Das Canadian Cybersecurity Network (CCN) hat seinen Bericht „State of Cybersecurity in Canada 2026“ veröffentlicht. Darin wird ein grundlegender Wandel in der Wahrnehmung von Cyberrisiken betont. Cybersecurity gilt nicht mehr allein als technisches Thema, sondern als zentrale Voraussetzung für wirtschaftliche Stabilität und nationale Sicherheit. Digitale Vertrauenswürdigkeit bildet die Grundlage für Finanzsysteme, öffentliche Dienste und die Wettbewerbsfähigkeit des Landes.
Kanada zeigt trotz Herausforderungen Resilienz, gestützt durch qualifizierte Fachkräfte, führende Forschungseinrichtungen und ein wachsendes Ökosystem. Dennoch bestehen deutliche Unterschiede in der Reife der Cybersicherheit, insbesondere bei kleinen und mittelständischen Unternehmen, in betriebstechnischen Umgebungen, bei der Identitätsüberprüfung und in der Krisenbereitschaft. Angriffe zielen zunehmend auf Vertrauen, Identität und menschliche Entscheidungsfindung ab und nicht nur auf Infrastruktur. Diese Schwachstellen stellen ein systemisches Risiko dar.
Cybersecurity sei 2026 kein IT-Thema mehr, sondern eine Führungsaufgabe. Traditionelle Vertrauenssignale verlieren an Bedeutung. Deepfakes, Stimmklonen und KI-gestützte Social Engineering ermöglichen es Angreifern, Führungskräfte, Mitarbeiter und Institutionen überzeugend zu imitieren. Identität wird zum primären Angriffsvektor. Reine technische Abwehrmechanismen reichen nicht mehr aus. Überprüfungen müssen in Echtzeit bei der Handlung erfolgen.
Cyberincidents entwickeln sich von isolierten Sicherheitsvorfällen zu umfassenden Unternehmenskrisen. Regulatorische Anforderungen, Medienberichterstattung und finanzielle Folgen laufen parallel zur technischen Reaktion ab. Viele Organisationen sind auf diesen Druck trotz vorhandener Pläne nicht vorbereitet.
Der Bericht zeigt zudem eine wachsende Verzahnung von Cybersecurity, Versicherungswesen und Governance. Cyber-Versicherer übernehmen eine aktive Rolle in der Prävention, legen Mindeststandards fest und erhöhen die Verantwortung auf Vorstandsebene. Dies steigert die nationale Cyberhygiene, deckt aber gleichzeitig Reifedefizite auf.
Für die kommenden Jahre werden agentische künstliche Intelligenz und Post-Quantum-Kryptografie als entscheidende Faktoren genannt. Autonome Systeme beschleunigen offensive und defensive Aktivitäten und verkürzen Entscheidungszeiträume unter menschliche Reaktionsfähigkeit. Gleichzeitig birgt heute gesammelte Daten das Risiko zukünftiger Entschlüsselung, falls Quantenbereitschaft fehlt.
Parallel zum nationalen Bericht startet das CCN die neue Intelligence-Reihe CCN Insights. Die erste Ausgabe „When AI Acts: Securing Autonomous Systems at Machine Speed“ beleuchtet Risiken durch autonome KI, Deepfakes und synthetische Identitäten. Sie wurde in dieser Woche auf der NKST IAM Conference in Toronto vorgestellt.
Der Bericht richtet sich an Vorstände, Führungskräfte, Politiker und Sicherheitsverantwortliche. Er bietet eine klare Einschätzung der aktuellen Lage und priorisierte Handlungsempfehlungen zur Stärkung der nationalen Resilienz.
Das Titelbild zeigt einen wachsamen kanadischen Elch, der Stärke, Bodenständigkeit und Bereitschaft symbolisiert, Systeme, Wirtschaft und öffentliches Vertrauen in einer umkämpften digitalen Umgebung zu schützen.
Der Bericht wurde am 28. Januar 2026 auf der NKST IAM Conference in Toronto vorgestellt.
