Sechs Schlüsseltechnologien könnten bis 2050 eine globale Vermögensverschiebung von rund 350 Billionen US-Dollar auslösen und Politik, Wirtschaft und Gesellschaften grundlegend verändern. Der aktuelle KI-Boom birgt jedoch das Risiko einer Marktkorrektur in Höhe von etwa 13 Billionen US-Dollar, da die Energie- und Ressourcenintensität heutiger KI-Modelle nicht nachhaltig sei. Zu diesem Ergebnis kommt ein neuer Bericht des Institute of Strategic Intelligence and Intervention (ISII), der am 17. Februar 2026 beim AI Impact Summit in Delhi vorgestellt wurde.
Der Report „Technologies Shaping the Future“ beschreibt eine zivilisatorische Transition vergleichbar mit der Industriellen Revolution, begleitet von zunehmender strategischer Rivalität. Die USA hätten den Übergang von Kooperation zu Konkurrenz vollzogen, was Allianzen umgestalte und geopolitische Fragmentierung beschleunige.
Als zentrale Treiber der Transformation gelten Künstliche Intelligenz, Quantencomputing, Fusionsenergie, Nanotechnologie, Gen-Editing und Extended Reality. Diese Technologien verändern Bereiche wie Rechenleistung, Energiegewinnung, Materialien, Lebensdauer und Wahrnehmung der Realität. Die USA und China dominieren in fünf von sechs Bewertungskriterien technologischer Macht. Während die USA in Kommerzialisierung und Ökosystemstärke führen, punkte China mit langfristiger wissenschaftlicher Planung, Skaleneffekten und seinem riesigen Binnenmarkt.
Als mögliche dritte Achse nennen die Autoren die Europäische Union, das Vereinigte Königreich und Indien. Zusammen repräsentieren sie zwei Milliarden Menschen und übertreffen USA und China in wissenschaftlicher Tiefe, STEM-Talenten und diplomatischem Einfluss – mit Potenzial für ein kooperativeres globales Modell.
Aktuell konzentrieren sich rund 27 Billionen US-Dollar Marktwert in den 20 größten KI-fokussierten Technologieunternehmen, was etwa 20 Prozent des globalen Aktienmarkts entspricht. Die fünf größten US-Hyperscaler halten allein etwa 17 Billionen US-Dollar – rund ein Viertel des S&P 500 – und planen für 2026 über 700 Milliarden US-Dollar Investitionen in KI-Infrastruktur.
Die Energiebilanz aktueller KI-Modelle gilt jedoch als kritisch. Prognosen deuten darauf hin, dass KI bis 2030 bereits 14 Prozent und bis 2040 fast 28 Prozent des US-Stromverbrauchs ausmachen könnte – gegenüber 3 Prozent heute. Ohne massive Effizienzsteigerungen oder Energie-Durchbrüche drohe eine Verdrängung anderer wirtschaftlicher Nutzungen.
Der Bericht vergleicht aktuelle KI-Systeme mit evolutionären Metaphern: Wölfe unter Anpassungsdruck, Neanderthaler vor dem Aussterben oder Dinosaurier, die an ihrer eigenen Ressourcenintensität und externen Schocks scheitern könnten. Zukünftige Durchbrüche könnten hingegen eine Ära des Überflusses einleiten – durch KI-gestützte Querschnittsinovationen, Quantencomputing für unlösbare Probleme, Nanotechnologie als Ersatz kritischer Materialien, Gen-Editing zur Umgestaltung der Biologie, Fusionsenergie als Energiewende und Extended Reality für Lernen und Produktivität.
Die Autoren sprechen von „kognitiven Imperien“, in denen staatlich-unternehmerische Systeme Algorithmen statt Armeen einsetzen, um Einfluss zu gestalten. Kapitalmärkte müssten künftig nicht nur einzelne Unternehmen, sondern ganze technologiegestützte Systeme bewerten – als Grundlage des Informationszeitalters. Staaten sollten Souveränität wahren.
Ketan Patel, Vorsitzender des ISII und Force for Good, betonte, Geopolitik, Wissenschaft, Technologie und Märkte unterstützten eine systemische Transformation der Zivilisation – die Märkte verhielten sich jedoch, als ginge es nur um die Bewertung einzelner Firmen. Welche Länder, Koalitionen und Unternehmen sich durchsetzen, sei in dieser entscheidenden historischen Phase noch nicht vorbestimmt.
Das kommende Jahrzehnt entscheide, ob die 350-Billionen-Transition zu beispiellosem, geteiltem Wohlstand führe oder zu destabilisierender Volatilität.
Der Bericht wurde auf dem Panel „Great Powers in the Age of AI and Cognitive Systems“ vorgestellt, das Ketan Patel leitete. Teilnehmer waren unter anderem Glenn Gaffney (CIA Director for Science and Technology), Garry Jacobs (World Academy of Art & Science) und Shaurya Doval (India Foundation).
