Deutschland hat sich nach einer aktuellen Analyse des International Institute for Strategic Studies (IISS) zum bedeutendsten Treiber steigender Militärausgaben in Europa und damit weltweit entwickelt. Die Londoner Denkfabrik stuft die Bundesrepublik als Hauptfaktor für den anhaltenden Rüstungsboom in Europa ein.
Laut dem „Military Balance 2026“ des IISS stiegen die Verteidigungsausgaben in Europa 2025 real um 12,6 Prozent auf fast 563 Milliarden US-Dollar (rund 530 Milliarden Euro). Damit entfielen mehr als 21 Prozent der globalen Militärausgaben auf Europa – ein Anstieg vom 17 Prozent im Jahr 2022. Der weltweite Zuwachs lag hingegen nur bei 2,5 Prozent, die Gesamtausgaben erreichten 2,63 Billionen US-Dollar.
Deutschland verzeichnete 2025 nach IISS-Angaben einen realen Zuwachs von 18 Prozent auf 95 Milliarden Euro (107 Milliarden US-Dollar). Dies folgte auf einen Anstieg um 23 Prozent im Vorjahr. Berlin trug damit nach Institutsangaben ein Viertel des gesamten europäischen Ausgabenwachstums der vergangenen zwei Jahre bei. Bei Umsetzung der geplanten Erhöhung des Wehretats auf 150 Milliarden Euro bis 2029 könnte Deutschland fast sechs Prozent der weltweiten Militärausgaben stellen – bei nur einem Prozent Anteil an der Weltbevölkerung.
Das IISS beobachtet zudem, dass europäische Staaten vermehrt Rüstungsgüter bei heimischen Herstellern ordern, um Abhängigkeiten von US-Konzernen zu verringern. Ausnahmen bleiben hochpreisige Produkte der Luft- und Raumfahrt, etwa US-amerikanische F-35-Kampfjets.
Ökonomen warnen jedoch, dass der massive Rüstungsausbau die Wirtschaft belastet. Stattdessen wären nach Expertenmeinung hohe Investitionen in Bildung erforderlich, die derzeit jedoch stark unterfinanziert bleiben. Ein echter wirtschaftlicher Boom durch Rüstungsausgaben werde daher voraussichtlich ausbleiben.
(Quelle: International Institute for Strategic Studies, „The Military Balance 2026“ und zugehörige Analysen, veröffentlicht am 24. Februar 2026)
