Jmail.world: Virales Gmail-Double macht Epstein-E-Mails durchsuchbar

Durch | 11. Februar 2026

Die Website jmail.world hat sich seit November 2025 zu einem der meistdiskutierten Online-Projekte im Kontext der sogenannten „Epstein Files“ entwickelt. Das unabhängige Archiv präsentiert Zehntausende freigegebener E-Mails des verstorbenen Finanziers und verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein in einer täuschend echten Gmail-Oberfläche – inklusive Posteingang, Sternchen-Markierungen, Suchfunktion und sogar einem KI-Chat namens „Jemini“.

Die Plattform simuliert den Login in Epsteins vermeintliches Konto jeevacation@gmail.com und zeigt echte Dokumente, die vom US-Justizministerium (DOJ), dem House Oversight Committee und Gerichten in mehreren Tranchen seit Ende 2025 öffentlich gemacht wurden – darunter E-Mails, angehängte Dateien, Flugprotokolle und teilweise stark redigierte Korrespondenz bis ins Jahr 2019.

Entstehung in Rekordzeit

Entwickelt wurde jmail.world von dem Internetkünstler und selbsternannten „Prankster“ Riley Walz sowie dem Softwareentwickler Luke Igel (Mitgründer von Kino AI). Laut mehreren Berichten und Reddit-Statements der Beteiligten entstand die erste Version in nur etwa fünf Stunden – unter Verwendung moderner KI-Coding-Tools wie Cursor und des Frameworks Next.js mit HeroUI-Komponenten. Walz hatte das Projekt zunächst via X (ehemals Twitter) angekündigt: „We cloned Gmail, except you’re logged in as Epstein and can see his emails.“

Seitdem wurde das Angebot massiv erweitert:

  • JDrive (Google-Drive-ähnliche Ansicht für Dokumente)
  • JPhotos (Bildergalerie)
  • JFlights (Übersicht der berüchtigten Lolita-Express-Flüge)
  • Jemini (KI-Such- und Analyse-Assistent, der auf Google Gemini basiert und sogar OCR auf gescannte PDFs anwendet)
  • Jotify (Notizfunktion)

Die Macher betonen durchgängig, dass ausschließlich öffentlich zugängliche Regierungsdokumente verwendet werden – keine neuen Leaks, keine illegal beschafften Daten.

Rezeption und Reichweite

Die Seite verzeichnete laut verschiedenen Medienberichten bereits über 450 Millionen Pageviews und zeitweise mehr als 18 Millionen Besucher. Große Outlets wie Mashable, WIRED, Fast Company, NDTV, Times of India und Rolling Stone berichteten ausführlich. Viele Journalisten loben die enorme Erleichterung bei der Recherche: Statt zigtausend unübersichtlicher PDF-Seiten scrollt man nun wie in einem echten Postfach.

Kritiker hingegen sehen in der täuschend echten Nachbildung – inklusive Epstein-Profilbild und spielerischen Elementen wie einem kleinen Hut am Logo – eine problematische Inszenierung. Einige Kommentatoren sprechen von „Voyeurismus“ oder „banaler Rekonstruktion eines Verbrecherlebens“. Andere verteidigen das Projekt als ultimativen Transparenz-Treiber: Gerade weil das DOJ selbst immer wieder von „technischen Limitierungen“ bei der Durchsuchbarkeit spricht, demonstriert Jmail eindrucksvoll, was mit etwas Aufwand möglich ist.

Aktueller Stand (Stand Februar 2026)

In den vergangenen Wochen wurden weitere große Dokumenten-Tranchen integriert (u. a. Volume 9–11 des DOJ-Drops mit insgesamt über einer Million Seiten). Die Seite wird weiterhin aktualisiert und finanziert sich über Spenden. Die Entwickler haben angekündigt, den Code nach Abflauen der größten Aufmerksamkeit open-source zu stellen.

Fazit
Jmail.world ist weder E-Mail-Dienst noch Hacker-Tool, sondern ein radikales Citizen-Journalismus-Experiment: Es nimmt sperrige öffentliche Archive, gießt sie in die vertrauteste Oberfläche der Welt und zwingt damit die Öffentlichkeit, sich mit dem Inhalt auseinanderzusetzen – ob man will oder nicht. Ob das Projekt letztlich mehr Aufklärung oder mehr Spektakel schafft, wird wohl noch längere Zeit debattiert werden.

Quellen: Offizielle Projektseite, Berichte von WIRED, Mashable, Wikipedia-Eintrag, Reddit-Threads der Entwickler sowie Medien aus den USA, Indien und Großbritannien (Stand 11.–12. Februar 2026).

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LabNews Media LLC
LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

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