Friedrich Merz: Der AfD Türöffner

Durch | 22. Oktober 2025

Friedrich Merz steht als Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland im Herbst 2025 zunehmend unter Druck – nicht nur wegen sinkender Umfragewerte, sondern auch aufgrund seiner Vergangenheit als Deutschland-Chef des Finanzkonzerns BlackRock und wegen eines wachsenden Glaubwürdigkeitsproblems innerhalb der eigenen Partei und in der Bevölkerung. Dieses Editorial analysiert, wie seine frühere Nähe zu globalen Finanzinteressen, sein taktischer Umgang mit der politischen Rechten und seine widersprüchliche Regierungsführung zusammenspielen – und warum letztlich die AfD von dieser Situation profitiert und ihn politisch aus dem Kanzleramt drängen könnte.

Eine Karriere zwischen Politik und Kapitalmacht

Von 2016 bis 2020 war Friedrich Merz Aufsichtsratsvorsitzender des weltweit größten Vermögensverwalters BlackRock in Deutschland – ein Posten, der weit mehr als eine symbolische Rolle war. Merz galt als Türöffner, als Netzwerker zwischen Finanzindustrie und Politik. Laut Unternehmenskreisen nutzte BlackRock seine politischen Verbindungen, um regulatorische und wirtschaftliche Interessen in Deutschland zu fördern[1][2]. Über Fondsbeteiligungen an nahezu allen DAX-Unternehmen verfügt BlackRock über einen strukturellen Hebel in der gesamten deutschen Wirtschaft. Merz’ Tätigkeit dort hinterließ einen bleibenden Schatten. Bis heute wird seine Unabhängigkeit von Finanzinteressen in Zweifel gezogen [3].

Diese Verflechtung zwischen Finanzmacht und Politik prägt sein Image als Vertreter einer „managerialisierten“ Politikgeneration: pragmatisch, marktorientiert, technokratisch. Doch gerade dieser Habitus entfremdete ihn von Teilen der Wählerschaft, die sich in ökonomischen Krisen von globalen Eliten bedroht fühlen. In dieser Lücke gedeiht die AfD.

Glaubwürdigkeitskrise und Wortbrüche

Merz’ größte Schwäche liegt in der Inkonsistenz zwischen Ankündigung und Umsetzung. Während des Wahlkampfs 2025 versprach er fiskalische Disziplin und eine harte Linie in der Migrationspolitik. Nur Monate später kündigte er milliardenschwere kreditfinanzierte Investitionsprogramme an – ein Kurswechsel, der selbst in der CDU für Empörung sorgte. Mehrere Parteimitglieder warfen ihm „Wählerbetrug“ vor, da er damit zentrale Werte der Union aufgegeben habe [4].

Auch in der Sicherheits- und Migrationspolitik blieb er ambivalent: Einerseits versprach er „Grenzkontrollen am ersten Tag seiner Kanzlerschaft“, andererseits verzögerte er Maßnahmen, verwies auf europäische Abstimmungen und suchte den Kompromiss mit der SPD. Diese politischen Widersprüche zersetzen sein zentrales Kapital – die persönliche Glaubwürdigkeit [4].

Der Verlust der gesellschaftlichen Mitte

In der politischen Gegenwart wirkt Merz zunehmend als Getriebener. Umfragen zeigen, dass nur ein Drittel der Bevölkerung mit seiner Arbeit zufrieden ist, während zwei Drittel ihm die Führungsfähigkeit absprechen [5]. Seine Versuche, mit einer „klaren Kante“ nach rechts Profil zu gewinnen, führten zu neuen Konflikten mit SPD und Grünen. Besonders seine Äußerungen über das „Stadtbild“ und Migration wurden parteiübergreifend als spaltend, opportunistisch und an AfD-Rhetorik erinnernd kritisiert [6][7].

Die Folge: Statt eine gesellschaftliche Mitte zu einen, vertieft Merz die Polarisierung. Während seine Wortwahl bei konservativen Wählern punktuell Zustimmung findet, radikalisiert sie zugleich das Diskursklima – und treibt damit Teile seiner potenziellen Wählerschaft direkt in die Arme der AfD.

Die strategische Sackgasse der CDU

Trotz mehrfacher Bekräftigungen der sogenannten „Brandmauer“ gegen die AfD bleibt die Union unter Merz innerlich gespalten [8][9]. Besonders in Ostdeutschland fordern lokale CDU-Verbände eine pragmatischere Linie – eine Annäherung, die Merz kategorisch ausschließt. In Wirklichkeit aber ist seine Rhetorik ambivalent: Während er die AfD rhetorisch bekämpft, bedient er teilweise dieselben Themenfelder – Migration, Sicherheit, nationale Identität – und verschiebt so den Deutungsrahmen zugunsten der Rechten [10].

Analysten sehen darin eine gefährliche strategische Doppelmoral: Merz’ Regierung verspricht gleichzeitig ökonomische Stabilität und kulturelle Verschärfung, verliert aber auf beiden Seiten Vertrauen. Die Mitte zweifelt an seiner Vernunft, der rechte Rand an seiner Konsequenz. Eine Partei, die „den Hauptgegner AfD“ ständig imitativ bekämpft, läuft Gefahr, ihre eigene ideologische Klarheit zu verlieren [11][12].

Politische Erosion und Machtvakuum

Der ARD-Deutschlandtrend vom August 2025 zeigt, dass nur 29 Prozent der Deutschen Kanzler Merz zutrauen, das Land in Krisen zu führen [5]. Hinter den Zahlen steckt mehr als Unzufriedenheit mit der Regierung; sie spiegeln eine tiefere Vertrauenskrise in die klassische politische Mitte wider. Die AfD liegt laut aktuellen Forsa-Trendbarometern bundesweit gleichauf oder leicht vor der Union – ein historisches Signal, das Zweifel an der Regierungsfähigkeit des Kanzlers aufwirft [13].

Die Ursachen liegen weniger in der Stärke der AfD als in der Schwäche der Union. Wirtschaftlich stagniert Deutschland, sozialpolitisch fehlt Orientierung, und außenpolitisch wirkt Merz blass. Selbst zentrale sicherheitspolitische Entscheidungen – etwa die Teil-Aussetzung von Rüstungsexporten nach Israel – erscheinen unkoordiniert und reaktiv statt strategisch [5].

Der Schatten der Machtelite

Merz’ BlackRock-Vergangenheit bleibt ein politisches Stigma. Sie hat sein Bild als „Anwalt der Finanzelite“ zementiert und erzeugt Misstrauen, das in Krisenzeiten kaum zu entkräften ist [1][2][3]. Schon während seiner Zeit bei BlackRock galt Merz als Vermittler zwischen internationalen Investoren und deutschem Unternehmertum – eine Rolle, die ihn von klassischen Volksparteiverständnissen entfremdete. In einer Ära wachsender Ungleichheit wirkt seine Biografie aus Sicht vieler Bürger wie der Prototyp einer globalen Entkopplungselite.

Das ist der Kern seines Problems: In Zeiten, in denen gesellschaftliche Stabilität und ökonomische Sicherheit zur neuen Leitwährung politischer Loyalität geworden sind, verkörpert Merz genau das Gegenteil dessen, was verunsicherte Wähler suchen.

Warum ihn die AfD verdrängen wird

Die Alternative für Deutschland speist ihre Stärke aus der politischen Glaubwürdigkeitslücke der etablierten Parteien. Merz’ CDU hat weder ideologisch noch kommunikativ eine Antwort darauf gefunden. Die Brandmauer steht nur rhetorisch – faktisch füttert Merz’ eigene Themensetzung das Lager, das er bekämpfen will.

Die AfD präsentiert sich als die „ehrlichere Rechte“ – nationalistisch, sozialpopulistisch und antielitär zugleich. Sie profitiert davon, dass Merz die Konfliktlinien mit seiner wirtschaftsliberalen, aber sozial indifferenten Agenda nicht auflöst, sondern verschärft. Während Merz von fiskalischer Disziplin redet, erleben viele Menschen stagnierende Löhne und steigende Lebenshaltungskosten. Diese Diskrepanz treibt, wie politische Analysen zeigen, konservative und unzufriedene Arbeiter gleichermaßen in die Arme der AfD [8][13].

Fazit: Das selbstverschuldete Ende eines Kanzlers

Friedrich Merz wollte als Kanzler der Vernunft und des wirtschaftlichen Realismus regieren. Stattdessen steht er heute für das Auseinanderfallen von ökonomischer Kompetenz und politischer Vertrauensbasis. Seine BlackRock-Vergangenheit, sein ungestümer Populismus und sein mangelndes soziales Feingefühl haben die Union in eine doppelte Krise gestürzt: eine moralische und eine strategische.

Die AfD wird ihn nicht sofort, aber langfristig aus dem Kanzleramt drängen – nicht durch parlamentarische Stärke, sondern durch den Verlust des Deutungsmonopols, das einst die CDU innehatte. Merz ist zum Symbol geworden für die Selbstverleugnung einer konservativen Mitte, die ihre eigene Glaubwürdigkeit der Macht geopfert hat. Wenn das Zentrum kollabiert, wächst der Rand – und im Jahr 2025 ist dieser Rand blau.

Quellen:
[1] Merz? ‚Er hat sich rasch in unser Geschäftsmodell eingearbeitet‘ https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/blackrock-merz-cdu-lux.TaqwWewvCPyvGCpfF96QkU
[2] Was Friedrich Merz bei Blackrock macht – Wirtschaft https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/blackrock-friedrich-merz-1.4191123
[3] Merz und Blackrock: CDU-Mann Friedrich Merz war einst … https://www.augsburger-allgemeine.de/wirtschaft/blackrock-wirft-noch-immer-einen-schatten-auf-friedrich-merz-102990002
[4] Das Glaubwürdigkeitsproblem von Friedrich Merz https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/merz-cdu-kritik-kanzler-schuldenbremse-waehlerbetrug-waehlertaeuschung-100.html
[5] Umfragewerte für Friedrich Merz sinken – Stopp für … https://www.youtube.com/watch?v=Atbrpl8VWcg
[6] Nach „Stadtbild“-Äußerungen: Der Stil des Kanzlers steht … https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/cdu-brandmauer-debatte-100.html
[7] CDU gegen die AfD: Wer raunt wie die AfD, bekämpft sie … https://www.zeit.de/politik/deutschland/2025-10/cdu-gegen-afd-strategie-friedrich-merz-stadtbild
[8] Merz sieht AfD als „Hauptgegner“ und schließt … https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/politik/merz-cdu-afd-brandmauer-landtagswahlen-100.html
[9] Merz schließt Zusammenarbeit mit AfD mit ihm als CDU … https://www.zeit.de/politik/deutschland/2025-10/brandmauer-debatte-friedrich-merz-zusammenarbeit-afd-cdu-parteichef
[10] Merz sagt AfD den Kampf an – und bleibt bei „Stadtbild“-Satz https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/merz-cdu-strategieklausur-100.html
[11] Merz muss sagen, was für die CDU unverhandelbar ist https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/politik/cdu-afd-abgrenzung-merz-meinung-100.html
[12] Friedrich Merz in Panik: Anti-AfD-Strategie der CDU https://www.news.de/politik/859045655/friedrich-merz-mit-geheimer-klausur-tagung-gegen-afd-bundeskanzler-praesentiert-anti-afd-strategie/1/
[13] AfD liegt im neuen Forsa-Trendbarometer für RTL und … https://www.n-tv.de/politik/AfD-liegt-im-neuen-Forsa-Trendbarometer-fuer-RTL-und-ntv-vorn-CDU-CSU-auf-Platz-2-article26109426.html
[14] Friedrich Merz: Zwischen Blackrock und Kanzleramt https://visualjournalism.de/magazin/macht-und-kontrolle/friedrich-merz-zwischen-blackrock-und-kanzleramt/
[15] Friedrich Merz Vorsitzender des Aufsichtsrats Blackrock … https://www.xetra.com/xetra-de/newsroom/events/Friedrich-Merz-1602690
[16] Friedrich Merz – Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Merz
[17] Umfrage zu Friedrich Merz als Bundeskanzler 2025 | Statista https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1607708/umfrage/friedrich-merz-als-bundeskanzler/
[18] Die Lobby-Akte der Regierung Merz https://www.abgeordnetenwatch.de/recherchen/lobbyismus/die-lobby-akte-der-regierung-merz
[19] Kritik an Kanzler Merz wegen Aussage über Migranten https://www.nachrichtenleicht.de/stadtbild-merz-migration-kritik-100.html
[20] Friedrich Merz https://lobbypedia.de/wiki/Friedrich_Merz

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
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