London – Patienten mit doppelten elektronischen Krankenakten haben ein massiv erhöhtes Risiko für schwere Komplikationen im Krankenhaus. Das zeigt eine US-Studie, die jetzt im BMJ Quality & Safety veröffentlicht wurde.
Forscher analysierten Daten von 6.086 erwachsenen Patienten (bis 89 Jahre), die zwischen Juli 2022 und Juni 2023 in eines von 12 Krankenhäusern eines großen multiregionalen Gesundheitssystems aufgenommen wurden. Davon hatten 1.698 doppelte Akten (d. h. mehrere Patienten-IDs für dieselbe Person), 4.388 eine einzige Akte.
Nach Anpassung für vergleichbare Merkmale (Propensity-Score-Matching) ergaben sich alarmierende Unterschiede:
- Sterberisiko im Krankenhaus: 11 % bei doppelten Akten vs. 2,5 % bei einfachen ? fast 5-fach höher (adjustiertes Odds Ratio ? 5).
- Intensivpflegebedarf: 46 % vs. 19 % ? 3,5-fach höher.
- Verweildauer: durchschnittlich 101 Stunden vs. 74 Stunden ? 32 % länger.
- Notfallmaßnahmen: 6 % vs. 5 %.
- 30-Tage-Wiederaufnahme: 12 % vs. 11 % (adjustiert 30 % höher).
Die Autoren sehen die Hauptursache in fragmentierter Information: Wichtige Daten wie Allergien, Vorerkrankungen oder Medikationspläne sind bei doppelten Akten oft nur in einer der Akten vorhanden. Das führt zu verzögerter oder fehlerhafter Behandlung, ungenauen Anordnungen und erhöhtem Aufwand für das Personal, das zwischen mehreren Akten navigieren muss.
„Trotz hoher Motivation und Professionalität des Personals können doppelte Akten kritische Informationen vorenthalten und die Versorgung erheblich beeinträchtigen“, schreiben die Forscher. Die Prävalenz solcher Duplikate liegt in US-Systemen bei 5–10 %.
Die Studie ist beobachtend und kann keine Kausalität beweisen. Limitationen sind u. a. fehlende Berücksichtigung der Diagnoseanzahl, der Vorbehandlungen und die Beschränkung auf ein einziges Gesundheitssystem.
Die Autoren fordern dringend Verbesserungen:
- Bessere Datenintegrität durch systematische Vermeidung von Duplikaten
- Schnelle Zusammenführung bestehender Dubletten
- Geänderte Richtlinien im Gesundheitsinformationsmanagement
- Weitere Forschung zu kausalen Mechanismen und Auswirkungen
„Doppelte Akten sind ein vermeidbares Patientensicherheitsrisiko“, resümieren sie. „Zielgerichtete Interventionen zur Verbesserung der Datenqualität sind essenziell, um Leben zu schützen und die Versorgung effizienter zu machen.“
