Die deutschen Kommunen haben im Jahr 2024 ein historisches Defizit von etwa 25 Milliarden Euro verzeichnet, das größte in der Geschichte der Bundesrepublik. Ursachen sind hohe Inflation, schwache Konjunktur und stark steigende Ausgaben. Der Kommunale Finanzreport 2025 der Bertelsmann Stiftung analysiert die Lage und schlägt Maßnahmen zur Verbesserung vor.

Ursachen des Defizits
Die Finanzlage der Kommunen ist 2024 flächendeckend eingebrochen. Während die Steuereinnahmen aufgrund der schwachen Konjunktur stagnierten, stiegen die Ausgaben um zehn Prozent. Personalkosten verdoppelten sich in zehn Jahren durch Stellenwachstum und Tariferhöhungen. Sozialausgaben kletterten in zwei Jahren um 25 Prozent auf 85 Milliarden Euro, oft ohne ausreichende Bundesfinanzierung. Der Sachaufwand wuchs durch Inflation ebenfalls um ein Viertel, betroffen sind etwa Gebäudekosten und Dienstleistungen.
Regionale Disparitäten
Die Defizite trafen nahezu alle Bundesländer, besonders stark jedoch wirtschaftsstarke Regionen wie Bayern und Hessen. Steuerkraftunterschiede sind eklatant: In Bayern und Hessen finanzieren Kommunen über 40 Prozent ihres Haushalts aus Steuern, in Ostdeutschland weniger als 25 Prozent. Nur acht von 70 ostdeutschen Kommunen erreichen den Bundesdurchschnitt bei der Steuerkraft. Hessen erzielt pro Einwohner mehr als doppelt so hohe Steuereinnahmen wie Thüringen.
Investitionsrückstand und Kassenkredite
Trotz eines Rekordinvestitionsvolumens von 52 Milliarden Euro 2024 wächst der Investitionsstau weiter, da die Baubranche von hohen Inflationsraten betroffen ist. Bayern investiert am meisten, während Saarland, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen zurückfallen. Kassenkredite, ein zentraler Krisenindikator, steigen seit 2023 wieder an, besonders in Nordrhein-Westfalen, wo neun Städte ein Viertel des bundesweiten Volumens ausmachen. Frühere Erfolge im Schuldenabbau in Regionen wie Saarland und Rheinland-Pfalz sind gefährdet.
Pessimistischer Ausblick
Die strukturellen Probleme, insbesondere bei Sozialausgaben, bleiben ungelöst. Die schwache Konjunktur und dauerhaft erhöhte Ausgaben durch Inflation lassen die Defizite weiter wachsen. Die finanzielle Handlungsfähigkeit der Kommunen, die über 50 Prozent der öffentlichen Investitionen tragen, ist gefährdet, was den sozialen Zusammenhalt und die Klimaanpassung beeinträchtigt.
Lösungsvorschläge
Die Bertelsmann Stiftung fordert eine Staatsreform, um die Unterfinanzierung der Kommunen zu beheben. Vorschläge umfassen ein Bund-Länder-Sondervermögen oder einen privat-öffentlichen Zukunfts- und Transformationsfonds, um Investitionen in Klimaanpassung und Infrastruktur zu finanzieren. Der Bund soll klarere Finanzierungsverantwortung für gesetzlich vorgeschriebene Aufgaben übernehmen. Langfristige Strukturreformen sind nötig, um die Finanzlage nachhaltig zu stabilisieren.
Hintergrund
Der Kommunale Finanzreport 2025, erstellt in Kooperation mit der Technischen Hochschule Wildau und dem Deutschen Institut für Urbanistik, basiert auf aktuellen Finanzstatistiken und erscheint seit 2008 alle zwei Jahre. Ziel ist die Analyse regionaler Finanztrends und die Entwicklung von Lösungsansätzen.
Die Kommunen stehen vor enormen Herausforderungen, die ohne zusätzliche Unterstützung von Bund und Ländern nicht bewältigt werden können. Eine nachhaltige Finanzierung ist entscheidend, um ihre Rolle als Rückgrat der Infrastruktur und des sozialen Zusammenhalts zu sichern.
