Berlin, 10. April 2025 – Die deutsche Wirtschaft bleibt laut dem Frühjahrsgutachten führender Wirtschaftsforschungsinstitute auch 2025 weitgehend auf der Stelle. Für das laufende Jahr wird lediglich ein minimales Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,1 Prozent erwartet, gefolgt von einer moderaten Erholung auf 1,3 Prozent im Jahr 2026. Kurzfristig belasten neue US-Zölle und eine hohe wirtschaftspolitische Unsicherheit die Konjunktur. Langfristig setzen strukturelle Probleme wie Fachkräftemangel, Bürokratie und demografischer Wandel der Wirtschaft zu.
Geopolitische Spannungen und die protektionistische Handelspolitik der USA verschärfen die Lage zusätzlich. Deutsche Unternehmen sehen sich einem intensiveren globalen Wettbewerb ausgesetzt, insbesondere aus China. Neue Zölle auf Aluminium, Stahl und Kfz-Importe dürften das Wirtschaftswachstum in diesem und im kommenden Jahr jeweils leicht bremsen, wobei weiterreichende Zollmaßnahmen die negativen Effekte noch verstärken könnten. Die genauen Auswirkungen bleiben jedoch schwer abschätzbar, da derart starke Zollanhebungen in der globalisierten Wirtschaft ein Novum darstellen.
Die Finanzverfassung wurde angepasst, um zusätzliche Verschuldungsspielräume für Verteidigung, Klimaschutz und Infrastruktur zu schaffen. Allerdings wird in diesem Jahr kaum mit zusätzlichen Ausgaben gerechnet. Für 2026 erwarten die Institute Mehrausgaben von etwa 24 Milliarden Euro, die das Wirtschaftswachstum um rund 0,5 Prozentpunkte ankurbeln könnten. Diese Investitionen kommen jedoch vor allem kleineren, bereits gut ausgelasteten Wirtschaftsbereichen zugute, was die Preise in diesen Sektoren weiter treiben könnte. Gleichzeitig drohen die staatlichen Ausgaben den privaten Konsum und Investitionen zu verdrängen.
Der Arbeitsmarkt zeigt eine deutliche Verschlechterung. Seit Mitte 2022 ist die Zahl der Arbeitslosen um 20 Prozent gestiegen, was mehr als 400.000 Personen entspricht. Die Arbeitslosenquote kletterte von 5,0 auf 6,3 Prozent. Besonders betroffen sind das Verarbeitende Gewerbe, das Baugewerbe und Unternehmensdienstleister, während Beschäftigungszuwächse im öffentlichen Dienst, in der Erziehung und im Gesundheitswesen verzeichnet werden. In den kommenden Monaten wird ein weiterer Anstieg der Arbeitslosigkeit erwartet, eine Besserung zeichnet sich erst für 2026 ab, sofern die Konjunktur sich erholt.

Die Phase sinkender Leitzinsen neigt sich dem Ende zu. In den USA könnten höhere Zölle die Preisstabilität gefährden, während im Euroraum eine expansivere Finanzpolitik die Kapitalmarktzinsen steigen lässt. Der Leitzins von 2,5 Prozent liegt nahe am neutralen Niveau, und eine Lockerung der fiskalischen Regeln könnte die Kapitalmärkte als Kontrollinstanz für die Staatsfinanzen stärken.
Neben der Konjunkturschwäche plagen Deutschland vor allem strukturelle Probleme. Diese lassen sich nicht allein durch höhere Staatsausgaben lösen. Dringend nötig sind Reformen, etwa im Sozialsystem, um es an den demografischen Wandel anzupassen und steigende Lohnnebenkosten zu begrenzen. Ohne solche Maßnahmen bleibt die Wachstumsperspektive der deutschen Wirtschaft eingetrübt.
