Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen am 15. September 2025 – CDU bleibt stärkste Kraft, AfD als klarer Gewinner

Durch | 14. September 2025

In Nordrhein-Westfalen (NRW), dem bevölkerungsreichsten Bundesland Deutschlands, haben gestern, am 15. September 2025, die Kommunalwahlen stattgefunden. Etwa 13,7 Millionen Wahlberechtigte waren aufgerufen, rund 20.000 kommunale Ämter und Mandate zu vergeben – darunter Bürgermeister, Landräte, Stadträte und Kreistage. Die Wahlen galten als erster signifikanter Stimmungstest für die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) seit der Bundestagswahl 2025. Die erste Prognose von Infratest dimap im Auftrag des WDR zeigt eine stabile, aber niedrige Leistung der CDU als stärkste Kraft, deutliche Verluste für SPD und Grüne sowie einen starken Zuwachs der AfD. Die Wahlbeteiligung lag bei geschätzt 55 Prozent, was einen deutlichen Anstieg gegenüber den 48 Prozent von 2020 darstellt und auf ein hohes Interesse an lokalen Themen wie Wohnungsnot, Infrastruktur und Migration hinweist.

Ablauf und Rahmenbedingungen der Wahl

Die Wahllokale in den 396 Städten, Gemeinden und 31 Kreisen NRWs öffneten um 8 Uhr und schlossen um 18 Uhr. Erstmals durften 16- und 17-Jährige wählen, was zu einem leichten Zuwachs an jungen Stimmen beitrug. Briefwahl war weit genutzt, mit Schätzungen von über 20 Prozent der Abstimmungen per Post – ein Faktor, der in vergangenen Wahlen oft zu Verschiebungen in den Hochrechnungen führte. 7 Der Wahlkampf war geprägt von lokalen Debatten um den Wohnungsbau, Verkehrsinfrastruktur und die Integration von Zuwanderern, die durch die anhaltende wirtschaftliche Unsicherheit im Ruhrgebiet und ländlichen Regionen verschärft wurden. Prominente wie Kanzler Merz oder Innenminister Herbert Reul (CDU) mobilisierten bis zum Schluss für ihre Parteien, während externe Einflüsse wie Äußerungen von Elon Musk zu Migrationspolitik in sozialen Medien für Aufsehen sorgten.

Kleinere Pannen überschatteten den Tag: In Dortmund und Krefeld kam es zu Verzögerungen bei der Stimmabgabe, und in Krefeld starb ein Wähler im Wahllokal an einem Herzinfarkt. Die Behörden sprachen von isolierten Vorfällen, die den Ablauf nicht beeinträchtigten. Stichwahlen für unentschiedene Bürgermeister- und Landratswahlen sind für den 29. September 2025 angesetzt, insbesondere in größeren Städten wie Düsseldorf und Köln.

Erste Prognose: Parteiergebnisse im Überblick

Basierend auf der ersten Hochrechnung von Infratest dimap (Stand: 19 Uhr) und ergänzenden Umfragen des Forsa-Instituts ergeben sich folgende landesweite Ergebnisse für die Wahlen zu den Räten der kreisfreien Städte und Kreistagen (Vergleich zu 2020 in Klammern):

  • CDU: 34,2 Prozent (– 0,1 zu 2020). Die Union bleibt klarer Sieger und dominiert in ländlichen Kreisen wie dem Rhein-Sieg-Kreis oder dem Hochsauerland. In Städten wie Köln und Düsseldorf sichert sie sich Vorsprünge, verliert aber leicht an absoluten Stimmen durch die höhere Beteiligung.
  • AfD: 16,4 Prozent (+ 10,5 zu 2020). Die Rechtspopulisten verdreifachen ihr Ergebnis und feiern ihren größten Zuwachs, besonders im Ruhrgebiet (z. B. Gelsenkirchen: über 20 Prozent). Sie profitieren von Unzufriedenheit mit etablierten Parteien und Themen wie Kriminalität und Asylpolitik.
  • SPD: 22,6 Prozent (– 1,8 zu 2020). Die Sozialdemokraten erleiden ihr schlechtestes Ergebnis seit 1946 und verlieren traditionelle Hochburgen im Pott. In Dortmund und Essen sinken sie unter 25 Prozent, was auf interne Konflikte und mangelnde Mobilisierung hinweist.
  • Grüne: 11,7 Prozent (– 5,2 zu 2020). Die Grünen verzeichnen die höchsten Verluste, trotz Stärken in urbanen Zentren wie Bonn (über 15 Prozent). Ländliche Regionen wie der Münsterlandkreis zeigen Rückgänge, bedingt durch Kritik an der Ampel-Politik auf Bundesebene und lokalen Bauprojekten.
  • FDP: 5,8 Prozent (– 0,5 zu 2020). Die Liberalen halten sich knapp über der Fünf-Prozent-Hürde und gewinnen in wirtschaftsstarken Kreisen wie dem Rhein-Kreis Neuss.
  • Linke und Andere: 9,3 Prozent (+ 2,0 zu 2020). Kleinere Parteien und Wählergruppen profitieren von der Fragmentierung, insbesondere in unabhängigen Listen.

Die Prognose basiert auf Auszählungen aus Briefwahlbezirken und repräsentativen Stichproben; finale Ergebnisse werden bis Mitternacht erwartet. Interaktive Karten des WAZ zeigen regionale Schwerpunkte: Die AfD dominiert im Norden des Ruhrgebiets, während die CDU in Westfalen über 40 Prozent holt.

Regionale Highlights und Vorfälle

  • Ruhrgebiet: Hier zeichnet sich ein „blaues Beben“ ab – die AfD überrollt SPD-Hochburgen. In Gelsenkirchen und Duisburg erreichen sie 18–22 Prozent, was auf Protest gegen wirtschaftliche Stagnation und soziale Spannungen hindeutet.
  • Rheinland: Die CDU siegt in Düsseldorf (Oberbürgermeisterwahl: CDU-Kandidat mit 52 Prozent), während Grüne in Köln Rückschläge erleiden.
  • Westfalen: Hohe Beteiligung in Solingen (über 47 Prozent bis 16 Uhr) und stabile CDU-Mehrheiten in ländlichen Kreisen.
  • Stichwahlen: In neun Gemeinden und zwei Kreisen sind keine Neuwahlen nötig, aber in Remscheid und Lippe folgen Nachwahlen am 29. September aufgrund von Kandidatentodesfällen.

Sachliche Interpretation der Ergebnisse

Die Kommunalwahlen 2025 unterstreichen eine anhaltende Polarisierung in NRWs Parteienlandschaft, die eng mit bundespolitischen Entwicklungen verknüpft ist. Die CDU unter Ministerpräsident Hendrik Wüst (der nicht direkt kandidierte) profitiert von ihrer Rolle als Regierungspartei und etabliert sich als verlässliche Kraft in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit. Ihr stabiles Ergebnis bei höherer Beteiligung deutet jedoch auf eine Erosion des traditionellen Lagers hin – absolute Stimmenzahlen sinken, was auf eine Mobilisierung oppositioneller Wähler schließen lässt.

Der dramatische Aufstieg der AfD signalisiert Unzufriedenheit mit der Ampel-Nachfolgekoalition und etablierten Parteien. Im Ruhrgebiet, wo Strukturwandel und Armut Themen sind, gewinnt sie Wähler von SPD und Grünen ab – ein Trend, der auf bundesweite Verschiebungen hindeutet, ohne dass die AfD jedoch sofort Bürgermeisterämter erobert, da Koalitionen sie isolieren könnten. 20 Dies könnte die Bildung von schwarz-rott-grünen Allianzen erschweren und zu instabileren Räten führen.

SPD und Grüne zahlen den Preis für interne Konflikte und die Wahrnehmung als „Bundesparteien“. Die SPDs Tiefstwert reflektiert Verluste in Kernwählerschichten, während die Grünen unter der Kritik an Umwelt- und Migrationspolitik leiden – trotz Stärken in Städten. Die FDP übersteht die Hürde, bleibt aber marginal.

Insgesamt spiegeln die Ergebnisse eine fragmentierte Szene wider: Die höhere Beteiligung (möglicherweise durch junge Wähler und Protestmobilisierung) verstärkt regionale Unterschiede und könnte die Landtagsdebatte 2026 beeinflussen. Als Stimmungstest für Merz-Regierung zeigt sich Skepsis gegenüber der Großen Koalition, mit Potenzial für AfD als „Königsmacher“ in Koalitionsverhandlungen. Experten wie Stefan Marschall von der Heinrich-Heine-Universität betonen, dass lokale Themen dominieren, doch bundespolitische Unzufriedenheit die Wahlentscheidung moduliert.

Die finalen Ergebnisse und Analysen folgen im Laufe des Montags. Für detaillierte Daten siehe wahlergebnisse.nrw.

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

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