Donald Trump: Der TACO-Präsident

Durch | 26. Januar 2026

In den Annalen der modernen Politik wird Donald Trump als der 47. Präsident der Vereinigten Staaten in die Geschichte eingehen – und zugleich als der erste, der von Finanzmärkten und Medien mit einem kulinarischen Akronym tituliert wird: TACO. Steht für Trump Always Chickens Out – Trump zieht immer den Schwanz ein. Was 2025 als spitze Beobachtung eines Financial-Times-Kolumnisten begann, hat sich bis Anfang 2026 zu einem festen Meme, einer Handelsstrategie und einem politischen Vorwurf entwickelt. Es ist mehr als ein Spitzname. Es ist eine Diagnose: Der Mann, der sich als unerbittlicher Dealmaker inszeniert, agiert in Wahrheit als Meister des Rückzugs – getrieben von Marktreaktionen, innenpolitischem Druck und der eigenen Eitelkeit.

Der Begriff entstand im Mai 2025, nach dem sogenannten „Liberation Day“: Trump kündigte pauschale Zölle von 10 Prozent auf alle Handelspartner an, ergänzt um länderspezifische Strafzölle gegen China, die EU und andere. Die Märkte brachen ein – der S&P 500 verlor binnen Tagen Billionen an Wert. Doch nur Wochen später milderte oder verschob die Administration die Maßnahmen, oft kurz vor Inkrafttreten. Robert Armstrong von der Financial Times prägte damals die Formel: Die US-Regierung habe „keine hohe Toleranz für Marktdruck und ziehe sich schnell zurück, wenn Zölle Schmerzen verursachen“. TACO war geboren – und mit ihm der „TACO-Trade“: Investoren kauften bei jedem Dip, weil sie wussten, dass Trump blinzeln würde.

Dieses Muster wiederholte sich 2025 mehrfach: Drohungen gegen Mexiko, China, die EU; Ankündigungen von 50-Prozent-Zöllen; dann Rückzieher, „Verhandlungen“ oder „Deals“, die oft nur die Status-quo-Zölle zementierten. Wall Street lernte schnell: Jeder „Trump-Tweet“ oder jede Truth-Social-Botschaft war ein Kauf-Signal – solange man den Dip abwartete. Die Strategie funktionierte so zuverlässig, dass sie 2025 zu einer der profitabelsten Trades des Jahres avancierte.

Der ultimative TACO-Moment kam jedoch Anfang 2026 – und er trug den Namen Greenland. Trump erneuerte seine seit 2019 schwelende Obsession: Die USA müssten die dänische Autonomie-Insel „kaufen“ oder „annektieren“, aus Gründen der nationalen Sicherheit, wegen seltener Erden und strategischer Lage im arktischen Wettlauf. Als Dänemark und Grönland ablehnten, eskalierte er: Keine militärische Option ausschließen, 10-Prozent-Zölle (später bis 25 %) auf Dänemark, Norwegen, Schweden, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Niederlande und Finnland – solange sie nicht kooperierten. Europa reagierte mit Empörung, einer gemeinsamen Militärpräsenz in Grönland („Operation Arctic Endurance“) und der Androhung von Gegenmaßnahmen. Die Märkte taumelten: VIX-Spitzen, Goldrekorde, Dollar-Schwäche.

Dann, Ende Januar 2026 in Davos: Trump verkündet plötzlich einen „Framework-Deal“ über Greenland – vage „souveräne Taschen“ statt Annexionsdrohung –, hebt die Zolldrohungen auf und feiert einen „großen Sieg“. Die globalen Börsen feierten mit: S&P 500 und europäische Indizes schossen nach oben. Der TACO-Glocke hatte erneut geläutet. Analysten sprachen von einem klassischen Zyklus: Drohung ? Markteinbruch ? Rückzieher ? Rallye. Kritiker wie Gouverneur Gavin Newsom oder Fareed Zakaria nannten es einen weiteren Beweis für Trumps Unzuverlässigkeit: Er blufft groß, aber die Märkte – und nicht etwa Verhandlungsgeschick – zwingen ihn in die Knie.

Was sagt uns das über Donald Trump? TACO ist kein Zufall, sondern Symptom. Es zeigt einen Präsidenten, dessen größte Eitelkeit nicht die Flagge oder das Militär ist, sondern der Ticker des Dow Jones und S&P 500. Solange die Börse steigt, fühlt er sich bestätigt – selbst wenn das bedeutet, Drohungen zurückzunehmen, die er tags zuvor noch als „unverhandelbar“ bezeichnet hat. Es ist die ultimative Ironie: Der Self-made-Milliardär, der sich als harter Verhandler verkauft, wird von anonymen Fondsmanagern und Algo-Tradern diszipliniert. Die Märkte haben herausgefunden, was viele Politiker schon lange ahnten: Trump hasst Schmerz – vor allem wirtschaftlichen.

Doch TACO birgt auch eine Warnung. Wenn der Rückzieher zur Erwartung wird, verliert die Drohung ihre Wirkung. Der „Boy-who-cried-wolf“-Effekt tritt ein: Irgendwann glaubt niemand mehr an den Ernst der Lage – und dann könnte Trump, um sein Image zu retten, tatsächlich durchziehen. Genau das fürchten einige Strategen für 2026: Je viraler TACO wird, desto wahrscheinlicher wird er versuchen, das Gegenteil zu beweisen.

Donald Trump bleibt der TACO-Präsident – nicht weil er schwach wäre, sondern weil er pragmatisch ist, wenn es um seinen eigenen Ruhm geht. Die Welt hat gelernt: Seine größten Drohungen sind oft nur laute Verhandlungsstarts – und sein größter Rückzieher der zuverlässigste Bullenmarkt-Booster. Ob das gut oder schlecht für Amerika ist, bleibt offen. Für die Börse jedenfalls ist es Gold wert. Und für die Geschichte? Ein bitter-süßes Taco-Meme in den Annalen eines chaotischen Comebacks.

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
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