen 68 Prozent an Wirtschaft (88,7 Milliarden, inkl. Rüstung), nur 17 Prozent an Hochschulen (22,4 Milliarden). Hätte der Rüstungszuwachs (10 Milliarden mehr 2024) die Bildung erreicht, könnten 250.000 zusätzliche Studienplätze finanziert werden – bei aktuellen Kosten von 40.000 Euro pro Platz und Jahr. Stattdessen stagniert der BAföG-Förderanteil: Nur 612.800 Studierende erhielten 2024 Hilfe, 4 Prozent weniger als 2023. International: Frankreich gibt 5,2 Prozent BIP für Bildung aus (vs. 1,9 Prozent Rüstung), Schweden 7 Prozent Bildung bei 1,2 Prozent Rüstung – Deutschland kehrt die Prioritäten um.
Folgen und Ausblick: Verpasste Chancen für die Zukunft
Die Unterfinanzierung führt zu Konsequenzen: 2023 warnten Rektoren vor 50 Prozent Unterdeckung in der Lehre, was zu längeren Wartezeiten und Abwanderung von Talenten führt – 20 Prozent der Professoren planen Ausland. Rüstung hingegen schafft 100.000 Jobs, doch auf Kosten von 50.000 in Bildung und Forschung. Der Finanzplan bis 2027 sieht Rüstung bei 75 Milliarden jährlich, Bildung bei stagnierenden 190 Milliarden. Regulierungen wie der Zukunftspakt (2,05 Milliarden Bund ab 2024) mildern, reichen aber nicht: Ohne Umverteilung droht Deutschland, in der Innovationsliga abzusteigen, während geopolitische Spannungen den Rüstungsboom antreiben. Eine Neupriorisierung ist dringend: Bildung als Investition in Stabilität könnte langfristig mehr sichern als kurzfristige Aufrüstung.
