Wie Europa und China um die Batterie der Zukunft ringen und die USA plötzlich zwischen allen Stühlen sitzen.
Um 14:00 Uhr MEZ wird am 23. Februar 2023 ein Video die Batteriewelt in zwei Hälften teilen: die Zeit vor und die Zeit nach der Validierung der „Donut Battery“ durch das VTT Technical Research Centre of Finland . Sollten die erwarteten Daten die außergewöhnlichen Behauptungen des finnischen Start-ups bestätigen – 400 Wh/kg, fünf Minuten Ladezeit, 100.000 Zyklen –, dann verschieben sich nicht nur die Machtverhältnisse zwischen Europa und China. Dann entsteht ein strategisches Vakuum, in das plötzlich ein neuer, unberechenbarer Akteur tritt: die Vereinigten Staaten .
Hinter dem finnischen Überraschungserfolg wird ein deutsches Herzstück vermutet: die CT Coating AG aus Königswinter. Dessen hochspezialisierte Siebdruck- und Beschichtungsverfahren für bipolare Elektroden gelten als der „geheime Booster“ der Donut-Zelle. Europa beweist damit seine Stärke im „intelligenten Stealth-Modus“ – diskrete Innovation aus dem Mittelstand, geschützt durch strenge EU-Investitionskontrollen . China wiederum reagiert nicht mit Panik, sondern mit seiner altbekannten Paradedisziplin: Skalierung zu Kosten, die 50 Prozent unter denen westlicher Produktion liegen .
Doch die eigentliche Sprengkraft dieser Dreierkonstellation entfaltet sich erst auf dem nordamerikanischen Kontinent.
Die neue Weltordnung: Drei Systeme, ein Ziel
Die bevorstehende Veröffentlichung der VTT-Daten zwingt die globale Industrie zu einer Neubewertung. Bislang galt das Narrativ der unaufhaltsamen chinesischen Dominanz. Mit der Donut Battery tritt Europa aus der Defensive. Und die USA? Sie finden sich in einer paradoxen Lage wieder:
- Europa als Erfinder: Das Netzwerk aus Donut Lab, CT Coating und der Universität Ostfinnland beweist, dass disruptive Spitzeninnovation nicht zwingend aus Asien kommen muss. Die Produktion in Finnland (1 GWh heute, 10 GWh 2027) und geplante Standorte in Großbritannien zeigen den Anspruch auf technologische Souveränität .
- China als Produzent: Selbst wenn Donut die Nase vorn hat, bleibt Peking der unangefochtene Meister der Serienfertigung. Die Kostenlücke von bis zu 50 Prozent und Yield-Raten von über 90 Prozent sind eine Mauer, an der jedes westliche Startup zerschellen kann . Chinas Antwort auf den europäischen Vorstoß ist daher nicht Nachahmung, sondern die Vertiefung der Integration: Gemeinsame Werke mit Stellantis in Spanien oder VW in China sichern den Marktzugang – und die Kontrolle über die Lieferkette .
- Die USA als „Walled Garden“: Hier liegt die eigentliche Pointe. Während Europa und China um Technologie und Kosten ringen, haben die USA längst begonnen, ihren Markt zur Festung auszubauen.
Die amerikanische Antwort: Pentagon statt Privatkunde
Die Analyse der Volta Foundation zeigt einen fundamentalen Strategiewechsel in den USA . Nach dem Auslaufen der federalen EV-Steuergutschriften im Juli 2025 ist der Massenmarkt für Elektroauto in den USA für viele Startups vorerst gestorben. Stattdessen fließt das Kapital dorthin, wo Marge und Schutz vor chinesischer Konkurrenz garantiert sind: in den Militär- und Sicherheitssektor.
· Das Drohnen-Programm des Pentagons: Die US-Streitkräfte planen bis 2028 die Beschaffung von 300.000 Drohnen. Dies erfordert bis zu 30 Millionen spezialisierter Zellen – ein Auftragsvolumen, das für Firmen wie Amprius oder SES AI zur neuen Lebensversicherung wird .
· Der Ausschluss Chinas: Ein Gesetz von 2028 verbietet chinesische Batteriekomponenten in der Lieferkette des Pentagons. Dies schafft einen „walled garden“ für US-amerikanische und verbündete Hersteller, die bereit sind, zu militärischen Spezifikationen zu produzieren .
· KI-Rechenzentren als Rettungsanker: Der unstillbare Hunger der Künstlichen Intelligenz nach Energie macht Datenzentren zu einem hochprofitablen Abnehmer für stationäre Speicher. Auch hier zählt primär Leistung und Sicherheit, nicht der niedrigste Preis .
Die Botschaft an Gründer ist in den USA daher eine völlig andere als in Europa: „Fangt nicht mit Elektroautos oder Netzspeichern an“, raten Investoren, „dort werdet ihr sterben.“ Stattdessen sollen sie sich auf Nischen konzentrieren, in denen Performance über Commodity-Preisen steht: Verteidigung, Drohnen, Extremtemperaturen, Bergbau .
Die Kehrseite der Medaille
Doch die USA zahlen einen Preis für diese Strategie. Während Europa mit Donut Lab und China mit CATL um die Krone in der automobilen Massenmobilität kämpft, drohen die USA den Anschluss an den zivilen Massenmarkt zu verlieren. Die Internationale Energieagentur (IEA) warnt: Die Produktionskosten in Nordamerika liegen weiterhin bis zu 50 Prozent über denen in China . Ohne den riesigen Hebel des Automarktes wird es für US-Firmen schwer, Economies of Scale zu erreichen, die sie außerhalb des militärisch-industriellen Komplexes wettbewerbsfähig machen.
Hinzu kommt: Selbst die vielgepriesene Unabhängigkeit ist relativ. Viele US-Startups sind bei der Materialbeschaffung oder bei Vorprodukten weiterhin auf asiatische Lieferketten angewiesen. Einige Investoren warnen bereits: „Selbst innovative Player sind riskant, wenn die Endkunden nicht lokal sind. Das fehlende Ökosystem ist das eigentliche Problem“ .
Fazit: Der 23. Februar als dreifacher Weckruf
Die heutige Veröffentlichung der VTT-Daten ist somit mehr als ein Test für Donut Lab. Sie ist ein Stresstest für drei konkurrierende Modelle der Wirtschaftspolitik.
· Gelingt der Nachweis, stehen die Zeichen in Europa auf Sturm: Ein finnisch-deutsches Netzwerk hat das Undenkbare geschafft und den Platzhirschen die Stirn geboten. Der Weg wäre frei für eine echte europäische Batterie-Industrie.
· China wird dies nicht erschüttern, sondern in seiner Haltung bestärken: Es wird die neue Technologie entweder durch Joint Ventures assimilieren oder durch schiere Masse und Kostenführerschaft überholen.
· Die USA hingegen schauen aus einer strategischen Nische zu. Sie haben sich entschieden, nicht um jeden Preis im zivilen Massenmarkt mitzumischen, sondern ihre technologische Basis für den Verteidigungsfall zu wappnen.
Die eigentliche Frage, die der 23. Februar 2026 aufwirft, ist daher eine geopolitische: Entsteht eine bipolare Batterie-Welt aus Europa (Innovation) und China (Produktion) – oder zerfällt sie in drei voneinander abgeschottete Blöcke, in denen Militär, Kommerz und Geopolitik unterschiedliche Regeln diktieren? Die Antwort darauf wird nicht in Helsinki, sondern in Brüssel, Peking und Washington entschieden.
