Eine Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR), veröffentlicht in Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), zeigt, dass die Lebenserwartung für Menschen, die zwischen 1939 und 2000 geboren wurden, langsamer steigt als in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Während die Lebenserwartung von 1900 bis 1938 von 62 auf 80 Jahre anstieg, wird keine der untersuchten Generationen im Durchschnitt die 100-Jahre-Marke erreichen.
Die Forscher analysierten Daten aus der Human Mortality Database für 23 Länder mit hohem Einkommen und niedriger Sterblichkeit. Mit sechs verschiedenen Prognosemethoden, darunter etablierte Modelle wie Lee-Carter und die UN-Weltbevölkerungsprognosen, wurde die zukünftige Lebenserwartung geschätzt. Die Ergebnisse zeigen eine Verlangsamung des Anstiegs um 37 bis 52 Prozent. So stieg die Lebenserwartung früher pro Generation um etwa fünfeinhalb Monate, während sie für die untersuchten Kohorten nur noch um zweieinhalb bis dreieinhalb Monate pro Generation zunimmt.
Der Hauptgrund für diese Verlangsamung ist der geringe Spielraum für weitere Verbesserungen bei der Kindersterblichkeit, die Anfang des 20. Jahrhunderts durch medizinische Fortschritte stark sank. In älteren Altersgruppen verbessert sich die Überlebensrate nicht schnell genug, um vergleichbare Zuwächse zu erzielen. Selbst bei einer Verdopplung der Überlebensrate bei Erwachsenen würde die Lebenserwartung nicht die früheren Steigerungsraten erreichen.
Die Studie betont, dass Prognosen Unsicherheiten unterliegen, da Ereignisse wie Pandemien oder medizinische Durchbrüche die Ergebnisse beeinflussen können. Dennoch haben die Ergebnisse weitreichende Implikationen für Gesundheitssysteme, Rentenplanung und individuelle Lebensentscheidungen, da Regierungen und Bürger ihre Erwartungen an die Zukunft anpassen müssen.
Quelle: Max-Planck-Institut für demografische Forschung
Originalpublikation:
José Andrade, Carlo Giovanni Camarda, Héctor Pifarré i Arolas: Cohort mortality forecasts indicate signs of deceleration in life expectancy gains in PNAS (2025), DOI: 10.1073/pnas.2519179122

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