Die Stimmung unter europäischen Wirtschaftsführern hat sich seit Frühjahr 2025 deutlich eingetrübt. Laut der zweiten Ausgabe des European Competitiveness Barometer der Boston Consulting Group (BCG) ist der Optimismus um 15 Prozent gesunken. 93 Prozent der befragten Führungskräfte warnen vor schweren Folgen für Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und Arbeitsplätze in Europa.
Die Umfrage aus November 2025 umfasst 850 C-Level-Manager und über 6.400 Bürger in Europa. 96 Prozent der Wirtschaftsführer und 85 Prozent der Bürger fordern dringend Maßnahmen zum Schutz europäischer Wirtschaftsinteressen, um langfristige Schäden abzuwenden. 80 Prozent beider Gruppen halten radikalen Wandel für unvermeidlich.
Mehr als 60 Prozent der Befragten – sowohl aus Wirtschaft als auch aus der Bevölkerung – plädieren für „mehr Europa“ statt weniger: stärkere Zusammenarbeit, bessere Koordinierung und Fokussierung auf wenige Schlüsselbereiche und Länder. Diese Haltung ist quer durch Länder wie Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und die Nordics verbreitet.
85 Prozent der Manager sehen die EU-Institutionen in einer Sackgasse. 95 Prozent unterstützen eine Reforminitiative, die von einer kleinen Gruppe von Ländern vorangetrieben wird. Priorisierte Sektoren sind Energie, Verteidigung, Kapitalmärkte und Innovation. 87 Prozent der Führungskräfte fordern Steuerentlastungen, Lockerung des Arbeitsrechts und Vereinfachung von Regulierungen.
National unterscheiden sich die Stimmungen: In Frankreich und Deutschland ist das Vertrauen am niedrigsten (nur 27 Prozent der Bürger in Frankreich und 29 Prozent in Deutschland optimistisch). In Italien ist die Zuversicht unter Managern auf 81 Prozent gestiegen, mit starker Unterstützung für pragmatische Führung und mehr Engagement von Unternehmenschefs.
Bürger erwarten von CEOs aktiveres öffentliches Auftreten: 76 Prozent der Bevölkerung und 93 Prozent der Manager selbst wünschen sich stärkere Beteiligung, etwa in EU-Gremien. 91 Prozent der Führungskräfte befürworten eine EU-weite CEO-Arbeitsgruppe. Hemmnisse bleiben Reputationsrisiken (64 Prozent) und mangelnde politische Offenheit (54 Prozent).
BCG-Partner Matthias Tauber betont: Europa könne es sich nicht mehr leisten, das Wettbewerbsproblem zu diskutieren – die Zeit für entschlossenes Handeln sei jetzt. Sylvain Duranton, Global Leader BCG X, ergänzt: Wirtschaftsführer suchten keine Erlaubnis, sondern eine Plattform zum Handeln.
Der Bericht ist unter dem Titel „European CEOs and Citizens Want Economic Strength“ verfügbar.
